Haßfurt

Wie der TV Haßfurt eine Abschiebung verhindern will

Eine Petition soll verhindern, das Prince Otsibu nach Ghana zurückkehren muss, ein Land, in dem er in Lebensgefahr wäre. Der Turnverein sammelt nun Unterschriften.
Dem Flüchtling Prince Otsibu aus Ghana droht die Abschiebung. Der TV Haßfurt, bei dem er Fußball spielt, sammelt Unterschriften für eine Petition im bayerischen Landtag. Das Bild zeigt Otsibu beim Aufwärmtraining vor einem Spiel im Juli.
Dem Flüchtling Prince Otsibu aus Ghana droht die Abschiebung. Der TV Haßfurt, bei dem er Fußball spielt, sammelt Unterschriften für eine Petition im bayerischen Landtag. Das Bild zeigt Otsibu beim Aufwärmtraining vor einem Spiel im Juli. Foto: René Ruprecht

Seit dem 29. Juni 2018 lebt Prince Otsibu in Deutschland. Die Panik ist dem jungen Mann aus Ghana ins Gesicht geschrieben, als die Frage aufkommt, was es für ihn bedeuten würde, in seine alte Heimat zurückzukehren. "Ich kann nicht zurück!", sagt er. Denn auch wenn deutsche Behörden ihm das nicht glauben wollen: In Ghana wäre sein Leben in großer Gefahr. Nun sammelt der TV Haßfurt, bei dem Prince Otsibu Fußball spielt, Unterschriften für eine Petition, die es ihm doch noch ermöglichen könnte, in Sicherheit zu bleiben.

Ghana hat, was das Thema Asyl angeht, einen besonderen Status. Einerseits gilt es als "sicheres Herkunftsland". Andererseits ist bekannt, dass es in dem Land Gesetze gibt, die den Menschenrechten widersprechen. So steht dort unter anderem Homosexualität unter Strafe. Von staatlicher Seite drohen mehrjährige Haftstrafen, aus der Bevölkerung drohen Lynchmorde. Damit hätten homosexuelle Ghanaer zwar Anspruch auf Asyl, obwohl ihre Heimat als "sicher" gilt. Allerdings müssten sie dafür beweisen, dass es sich bei den Aussagen zu ihrer sexuellen Orientierung nicht nur um eine Schutzbehauptung handelt, um sich ein besseres Leben in Europa zu erschleichen.

Kein Asyl, keine Ausbildung

Prince Otsibu ist schwul und wurde in Ghana bereits von einer Jugendgang gefoltert, die davon erfahren hatte. Menschen in seiner Heimat sehen Homosexualität als etwas, das vom Teufel kommt, berichtet der 18-Jährige. Doch die deutschen Behörden, die darüber zu entscheiden hatten, ob er hier bleiben darf, schenkten seinen Ausführungen keinen Glauben. Auch eine Klage gegen diese Entscheidung hatte keinen Erfolg, so dass Otsibu und seine deutschen Unterstützer nur noch eine Chance sehen: Eine Petition an den bayerischen Landtag.

Und die Unterstützer sind zahlreich und sehr aktiv: Beim TV Haßfurt, bei dem der junge Mann Fußball spielt, ist er gut integriert. So sind es vor allem der Vereinsvorsitzende Gerd Wolf und Fußballtrainer Mario Hess, die sich um ihn kümmern und ihn unter anderem bei Behördengängen unterstützen. Prince Otsibu hat in der Berufsschule gute Noten, auch die Sprache hat er schnell gelernt. Sein Deutsch ist noch nicht perfekt, aber durchaus gut für die kurze Zeit, die er bisher in Deutschland verbracht hat.

Zudem betont der Geflüchtete, dass er niemandem auf der Tasche liegen will. Er will arbeiten und sein eigenes Geld verdienen. Am liebsten würde er eine Ausbildung zum Koch machen, dafür hätte er auch schon einen Ausbildungsplatz – doch den darf er nicht antreten, da sein Asylantrag abgelehnt wurde. Und es gibt noch einen weiteren Job, den er sich gut vorstellen könnte: In seinem eigenen Asylverfahren hat es ihn geärgert, dass er oft keinen Übersetzer zur Seite hatte; und wenn, dann musste jemand aus München kommen. So könnte er sich durchaus vorstellen, wenn er selbst einmal gut genug Deutsch spricht, als Dolmetscher zu arbeiten.

