ALTERSHAUSEN

Wer bremst, verliert!

Gelungenes Wortspiel: Mit ihrem „Badmobil“ (in Anlehnung an das Gefährt des Comic-Superhelden Batman) machten sich Sven Schuler und Philipp Seidel in Altershausen auf die Strecke. Foto: Snater

(sh) Zum Mekka des Seifenkistenrennsports verwandelte sich am Sonntag einmal mehr Altershausen bei Königsberg. Bereits zum elften Mal richtete die Evangelische Landjugend ihr Seifenkistenrennen unter dem Namen „Cool Running“ aus.

Was für eine große Faszination jener unmotorisierte Sport ausstrahlt, stellten mehrere Hundert Besucher entlang der Strecke sowie ein mit 18 Seifenkisten beachtliches Teilnehmerfeld unter Beweis. Letzteres setzte sich nicht nur aus Teams der unmittelbaren Umgebung zusammen, sondern aus ganz Franken und bis weit darüber hinaus zog es Seifenkistenbegeisterte ins sonst eher beschauliche Dörfchen.

In drei Klassen traten die Teams und Fahrer auf der etwa 700 Meter langen Strecke gegeneinander an, um die Schnellsten unter sich zu ermitteln. In insgesamt vier Wertungsläufen, von denen die Summe der drei besten über den Sieg entschied, tasteten und kämpften sich die Fahrerinnen und Fahrer immer näher an die Ideallinie heran, um im Ziel Geschwindigkeiten um die 60 Stundenkilometer zu erreichen.

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Cool Running

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Ganz besonders wichtig war dabei die richtig Kurventechnik in der lang gezogenen Biegung vorbei an der Haßberghalle, die – angetrieben durch die tosenden Zuschauer – mitunter mit waghalsigen Manövern gemeistert wurde. Hier geriet das ein oder andere Gefährt schon mal bewusst ins Driften oder unvermeidlich ins Wackeln. Nur keine Zehntelsekunde auf der Strecke lassen!

„Man braucht Vertrauen in die Kiste“, sagte der 16-jährige Andreas Xourgias aus Wendelstein bei Nürnberg, der mit „Glubbschi“ zum ersten Mal in Altershausen an den Start ging und erst sein drittes Rennen überhaupt bestritt. „Man darf nicht bremsen und muss sich trauen, die Kurven eng zu nehmen“ erläuterte die erfahrene Seifenkisten-Pilotin Johanna Holzheimer. Dass sie weiß, wovon sie spricht, bewies die 14-jährige Fahrerin aus Trappstadt mit ihrem silbernen Pfeil namens „Rückotec“, indem sie die Konkurrenz in der leichten Klasse bis 80 kg Fahrzeuggewicht bei einer Gesamtzeit von 2:42,15 Minuten mit mehr als neun Sekunden überdeutlich hinter sich ließ.

Was man baucht: Mut

„Man muss mutig sein, dass man sich in so ein Ding reinhockt“ war auch die Meinung von Christian Brembs aus Ibind, der seinen jüngeren Bruder Lorenz bei dessen erstem Seifenkistenrennen unterstützte. Der Neunjährige im „WD-40“ war der jüngste Fahrer beim diesjährigen „Cool Running“ und wäre schon heuer gerne auf Pokaljagd gegangen, aber das geliehene Fahrzeug war am Ende einfach nicht schnell genug. „Nächstes Jahr fahre ich mit unserer Kiste – die ist viel schneller“, blickt der Nachwuchsfahrer schon ein Jahr in die Zukunft. Immerhin kann er schon einmal stolz behaupten, schneller als sein älterer Bruder, der in einem Lauf das Steuer übernehmen durfte, die Altershäuser Piste abgefahren zu sein.

Rasende Badewanne

In der Profi-Klasse konnte sich bei den zwei Startern der aus Leutkirch im Allgäu angereiste Franz Knittel mit seinem blanken Geschoss namens „White Box“ bei einer Gesamtzeit von 2:45,72 mit 7,32 Sekunden Vorsprung gegenüber Karl-Heinz Werner in dessen knallgelben Opel-GT-Nachbau durchsetzen.

Neben den auf Schnelligkeit abzielenden Auszeichnungen wurde aber auch die kreativste Seifenkiste mit einem Preis belohnt. Diesen durften heuer Sven Schuler aus Schweinfurt und Philipp Seidel aus Hof entgegennehmen; denn ihr aus einer Badewanne bestehendes „Bad-Mobil“ mitsamt Dusche und auf Badeschaum schwimmenden Quietsche-Entchen wurde von einer Jury zum Gefährt mit dem einfallsreichsten Design gekürt. Da Sven Schuler als Heiz- und Sanitärtechniker einen eigenen Betrieb in Schweinfurt führt war die Idee einer fahrenden Badewanne nicht weit und als Werk des Meisters, in das rund 160 Arbeitsstunden geflossen sind, wird sie sogar in der Ausstellung des Betriebs ihren Platz finden.

Die traditionell wichtigste Entscheidung war aber das Wetteifern um das schnellste Gefährt in der Standard-Klasse, in der Kisten bis 150 kg Eigengewicht an den Start gehen durften. Hier hielt sich die Spannung bis in den letzten Lauf, lieferten sich doch die Lokalmatadoren und viermaligen Sieger Lisa Schwab aus Altershausen und René Böhm aus Königsberg mit ihrem „Speed Bully“ ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem „LA-Racer“ von Marco Ruggero und Markus Kleinlein. Die zwei aus dem mittelfränkischen Langenaltheim nehmen schon seit Jahren am „Cool Running“ teil, erreichten bislang aber nur wiederholt zweite Plätze. Zwar war bei ihnen auch in diesem Jahr die Vorbereitung eher von Zuversicht geprägt – „Freitag rausgezogen und Samstag hergefahren“ – doch sollte es nichtsdestotrotz dieses Jahr endlich mal anders kommen. Am Ende durften sich nämlich die beiden Mittelfranken auf der Spitze des Siegerpodestes feiern lassen. Mit ihrer Gesamtzeit von 2:45,47 Minuten besaßen sie gerade einmal glückliche 1,24 Sekunden Vorsprung auf den „Speed Bully“, der wiederum nur 1,22 Sekunden vor dem drittplatzierten „Streitwagen“ mit Michael Strätz aus Zeil und Florian Reitz aus Eltmann lag.

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