TROSSENFURT

Welche Möglichkeiten bietet Holz für die Zukunft?

Über Holzwirtschaft in Zeiten des Klimawandels, Artenschutz und zukunftsweisende Verwendung nachwachsender Rohstoffe referierte bei der Jahreshauptversammlung Forstdirektor Hubert Weikhart bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Unser Steigerwald“.
Über Holzwirtschaft in Zeiten des Klimawandels, Artenschutz und zukunftsweisende Verwendung nachwachsender Rohstoffe referierte bei der Jahreshauptversammlung Forstdirektor Hubert Weikhart bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Unser Steigerwald“. Foto: Sabine Weinbeer

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Um Wälder, die dem Klimawandel trotzen können, um zukunftsweisende Möglichkeiten aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz und um den Artenschutz ging es bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Unser Steigerwald“, die am Freitag im Oberaurach-Zentrum in Trossenfurt stattfand, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Rund 300 Mitglieder füllten die Halle, in der die Vorsitzenden Gerhard Eck und Oskar Ebert ihren Jahresbericht abgaben und Forstdirektor Hubert Weikhart das Hauptreferat hielt zum Thema „Der globalisierte Holzmarkt im Spannungsfeld der Gesellschaft“.

Er habe aufgezeigt, welche Möglichkeiten, aber auch Verpflichtungen moderne Waldbewirtschaftung biete. Im Vergleich der drei Jahrzehnte zwischen 1961 und 1990 mit 1989 bis 2018 sei die Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2 Grad Celsius gestiegen. Für die nächsten 50 Jahre sei mit weiteren 2 bis 3,5 Grad zu rechnen, heißt es weiter in der Verlautbarung. Der Forstexperte habe aufgezeigt, wie diese Erwärmung die Waldbestände, vor allem Monokulturen wie in Kanada oder Tschechien, mit neuen Schädlingen und vermehrten Stürmen konfrontiere. Riesige Waldflächen brächen darunter zusammen. Waldwirtschaft sei nötig, um Baumhasel, Edelkastanie, Hainbuche, Sandbirke, Elsbeere, Japanlärche, Robinie oder Schwarzkiefer in die Wälder einzubauen. „Aber drei Grad Erwärmung werden auch diese Baumarten nicht schaffen“, wird Weikhart zitiert.

Die Waldbewirtschaftung müsse daneben ebenso wie die Landwirtschaft stark auf den Artenschutz ausgerichtet werden, denn wie die Erwärmung sei auch der massive Rückgang an Insekten und Feldvögeln wissenschaftlich belegt. Dazu brauche es aber nicht isolierte Vollschutzgebiete, sondern „ein Netz für die Natur im Wald und im Offenland“.

Weikhart richtete auch ein Augenmerk auf die vielfältige Verwendung von Holz, auf seine Vermarktung und Verarbeitung. An der Holzwirtschaft bis hin zur Verarbeitung hingen in Deutschland 1,1 Millionen Arbeitsplätze. „Das sind mehr als im Maschinenbau oder der Automobilindustrie“, betonte er, so die MItteilung. Nur zu etwa 70 Prozent könne der Holzbedarf der Deutschen aus dem eigenen Einschlag gedeckt werden, der Rest werde importiert. „Und natürlich wird ein gewisser Prozentsatz auch von uns exportiert“, zitiert die Mitteilung den Förster. Einerseits gehe es um den Austausch von Holzarten, andererseits um die Weiterverarbeitung etwa zu Viskose in Österreich. Diese Naturfaser sei nur eines der modernen Produkte aus Holz. Auch Folien könnten aus Zellstoff hergestellt werden und somit Plastik ersetzen. Derzeit werde intensiv daran geforscht, aus Holz chemische Rohstoffe herzustellen, so Weikhart.

Natürlich habe die Waldwirtschaft in Deutschland eine Verantwortung für die nur in Mitteleuropa heimische Buche, betonte der Forstfachmann. „Aber wir haben schon drei Buchen-Nationalparks im Jasmund, Kellerwald-Edersee und Hainich.“ Zukunftsweisend sei eine nachhaltige Gewinnung des nachwachsenden Rohstoffes mit Blick auf die Artenvielfalt im Sinne von „Nützen und Schützen“. Zudem sei nachgewiesen, dass die CO2-senkende Wirkung eines Waldes mit zunehmendem Alter sinke. „Am meisten CO2 bindet ein aufwachsender Wald“, erklärte Weikhart, also einer, aus dem immer wieder Bäume geerntet werden und andere nachwachsen. Erschüttert zeigte er sich laut Mitteilung des Vereins von „vielen gutgemeinten Aktionen, die aber von eklatant mangelnder Sachkompetenz zeugen“. Noch schlimmer seien bewusste Falsch-Darstellungen in den Medien. Damit sei der Sache nicht gedient.

Der Verein „Unser Steigerwald“ bestehe seit elf Jahren, so der Zweite Vorsitzende Oskar Ebert im Rechenschaftsbericht. Bei der Gründungsversammlung trugen sich 300 Mitglieder ein, heute besitze der Verein 3710 persönliche Mitglieder sowie 59 Vereine, Organisationen, Verbände und Kommunen. 21 Gemeinde-und Stadtratsgremien in der Region Steigerwald hätten nach der letzten Kommunalwahl erneut eine Resolution verabschiedet, mit der sie sich hinter den Verein stellten, der einen Nationalpark im Steigerwald als falschen Weg ansieht.

Erschüttert zeigten sich laut Vereinsmitteilung Ebert und der Erste Vorsitzende Gerhard Eck darüber, dass trotz einschlägiger Rechtsprechung, eindeutiger Positionierung der Staatsregierung und der Haltung von 21 Kommunen in der Region die Umweltverbände weiterhin massiv Stimmung für einen Nationalpark machten. „Frau Badum beweist nicht nur erschreckend wenig Wissen über die Waldbewirtschaftung, sie kennt auch offenbar die Region nicht, aber sie bekommt eine ganze Seite in der Zeitung“, wird Ebert zitiert.

Vorstandsmitglied MdL Steffen Vogel wandte sich – laut Verein – gegen die immer wieder aufgeführte Behauptung, die Stimmung im Steigerwald sei umgeschlagen. „Wir hatten Landtagswahlen. Wie haben die Parteien, die sich für einen Nationalpark aussprechen, denn hier in den Gemeinden abgeschnitten? Grüne und SPD zusammen in Oberaurach 15 Prozent, in Rauhenebrach 13 Prozent. Das zeigt die Meinung der Bevölkerung doch überdeutlich“, wird Vogel zitiert. Dafür habe man durch die Nationalparkdiskussion jetzt auch Streit und Aufregung im Spessart, in der Rhön und im Frankenwald. Die Vorstandschaft habe die Mitglieder dringend aufgefordert, sich intensiv in die Diskussion einzubringen und auf etwaige Falschdarstellungen zu reagieren. (wos)

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