KREIS HAßBERGE

Wespen sind kein Grund zur Panik

Wer hilft bei einem Wespennest? Manfred Husslein, Fachkraft für Naturschutz am Landratsamt, Philipp Engel, Beauftragter der Kreisbrandinspektion für Wespen-Hornissen-Koordination, und Franz Lindner, Sachbearbeiter öffentliche Sicherheit (von links) informieren. Foto: Moni Göhr/LRA

Dieses Jahr könnte ein Wespen-Jahr der Superlative werden. Manfred Husslein kann auch erklären, warum die schwarz-gelben Tierchen derzeit so gehäuft auftreten. Der milde Winter und die hohen Temperaturen, die in diesem Jahr schon sehr früh auftraten, nennt der Wespen-Berater des Landkreises Haßberge im Gespräch mit dieser Redaktion als Ursachen. Dadurch sind die Tierchen in der Lage, mehr Nachwuchs-Generationen in die Welt zu setzen als sonst.

„Wespen, Hornissen, Wildbienen und Hummeln stehen unter Naturschutz. Sie spielen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem. Die Nester dürfen nicht einfach zerstört werden“, so Husslein. „Hier müssen fachkundige Personen einbezogen werden, die die Situation vor Ort richtig einschätzen, die Betroffenen fachlich beraten und notfalls das Nest fachgerecht umsetzen können.“

Brummer in den Farben des BVB

Zugegeben – bei vielen Menschen löst eine herumschwirrende Wespe schnell eine leichte Panik aus. Wenn die Brummer in den Farben von Borussia Dortmund um einen herumschweben, heißt es nicht nur für Bayern-Fans in erster Linie eines: Ruhe bewahren. Wespen sind in erster Linie auf der Suche nach Nahrung. Und da locken die Düfte von Grillfleisch, Kuchen und süßer Limonade natürlich gewaltig.

Dennoch sollten potenzielle Großwildjäger Zurückhaltung an den Tag legen. Diese Hautflügler stehen unter Artenschutz. Das heißt, ein Attentat auf die nervigen Brummer, bei dem die Wespen verletzt, getötet oder gefangen werden, kann mit einem Ordnungsgeld in Höhe bis zu 5000 Euro geahndet werden. Die Kreiselwespe, die Kopfhornwespe sowie die Hornisse stehen nach der Bundesartenschutzverordnung sogar unter besonderem Schutz. Das Töten von besonders geschützten Arten wird als höhere Ordnungswidrigkeit behandelt. Hier wird man mit bis zu 50 000 Euro zur Kasse gebeten. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Wenn Gefahr für Menschen besteht, zum Beispiel bei einer Allergie, dürfen die Tierchen umgesiedelt oder – als letzte Möglichkeit – getötet werden.

Wespen- und Hornissenberater

Manfred Husslein warnt jedoch davor, die Brummer zu verteufeln. Wespen, Hornissen und Hummeln sind neben den Bienen ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Auch Philipp Engel, ehrenamtlicher Wespen- und Hornissenberater beim Kreisfeuerwehrverband Haßberge, ist davon überzeugt, dass die „Angst vor Wespen und Hornissen immer noch größer ist als die Gefahr, die tatsächlich von ihnen ausgeht“.

Bei einem Hilferuf eines Bürgers gehe es zunächst darum, zu erkennen, um welche Art von Hautflüglern es sich handelt. „Denn es gibt Hunderte von Arten. Viele sind nicht aggressiv, oder haben sogar überhaupt keinen Stachel. Alle Arten sind für den Menschen höchst nützlich – zum Beispiel bei der Schädlingsbekämpfung im Obst- und Gemüseanbau und vor allem bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen“, erklärt Manfred Husslein. „Gerade Hornissen und auch Wespen sind hervorragende Schädlingsbekämpfer und als Nützlinge wertvolle biologische Helfer der Gartenfreunde.“ Nur zwei der acht in Deutschland heimischen Wespenarten flögen auf Cola, Steak und Kuchen. Die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe haben den Wespen insgesamt einen schlechten Ruf eingebrockt.

Wenn sich allerdings jemand von diesen Tieren belästigt fühlt, kann er sich während der Dienstzeit bei der zuständigen Gemeinde oder der Naturschutzbehörde im Landratsamt Haßberge melden. Wo und wie man Hilfe bekommt, wenn einfache Maßnahmen nicht helfen, darüber informierten erst kürzlich im Frühjahr die beiden Sachbearbeiter am Landratsamt, Manfred Husslein von der Naturschutzbehörde und Franz Lindner von der öffentlichen Sicherheit, sowie Philipp Engel, Beauftragter der Kreisbrandinspektion für Wespen-Hornissen-Koordination. Seit 1995 finden im Landratsamt in einer Kooperation zwischen der Naturschutzbehörde und dem Feuerwehrwesen Schulungen zu diesem Thema statt. Alle Seiten arbeiten seitdem in all den Jahren Hand in Hand. In fast allen Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis gibt es mittlerweile Wespen-Fachleute. Die meisten Wehren helfen betroffenen Bürgern, die durch die Insekten bedroht sind. Entsprechend hat sich die Zahl der Einsätze in diesem Jahr bereits deutlich erhöht, weiß Manfred Husslein aufgrund der Rückmeldungen aus den Wehren. Philipp Engel macht aber deutlich: „Die Beseitigung eines Wespen- oder Hornissennestes gehört nicht zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr. Es ist kein Muss, sondern eine freiwillige Leistung der Feuerwehr. Aber bei besonderen Voraussetzungen, wenn Gefahr in Verzug ist, wird die Feuerwehr tätig“, so Engel.

