Haßfurt

Wie kommt die Brötchentaste in Haßfurt an?

Bald können Autofahrer in der Innenstadt 30 Minuten lang kostenlos parken. Doch was halten Haßfurter Geschäftsleute davon?
Bürgermeister Günther Werner (rechts) und Harald Bauer von der Bauverwaltung stehen an einem Parkscheinautomaten in der Haßfurter Hauptstraße. Noch spuckt er keine kostenlose Tickets für Kurzparker aus. Doch bis Freitag muss er umprogrammiert sein. Foto: Peter Schmieder

Ab Freitag, 1. Februar, gibt es in Haßfurt die Brötchentaste. "Die sogenannte Brötchentaste", betont Bürgermeister Günther Werner, denn "man kann noch viel anderes damit machen". Ob es darum geht, ein Rezept vom Arzt abzuholen, bei der Bank die Kontoauszüge herauszulassen, oder in einer Bäckerei die namensgebenden Brötchen zu kaufen; all das geht recht schnell, konnte aber bisher schon dazu führen, dass ein Autofahrer, der doch mal fünf Minuten anstehen musste, gleich ein "Knöllchen" bekam. 

Jetzt können Autofahrer an den Parkscheinautomaten in der Innenstadt ein kostenloses Ticket für eine halbe Stunde bekommen. Dafür müssen sie einfach die Taste für einen Parkschein drücken, ohne vorher Geld eingeworfen zu haben. "Nach Ablauf der 30 Minuten muss der Parkplatz verlassen und anderen Kurzparkern zur Verfügung gestellt werden", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Das Nachlösen eines kostenlosen Tickets für den gleichen Parkplatz sei unzulässig und werde von der Parküberwachung geahndet, um Missbrauch vorzubeugen. Weiter weist die Stadt darauf hin, dass das kostenfreie Parken nur für Autofahrer gilt, die ein Ticket gelöst und hinter die Windschutzscheibe gelegt haben. "Wer ohne Ticket parkt, wird verwarnt."

Und warum gerade eine halbe Stunde? Nach Rechnung von Bürgermeister Werner und Harald Bauer von der Bauverwaltung reicht diese Zeit für drei Kurzerledigungen, wenn man die Zeit mit einbezieht, die vielleicht nötig ist, um vom Parkplatz zu einem Geschäft zu laufen. Weiter berichten Werner und Bauer, Haßfurt habe in Kontakt mit anderen Städten gestanden, die die Brötchentaste bereits eingeführt haben. Bad Kissingen habe beispielsweise sehr positive Erfahrungen gemacht, erzählt Bauer.

Geänderte Parkzeiten

Bei rund 10 000 Euro liegen die Kosten für die Stadt: Die Automaten müssen umprogrammiert werden, um neben normalen Parkscheinen auch die kostenlosen ausspucken zu können, außerdem mussten rund 70 Schilder ausgetauscht werden, die auf Parkzeiten hinweisen. Die Parkgebühren und die Höchstparkdauer haben sich durch die neue Parkregelung nicht geändert - diese liegen weiterhin bei 50 Cent pro Stunde und einer Höchstparkdauer von zwei Stunden - doch die Zeiten, in denen Autos ohne Ticket in der Hauptstraße stehen dürfen, haben sich etwas verkürzt.

Bisher war ein Parkschein an Werktagen in der Zeit von 9 bis 17 Uhr nötig, am Samstag zwischen 9 und 13 Uhr genügte eine Parkscheibe statt eines bezahlten Tickets. Dies sollte den Bürgern die Möglichkeit geben, in den Morgen- und Abendstunden sowie am Samstag schnelle Erledigungen zu machen, ohne für den Parkplatz zahlen zu müssen. Da das mit der Brötchentaste nun aber ohnehin auch zu "Bezahlzeiten" möglich ist, konnten diese auch ausgeweitet werden, wie Werner und Bauer erklären. Künftig gilt die Gebührenpflicht von 8 bis 18 Uhr und auch am Samstag muss nun zwischen 8 und 14 Uhr ein Ticket gelöst werden. Das soll auch verhindern, dass gerade am Samstag Langzeitparker den Kunden die Parkplätze wegnehmen und lediglich einmal nach draußen kommen, um die Parkuhr umzustellen.

