KREIS HASSBERGE

Wem gehört der Drogen-Karton?

Auf einen Wecker konnte ein 20-jähriger Arbeitsloser aus dem Maintal am 30. August 2016 verzichten. Gegen 6 Uhr morgens standen mehrere Polizeibeamte mit Durchsuchungsbeschluss und einem Drogenspürhund in seiner Wohnung, um sie nach Rauschgift zu durchsuchen.

Reflexartig sprang der junge Mann aus dem Bett. Er zeigte auf einen Karton und sagte: „Der gehört mir nicht.“ Den Namen des Besitzers rückte er allerdings nicht heraus. Der Kriminalpolizei in Schweinfurt gelang es dennoch, durch die Auswertung des Handys des 20-Jährigen den Besitzer ausfindig zu machen.

Haschisch, Marihuana und ein Schlagring

Am Montag musste sich der Karton-Besitzer vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Denn im Karton fanden die Ermittler 12,7 Gramm Haschisch, 36,8 Gramm Marihuana sowie einen Schlagring, für den der 20-Jährige keinen Waffenschein besitzt. Vor Gericht schwieg der Angeklagte zu dem Vorwurf des unerlaubten Rauschgift- und Waffenbesitzes.

Sein Anwalt Maximilian Glabasnia sagte, sein Mandant bestreite, Besitzer des Kartons zu sein. Diese Behauptung widerlegte die ermittelnde Beamtin der KPI Schweinfurt im Zeugenstand. Anhand des WhatsApp-Protokolls könne der Karton mit dem brisanten Inhalt dem Angeklagten zugeordnet werden, sagte sie.

Am 24. April 2016 hatte der Angeklagte demnach seinem Kumpel, dem 20-jährigen Arbeitslosen, geschrieben, er solle seine Tee-Dose mit doppeltem Boden in seinen Karton packen. Diese Tee-Dose, die als Rauschgiftversteck dient, fanden die Ermittler später in dem Karton. Für Staatsanwalt Peter Bauer war der Angeklagte damit überführt.

Staatsanwalt fordert Haftstrafe plus Geldauflage

Zu dessen Gunsten spreche, dass es sich bei Cannabis um eine weiche Droge handle. Negativ zu Buche schlage jedoch die erhebliche Menge an Rauschgift – knapp unterhalb der „nicht geringen Menge“ von 7,5 Gramm THC (Cannabiswirkstoff). Bauer forderte eine zehnmonatige Jugendstrafe auf Bewährung plus einer Geldauflage von 3000 Euro.

Verteidiger Glabasnia gab zu bedenken, dass es auch mehrere Tee-Dosen gegeben haben könnte. Zudem sei die Schachtel mit dem berauschenden Inhalt offen und frei zugänglich gewesen für andere Drogenkonsumenten, die nach Polizeiangaben in der Wohnung des 20-jährigen Arbeitslosen aus und ein gingen. Die Behauptung des Untersuchten, die Schachtel gehöre nicht ihm, sei eine Schutzbehauptung, um nicht über die „nicht geringe Menge“ von 7,5 Gramm THC zu gelangen, was eine höhere Bestrafung zur Folge hätte.

Außerdem sei die Schachtel nicht in der Wohnung seines Mandanten gefunden worden, womit ein Besitz nicht gegeben sei. Der Verteidiger forderte daher einen Freispruch für seinen Mandanten, dem sich das Schöffengericht anschloss. Es spreche zwar einiges dafür, dass die Schachtel dem Angeklagten gehörte. Ausschließen könne man allerdings nicht, dass sie eventuell doch einem anderen gehörte, sagte Richter Martin Kober in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Übrigens: Insgesamt fanden die Beamten das Dreifache der „nicht geringen Menge“ sowie Geldkassetten und Rauschgiftutensilien in der Wohnung des 20-jährigen Arbeitslosen, gegen den ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Den Tipp zur Wohnungsdurchsuchung gab ein anderer Drogenkonsument, der vom Angeklagten körperlich angegriffen worden war und ihn deswegen anzeigte, woraufhin der Angeklagte bereits drei Wochen Jugendarrest bekam. Die Wohnung des untersuchten 20-Jährigen sei schon seit längerer Zeit bekannt als ein Ort des Drogenkonsums und als Umschlagplatz, sagte ein Beamter der Haßfurter Polizei vor Gericht.

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