HASSFURT

Wie ein harmloser Ladendiebstahl in den Knast führt

Waren im Wert von 42 Euro hat ein 39-Jähriger aus dem Maintal in drei Einkaufsmärkten in Haßfurt gestohlen. Der Schaden war gering, die Strafe nicht: drei Monate und zwei Wochen Gefängnis – so lautete das Urteil von Richterin Ilona Conver am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt.

Den Grund für die harte Strafe lieferte sie gleich mit: „Sie haben ein Vorstrafenregister zum Zimmer tapezieren“, schrieb sie dem Angeklagten hinter die Ohren. 22 Mal wurde der Mann bereits verurteilt, zwölf Mal einschlägig wegen Eigentumsdelikten. Allein zweimal wurde er vom Amtsgericht Schweinfurt im Jahr 2017 unter anderem wegen Diebstahls in fünf Fällen zu insgesamt zwei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Die Vollstreckung wurde jedoch in beiden Fällen zurückgestellt, vor allem deshalb, weil der Langfinger mittlerweile eine Drogentherapie erfolgreich beendet hat.

Der Hund war krank

Auf der Anklagebank räumte der 39-Jährige die drei Diebstähle ein. Etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig, weil er dreimal in flagranti ertappt wurde. Er sei bei den Taten im vergangenen und diesem Jahr arbeitslos gewesen. Das Arbeitsamt hätte ihm die Bezüge gesperrt und sein Hund sei krank geworden, gab er vor Gericht an.

Warum er nicht zur Tafel gegangen sei, wollte die Vorsitzende wissen. Davon habe er nichts gewusst, erwiderte der Seriendieb. Dabei hatte er nach eigenen Angaben bei den Taten sogar Geld dabei. Einen Teil der Waren bezahlte er. Von dem Rest entfernte er die Etiketten, was ihm die Vorsitzende später in der Urteilsbegründung als „kriminelle Energie“ ankreidete.

Der Staatsanwalt forderte eine sechsmonatige Haftstrafe für den Bewährungsversager. Verteidiger Stefan Wagner rang bei seinem Plädoyer mit den Worten. Es sei „schwer etwas löbliches auszuführen“, gestand er ein. Der Angeklagte „könne einem leidtun“. Nach der Therapie habe er Probleme gehabt, Fuß zu fassen im richtigen Leben. Aufgrund der niedrigen Beträge sei noch einmal eine Geldstrafe vertretbar, maximal eine Bewährungsstrafe.

Straf „am untersten Rand“

„Schlimmer geht's nimmer“, meinte hingegen Richterin Ilona Conver in der Urteilsbegründung. Die verhängte Haftstrafe sei „am untersten Rand“. Der Dieb sei erwischt worden und habe einfach weiter geklaut.

Übrigens: Ein weiteres Verfahren wegen Diebstahls gegen den Angeklagten läuft bereits. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, könnten auch die zurückgestellten Haftstrafen vollstreckt werden. Dann wird der Angeklagte zumindest für längere Zeit keine Gelegenheit mehr zum Stehlen haben. (msch)

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