Helfer kommen an ihre Grenzen

Die Mehrheit der ghanaischen Bevölkerung ist christlichen Glaubens, innerhalb der ghanaischen Christen gehört Prince Otsibu der katholischen Minderheit an und besucht auch in Haßfurt regelmäßig die Kirche. Auch dort finden sich daher viele Unterstützer, die hoffen, dass er in Deutschland bleiben kann.

"Warum darf jemand, der in Ghana bedroht ist, der hier einen Arbeitsplatz hätte, nicht bleiben?", bringt Angelika Reinhart ihr Unverständnis über die aktuelle Situation zum Ausdruck. Sie und ihr Mann Rudi gehören zu den Unterstützern, die hoffen, dass sie den jungen Mann vor einer Abschiebung bewahren können. Beide sind bei der katholischen Kirche beschäftigt, Rudi Reinhart war auch schon in der Flüchtlingsarbeit tätig, im "Fall Prince" engagieren sie sich allerdings privat. Dazu gekommen sind sie vor allem über den Turnverein, als Motivation nennen sie auch die eigenen Kinder, die etwa im gleichen Alter sind wie Prince.

Voll des Lobes ist Rudi Reinhart für Gerd Wolf und Mario Hess. "Wenn ich mir anschaue, was das für eine Zeitinvestition ist. Neben dem Job. Da kommt man schon an seine Grenzen."

Kampf gegen die Bürokratie

Die Unterstützer des Flüchtlings beklagen auch, dass an vielen Stellen Dinge von dem jungen Mann verlangt werden, die er ohne die fachliche und finanzielle Hilfe deutscher Freunde gar nicht leisten könnte. Unter anderem musste er für Behördengänge nach Berlin reisen und dort Dokumente beantragen, deren Ausstellung mehrere Hundert Euro kostete. Und dazu kamen Briefe, die in einer Behördensprache formuliert waren, die selbst für Deutsch-Muttersprachler nur schwer zu verstehen ist.

Weiter berichten mehrere Helfer, dass Prince Otsibu in den vergangenen Monaten Versäumnisse unterstellt wurden, bei denen es sich eindeutig um Fehler der Behörden gehandelt habe. So war der Flüchtling noch minderjährig, als er in Deutschland ankam, und lebte einige Zeit in einem Kinderheim. Dass er an seinem 18. Geburtstag dort ausziehen musste, hätte auch den Ämtern klar sein müssen. Dennoch schickten sie auch weiterhin Post an diese Adresse. Dass das Heim die Briefe zurückschickte, war offenbar egal. Für die Behörde galten die Schreiben als zugestellt und Prince Otsibu damit als jemand, der Fristen versäumt hatte.

"Wir bitten, hoffen, beten"

Rudi Reinhart spricht von einer "gewissen Hilflosigkeit" und seine Frau Angelika sagt: "Wir bitten, hoffen, beten." Die Petition beim bayerischen Landtag ist mittlerweile eingegangen, womit sich nun der "Ausschuss für Eingaben und Beschwerden", bestehend aus 14 Abgeordneten der verschiedenen Parteien, mit dem Fall beschäftigen muss. Doch die Liste an Petitionen ist lang. "Da sind auch ganz andere Sachen dabei", sagt Angelika Reinhart. Darunter sind auch Streitigkeiten über Grundstücksgrenzen, oder Gnadengesuche von Häftlingen. Was also kann den Ausschuss dazu bewegen, gerade in diesem Fall zugunsten der Petition zu entscheiden?

Prince Otsibu und seine Unterstützer hoffen nun, dass eine lange Liste mit Unterschriften ihrem Anliegen ein besonderes Gewicht verleiht. Deshalb wünschen sie sich nun, dass möglichst viele Menschen unterschreiben. Die ersten Unterschriftenlisten hat Wolf bereits zusammen mit der Petition eingereicht, weitere will er nachreichen.

Die Unterschriftenlisten liegen noch bis zum 1. Januar in der Haßfurter Stadtpfarrkirche, der Ritterkapelle, am Zeiler Käppele sowie an der Avia-Tankstelle Kaiser in der Zeiler Straße in Haßfurt aus. Außerdem stehen sie zum Download bereit unter www.tv-hassfurt.de.

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