KÖNIGSBERG (SAWE)

Wer nicht kaut, der wird nicht satt

Über ihre Arbeit als Erlebnisbäuerin und Familiencoach berichtete beim Lions-Club Agraringenieurin Michaela von der Linden. Außerdem berichtete Lothar Firley vom Lions-Hilfsprojekt von Schwester Luise in Kenia. Lions-Präsidentin Sabine Weinbeer dankte den Referenten.
Über ihre Arbeit als Erlebnisbäuerin und Familiencoach berichtete beim Lions-Club Agraringenieurin Michaela von der Linden. Außerdem berichtete Lothar Firley vom Lions-Hilfsprojekt von Schwester Luise in Kenia. Lions-Präsidentin Sabine Weinbeer dankte den Referenten. Foto: sawe

Einen Einblick in ihre Arbeit als Erlebnisbäuerin und Haushaltscoach gab Agraringenieurin Michaela von der Linden den Mitgliedern des Lions-Clubs unter dem Motto „Du bist was Du isst – aber wer bin ich?“ Dabei nahm sie auch die Werbung und manche gesellschaftliche Entwicklung kritisch unter die Lupe.

Von klein auf will Michaela von der Linden den Menschen den Wert von Lebensmitteln und die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung nahe bringen. Vor allem im Auftrag des Landwirtschaftsamtes ist sie daher in verschiedenen Projekten aktiv. Eines davon fördert der Lions-Club: die „Gartenkinder“. Hier begleitet von der Linden Personal und Kinder ein Gartenjahr lang bei der Bebauung eines Obst- oder Gemüsegartens, meist in Hochbeeten. In den Schulen unterrichtet sie den Ernährungsführerschein. Dabei bestätigen sich immer wieder auch ernüchternde Studien, etwa die, dass ein Viertel aller Kinder ohne Frühstück in die Schule kommt.

Eine wichtige Erkenntnis, die sie zu vermitteln versucht, ist der Grundsatz „Wer nicht kaut, der wird nicht satt“. Deshalb warnt sie auch vor Entwicklungen, Kindern und auch Erwachsenen immer mehr stark zerkleinerte oder gar pürierte Lebensmittel anzubieten, wie ganz aktuell das „Quetschobst“ in der Folientüte. „Die Kinder kauen immer weniger und später und die Logopäden haben immer mehr zu tun“, erklärte sie eine der Folgen, dass Kinderbreie sogar noch für Dreijährige angeboten werden.

Viele Mütter fühlten sich nicht kompetent genug, um das industrielle Baby- und Kindernahrungsangebot zu hinterfragen oder gar Babykost selbst herzustellen. Das liege daran, dass die Kenntnis über Lebensmittel im Rohzustand immer mehr verloren geht: Kartoffeln würden überwiegend als Pommes und Chips verzehrt, das Püree mache meist schon den Umweg über die Fertigflocken – mit entsprechenden Zusatzstoffen.

Die grundlegenden Probleme, die sie bei den Kindern bearbeitet, sind, dass sie zu wenig oder das Falsche trinken, und dass sie zu wenig Gemüse essen. „Obst ist meist kein Problem“, sagt von der Linden, die Fertigprodukte keinesfalls verteufeln will. „42 Prozent der 18- bis 25-Jährigen ernähren sich überwiegend von Fertigprodukten“. Das sei manchmal auch nicht vermeidbar, aber dann sollte man sie wenigstens mit frischen Zutaten, mindestens einem Salat, ergänzen. Was die Expertin aber an der Lebensmittelindustrie kritisierte, war die Werbung, die vorgaukelt, besonders gesunde, wertvolle Nahrung anzubieten, die Fett reduziert und dafür den Zuckergehalt erhöht.

Auch das Naschen sei erlaubt, doch ebenso wie Fleisch und Wurst eben in deutlich geringeren Mengen als bei vielen Deutschen üblich. Genuss neu zu entdecken, auch die einfachen Lebensmittel wie die Kartoffel, dazu forderte die Referentin auf und empfahl dazu eine „Schokoladen-Meditation“, die bei der Zuhörerschaft auf großes Interesse stieß.

Insgesamt verliert das Essen in den Familien an Bedeutung, stellte von der Linden fest und untermauerte das anhand von Statistiken, die Krankenkassen erhoben haben. Mit Struktur zu essen und dabei die Familie als Gemeinschaft zu erleben, werde von den Arbeitszeiten zunehmend torpediert. In der Folge „haben viele Familien gar keinen Esstisch mehr. Gegessen wird unterwegs, im Gehen, oder im Schneidersitz vor dem Fernseher.

Abschließend forderte von der Linden die Clubmitglieder auf, Inhaltsangaben auf Lebensmittelpackungen genau zu lesen. „Das kostet einmal eine Menge Zeit, aber dann wird der Einkauf künftig viel schneller gehen“, sagte die Expertin und machte keinen Hehl daraus, dass sie die so genannte Lebensmittel-Ampel als Kennzeichnung begrüßen würde, ebenso wie die Einführung eines Schulfaches „Alltagskompetenz“, das den Themenbereich Hauswirtschaft umfassen würde. Hauswirtschaft wird heute nur noch in einem einzigen Zweig der Mittelschule gelehrt, alle anderen Kinder und Jugendlichen sind auf das angewiesen, was sie in der Familie erleben und lernen.

„Und wenn sie da nicht ins Kochen, in den Haushalt eingebunden werden, sind sie der Werbung gnadenlos ausgeliefert“, ergänzte Lions-Präsidentin Sabine Weinbeer, die sich bei der Referentin für den Vortrag bedankte.

Als Überraschungsgast begrüßte die Versammlung Lothar Firley, der seit einigen Jahren für Schwester Luise in Kenia arbeitet. Schwester Luises Kinderheime und Ausbildungszentren werden vom Lions-District Nordbayern seit vielen Jahren unterstützt und der Lions-Club Haßberge hat dort auch ein Patenkind. Lothar Firley hatte aktuelle Informationen und beste Grüße vom kleinen Barrak dabei, der in der Schule große Fortschritte macht.

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