LENDERSHAUSEN

Was die Spuren im Wald verraten

Hier hat sich ein Rehbock „gejuckt”. Naturpädagogin Michaela Fietz erklärt den Kindern, dass den männlichen Rehe jedes Jahr ein neues Gehörn wächst. Foto: Gudrun Klopf

Wer hat wohl dieses Blatt angeknabbert? Von wem sind die Spuren am Waldboden? Und wer wohnt in diesem Baumloch? Mit der Naturpädagogin Michaela Fietz begaben sich die Kindergartenkinder aus Lendershausen im Wald auf Spurensuche.

Seit über 25 Jahren geht es mit den Kindern aus dem Kindergarten Höhlenzauber Jahr für Jahr für 14 Tage in den Sauerwald – egal, wie das Wetter ist. Passend ausstaffiert mit Matschhosen und Gummistiefeln, erkunden die 45 Kinder mit ihren Erzieherinnen das Waldstück mit dem kleinen Bach.

Das hautnahe Erleben der Natur ist ganz offensichtlich für viele ein besonderes Ereignis im Kindergartenjahr. Wald und Bach haben eine Menge zu bieten. Es wird geforscht, geschnitzt, gesammelt und gebaut. Alle sind – auch ganz ohne die üblichen Spielsachen – ins Spielen vertieft.

Höhepunkt des Waldprojektes ist der Besuch von Gästen, die den Kindern das Leben im Wald näherbringen. Am Mittwoch machte sich Naturpädagogin Michaela Fietz aus Königsberg mit den Kindern auf Spurensuche. Aufmerksam spitzten die Kleinen die Ohren, als Fietz mit Holzfiguren die Tiere des Waldes vorstellte und zeigte, welche Spuren sie im Wald hinterlassen.

Verräterische „Kleidung“

Dabei ging es beileibe nicht nur um die naheliegenden Fußspuren. Auch Fraßspuren, Hinterlassenschaften, Wohn- und Waschplätze und „Kleidung“, wie etwa Haare, Haut oder Federn, verraten, wer den Wald bevölkert. Bestens informiert, wurden die Kinder bei der anschließenden Spurensuche rasch fündig. Aus allen Richtungen rief es „Ich hab' was“. Kaum kam Fietz nach, von Fundort zu Fundort zu eilen und die entdekckten Spuren zu deuten. Die Löcher könnte eine Raupe in die Blätter gefressen haben. Und bei diesem Schössling hat es sich ein Reh schmecken lassen. Nein, von einem Reh, einem Hasen oder einem Wildschwein stammt diese „Wurst“ auf dem Baumstumpf nicht. Die muss von den kleinen Forschern mit Hilfe von Holzstöckchen näher untersucht werden. Die Zusammensetzung verrät, dass hier eine Eule ein Gewölle ausgewürgt hat. Hier könnte eine Maus wohnen und hoch oben im Baumloch ein Vogel.

Nicht schlecht staunten die Kinder über die unterschiedlichen Gewohnheiten der Tiere. Während die meisten Waldbewohner dort ihren Kot hinterlassen, wo sie gerade gehen oder stehen, nutzt der Dachs einen selbst gebauten Abort in der Nähe seines Baus. Und die Rinde der jungen Bäume ist nicht etwa abgefressen, sondern hier hat der Rehbock den Bast seines neuen Gehörns abgerieben, erklärt die Pädagogin den Kindern.

Gelebter Naturschutz

Mit ihren Angeboten möchte Michaela Fietz Bewusstsein für die heimischen Wildtiere schaffen. Den Kindern soll nahegebracht werden, wie die Tiere leben und man auf sie Rücksicht nehmen kann. „Nur was ich kenne, schütze ich“, bringt es Fietz auf den Punkt.

Vom Interesse und dem bereits vorhandenen Grundwissen der Kleinen ist sie begeistert. „Die sind richtig gut. Das ist nicht überall so.“

Soviel Spürsinn musste natürlich belohnt werden: Zum Abschluss gab es für die Spurensucher Abzeichen mit der Abbildung von Wildtieren.

Für die zweite Woche hat sich Förster Bernhard Streck angesagt. Die Eltern können den Wald jeweils am Freitag zusammen mit ihren Kindern erleben. (gkl)

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