Gewerbliche Schädlingsbekämpfer

Ansonsten könne sich ein betroffener Bürger auch an eine gewerbliche Schädlingsbekämpfungsfirma, einen sogenannten Kammerjäger, wenden. „Die Feuerwehren wollen und dürfen nicht Konkurrenz für die gewerblichen Schädlingsbekämpfer sein. Es bleibt dem betroffenen Bürger freigestellt, an welche Stelle er sich wendet“, sagt Manfred Husslein.

Die beste Zeit, so Philipp Engel, zum Einsatz für das Entfernen eines Wespen- oder Hornissennestes ist in den Abendstunden ab 20 Uhr. „Zu später Stunde erwischt man meist das ganze Volk“, erläutert Engel. Sein Ziel sei, nach einer flexibel angepassten Lösung zu suchen und die Tiere eventuell am Ort zu belassen. Sollte dies nicht der Fall sein, kommt ein Versetzkasten zum Einsatz. „Diese Holzkästen wurden in verschiedenen Größen in den Werkstätten der Lebenshilfe Augsfeld gearbeitet“, erzählt Husslein. Nach erfolgreichem Umsetzen in den Kasten werde das Wespennest in einer Entfernung von fünf Kilometern, meist im sicheren Umfeld am Waldrand gelegen, umgesiedelt, ausgestattet mit der Futterbereitstellung für eine Nacht. In der Regel werden die Nester von Mai bis Oktober gebaut und nur für ein Jahr „bewohnt“. Das Wespenvolk stirbt im Winter ab, nur die Königin überwintert an einem geschützten Ort.

Heftige Reaktionen

Aufklärung ist auch heute noch dringend notwendig, sagt auch Expertin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland auf der Nabu-Website, denn kaum eine Tiergruppe rufe so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff Hautflügler zusammengefassten Insekten. Durch eine bessere Einschätzung zum Teil bekannter Situationen könnten selbst Wespen und Menschen friedliche Nachbarn werden.

15 Tipps gegen nervende Wespen

1. Alternative Futterstelle: Der Aufbau eines Futterplatzes könnte gegen Wespen helfen. Hierzu sollten Lockmittel, darunter Trauben, die überreif sind, in einem Abstand von etwa fünf bis zehn Metern positioniert werden. Die Wespe wird ihren Fokus schnell auf die neue Nahrungsstätte richten.

2. Ätherische Öle: Stark riechende Öle wie Minze, Teebaumöl, Lavendel oder Eukalyptus helfen angezündet in einer Duftlampe, die Wespe und die Hornisse zu vertreiben.

3. Kaffeepulver: Kaffeepulver dient als einfaches Hausmittel. Es sollte im Grill oder einem Behälter, der feuerfest ist, verbrannt werden, damit die Insekten wegen des Dufts den Gartenplatz meiden.

4. Weihrauch als Schutz: Der strenge Geruch, den das Weihrauchharz abgibt, wenn es verbrannt wird, schreckt die Wespe ab. Auch eine Weihrauchpflanze wäre eine passende Antwort auf die Frage, was hilft gegen Wespen.

5. Tomatenpflanzen: Tomatenpflanzen helfen gegen Hornissen und Wespen, denn die verabscheuen diesen Duft. Werden Tomatenpflanzen in Terrassennähe platziert, dienen sie als natürlicher Schutz.

6. Kombination aus Zitronen und Nelken: Wird eine Zitrone halbiert und anschließend mit Nelken versehen, ist dies eine sinnvolle Vorgehensweise, um die Wespe am Tisch abzuwehren.

7. Räucherstäbchen: Räucherstäbchen könnten hilfreich sein, denn das Wespenvolk mag den intensiven Geruch gar nicht.

8. Basilikum: Um einen Wespenstich zu verhindern, empfiehlt es sich, frische Basilikumpflanzen als Tischdeko zu nutzen.

9. Haarspray: Herkömmliches Haarspray, in die Umgebung der Terrasse gesprüht, hält die Insekten fern. Wichtig ist jedoch, dass das Haarspray nicht in die Nähe von Feuer oder Lebensmitteln gelangt.

10. Münzgeld: Mit einigen Centstücken, die zuvor in der Hand angewärmt wurden, lässt sich der Tisch gut vor einem Wespenbesuch schützen, weil das enthaltene Kupfer einen für die Tiere unangenehmen Duft abgibt.

11. Salmiak-Tücher: Alte Tücher kräftig in Salmiak tränken und jene rund um den Gartenplatz befestigen, das könnte die Wespen auch abschrecken.

12. Wespenspray: Ein Wespenspray, mit abschreckendem Geruch (kein Gift) hält die Tiere bei Anwendung im Terrassenbereich auf Abstand.

13. Knoblauchgeruch: Eine aufgeschnittene Knoblauchzehe verbreitet ein übles Aroma für die Insekten.

14. Die Wespenfalle: Eine Wespenfalle ist im Baumarkt erhältlich, gefährdet jedoch die Tiere.

15. Wespennest umsiedeln: Ein Wespennest darf nur in Ausnahmefällen wie allergischen Reaktionen umgesiedelt werden. Nur mit Genehmigung und Hilfe von Fachleuten dient diese Methode als tierfreundliches Mittel gegen Wespen.

Quelle: Wespen-Ratgeber.de

Anflug der Wespen
Dieser Anblick gehört zu den Sommermonaten: Wespen im Anflug. In diesem Jahr sind die Insekten zahlreich unterwegs. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Wespen auf Mirabelle
Derzeit bei Mahlzeiten im Freien häufig zu Besuch weilende Zeitgenossen: Wespen auf einer Mirabelle. Foto: Daniel Karmann/DPA

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