NASSACH

Wie ein Architekt aus Nassach Visonen für Kairo entwickelt

Karriere: Architekt Jürgen Häpp aus Nassach plant einen neuen Stadtteil für Ägyptens Hauptstadt. Eine nutzerorientierte, grüne Stadt der kurzen Wege soll es werden. Dafür gab es jetzt einen renommierten Preis.
Eine am Menschen orientierte, grüne und ressourcenschonende Stadt soll Badya City werden. Foto: Architekturbüro AS+P / Visualisierung: HH Vision

Es tut schon mal gut, weniger Handyempfang zu haben.“ Was der Großteil der Einwohner von Nassach vermutlich schmerzlich vermisst, Jürgen Häpp freut sich über die fehlende Kontaktmöglichkeit zum Rest der Welt. Der Architekt ist zu Besuch in seinem Heimatort. Im Hause seiner Eltern Annemarie und Peter Häpp hat er für sich und seine Familie ein Mikroappartement mit einer Größe von 35 Quadratmetern geschaffen. Es habe richtig Freude gemacht, einmal wieder eine solch kleine Wohnung zu planen und einzurichten, sagt Häpp lachend. Denn normalerweise sind die Projekte des Architekten und Stadtplaners der zum Team des renommierten Frankfurter Architekturbüros AS+P - Albert Speer + Partner gehört, größer. Erheblich größer.

Wie die Planung von Badya City etwa, einer Stadterweiterung im Westen der ägyptischen Hauptstadt Kairo. „Es herrscht ein enormes Bevölkerungswachstum, verbunden mit großer Wohnungsnot“, beschreibt Häpp die Lage in der Metropole. Um zu verhindern, dass die fruchtbaren Böden im Nildelta zugebaut werden, wird der Siedlungsdruck nach Osten und Westen kanalisiert. Auf einem 1260 Hektar umfassenden Gebiet ist eine Stadt mit über 37 500 Wohneinheiten für etwa 150 000 Einwohner geplant.

Weg vom Auto, hin zu Fußgänger- und Radfahrfreundlichkeit

Zusammen mit einem Team von Architekten, Mobilitäts- und Landschaftsplanern, hat Häpp als Projektleiter eine am Nutzer orientierte Stadt entwickelt. Kairo sei bisher eine sehr autolastige Stadt. Der Bedarf an Fußgänger- und Radwegen sei durchaus vorhanden. „Aber im Bestand etwas zu ändern, das ist immer schwierig“, sagt Häpp. Bei etwas Neuem dagegen eröffnen sich Chancen. „Wie kann ich eine menschenfreundliche Stadt entwickeln?“, war das Anliegen, das Häpp bei der Planung umtrieb. Fußgänger- und radfahrerfreundlich, wasser- und energiesparend, so sein Ziel. „Mit umfangreichen Strategien haben wir für Badya City ein Nachhaltigkeitspaket geschnürt.“

Entstanden ist das Konzept für eine nutzerorientierte, grüne und ressourcenschonende Stadt der kurzen Wege. Von Wohnhochhäusern bis hin zu Villen bietet die künftige Stadt vielseitige Wohnraumarten, beschreibt der Architekt. Der Mittelpunkt ist von sechs Quartieren umgeben und hat eine Einkaufszone, eine Universität sowie ein Sportgelände. Vernetzte Wohnstraßen und Parkanlagen, vielfältige Nahversorgungs-, Kultur- und Freizeitangebote bieten den Einwohnern ein hohes Maß an Lebensqualität.

Das Konzept hat auch die Jury des Rats für Formgebung überzeugt. Vor einigen Tagen wurde dem AS+P-Team als „Best of Best“-Gewinner in der Pinakothek der Moderne in München der begehrte „Iconic Award“ verliehen. Der Rat für Formgebung prämiert mit diesem internationalen Wettbewerb die besten Architektur- und Designlösungen.

In einer Zeit rasant wachsender Städte mit allen dazu gehörenden Nachteilen wie Verkehrskollapse, Wohnungsnot und Luftverschmutzung sei das intelligente, nachhaltig geplante Bauprojekt Badya City eine hervorragende Lösung mit starkem Vorbildcharakter, so die Jurybegründung. Natürlich erfüllt diese Anerkennung Jürgen Häpp mit großem Stolz. „Auf diese Weise wird der außerordentliche Einsatz des gesamten Teams noch mal zusätzlich gelobt“, freut er sich.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und zwei Studienabschlüsse

Seit drei Jahren ist Jürgen Häpp bei AS+P, einem der größten deutschen Architektur- und Planungsbüros – seit diesem Jahr als assoziierter Partner. Der 42-Jährige hat sein Handwerk von Grund auf erlernt. Der Ausbildung zum Bauzeichner folgte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Einem hervorragend abgeschlossenem Architekturstudium an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt sattelte Häpp ein weiteres Studium mit dem Abschluss Master of Science Urban Design an der Bartlett School of Architecture in London auf. Das relativ praktisch orientierte Studium in Würzburg habe ein gutes Fundament gelegt. „In London ging es um große Ideen und darum, wie man seine Visionen erfolgreich präsentieren und kommunizieren kann“, sagt Häpp.

Seine Arbeit führte den Architekten aus dem 230-Seelen-Ort am Fuße der Haßberge in die Metropolen der Welt. Australien, Asien, Afrika, Mittlerer Osten, Europa – in über 15 Ländern war der 42-Jährige bereits tätig. Zehn Jahre hat er im Ausland verbracht. „Die Chance, weltweit an vielen verschiedenen Projekten mitzuarbeiten, ist toll“, brennt Häpp für seinen Beruf. Allerdings sind Großprojekte und das damit verbundene Reisen mitunter auch anstrengend. Umso mehr genießt Häpp die Auszeiten mit seiner Frau Carole und seinem einjährigen Sohn Oskar in Nassach.

„Wir versuchen, abwechselnd ein Wochenende im Monat nach Nassach und im nächsten Monat ein Wochenende nach Luxemburg, wo meine Frau her stammt, zu fahren.“ Die kleine Familie lebt in Frankfurt am Main, und zwar ohne Auto. Für die Fahrten zu den jeweiligen Familien mieten sie einen Wagen. „Die Stadt ist besser als ihr Ruf – ich mag sie. Hier kann man alles zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Das hilft uns, etwas nachhaltiger zu leben.“

Der aus Nassach stammende Jürgen Häpp ist Projektleiter bei der Planung von Bady City, einem neuen Stadtteil von Kairo. ... Foto: Architekturbüro AS+P

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