"Ein Angebot der Stadt"

Stadtmanager Marc Heinz spricht von einem "Angebot der Stadt Haßfurt, um die Innenstadt für kurzfristige Erledigungen attraktiver zu machen". Grundsätzlich sei alles im Sinne eines funktionierenden Stadtmanagements, "was die Aufenthaltsqualität in Haßfurt erhöht und Menschen dazu bringt, mehr Zeit in der schönen Altstadt zu verbringen". Für längere Einkäufe sei die halbe Stunde dagegen zu wenig. Verglichen mit größeren Städten seien die Parkgebühren in Haßfurt allerdings "wirklich sehr moderat, sodass es nicht zu viel sein sollte, etwas Geld ins Parken zu investieren", findet Heinz - beispielsweise für eine längere Beratung in einem Fachgeschäft. "Dies kommt den vielen Verkäuferinnen und Verkäufern zugute, die nicht ständig in den Zwang geraten sollten, ihre Kunden möglichst schnell zu bedienen, damit diese die kostenlose Parkdauer einhalten können." Für längere Aufenthalte empfiehlt er zudem die Altstadttiefgarage.

Noch ist Haßfurt weit entfernt von einer autofreien Innenstadt. Die Brötchentaste soll nun das Parken für kurze Erledigungen erleichtern. Foto: Peter Schmieder

Und was sagen Haßfurter Geschäftsleute zu der neuen Möglichkeit, eine halbe Stunde lang kostenlos zu parken? "Die Brötchentaste finde ich sehr gut", sagt Hans Jüngling. Schon vor rund fünf Jahren habe er deren Einführung in einer AHA-Versammlung vorgeschlagen, berichtet der Bäcker, der seinen Laden kürzlich an seine Tochter übergeben hat. Er selbst brachte die Idee aus dem Urlaub mit, kennengelernt habe er die Brötchentaste am Tegernsee. Das Konzept überzeugte ihn und er konnte es sich auch als Lösung für die Parkplatzsituation in seiner Heimatstadt vorstellen. "Bürgermeister Eck hat damals gesagt, dass sowas in Haßfurt nicht möglich wäre", berichtet Jüngling. Der Aufwand, die Automaten umzustellen, sei viel zu hoch.

So freut er sich darüber, dass die Brötchentaste nun doch kommt. "Für uns ist das gut. Unsere Kunden können in Ruhe was einkaufen oder auch mal einen Kaffee im Stehen trinken." Schade findet er nur, dass im gleichen Zug auch die Zeiten, in denen ein Parkschein benötigt wird, geändert wurden - außer am Samstag, denn da sei es schon ungünstig, dass viele Parkplätze über Stunden blockiert seien.

Mitarbeiter nehmen Kunden den Parkplatz weg

Dass Mitarbeiter der verschiedenen Geschäfte Parkplätze blockieren, hat auch Bürgermeister Werner schon beobachtet. "Speziell am Samstag: Die Hauptstraße ist voll beparkt, aber die Geschäfte sind leer." So erinnere er sich an den Anblick einer Mitarbeiterin eines Geschäfts, die mit drei Autoschlüsseln in der Hand zurück in den Laden ging. "Da sind halt die Parkscheiben umgestellt worden."

Dieses Verhalten sieht auch Apothekerin Doris Zeltner als Problem. "Mein Appell an die Geschäftsleute ist, dass man den Kunden nicht die Parkplätze wegnehmen sollte." Die Einführung der Brötchentaste sei in Ordnung, "wenn sie wirklich als Brötchentaste genutzt wird". Immerhin sei das auch gut für ihre eigenen Kunden. "Zu uns kommen ja auch Leute, die nur schnell ein Rezept einlösen wollen." Allerdings befürchtet die Inhaberin der Einhorn-Apotheke, dass die Brötchentaste missbraucht werden könnte. Wichtig sei vor allem, dass strenger kontrolliert wird, um beispielsweise zu verhindern, dass Kunden nach 30 Minuten einfach ein zweites Mal die Brötchentaste drücken.

Ein "richtiges Signal" für den Handel

Stefanie Schleicher von der Buchhandlung Osiander kommentiert die neue Parkregelung: "Ich finde es gut, weil Kunden auch mal ganz schnell ein Brötchen holen oder eine Bestellung abholen können." Um richtig shoppen zu gehen sei eine halbe Stunde ohnehin zu wenig. Sie selbst erlebe es öfter, dass Kunden gestresst in ihren Laden kommen: Sie wollen nur schnell ein bestelltes Buch abholen und haben draußen schon gesehen, dass eine Kontrolleurin unterwegs ist. Vielleicht sei die Möglichkeit, bestellte Artikel stressfreier abzuholen, auch ein Anreiz, öfter mal in einem Geschäft zu bestellen, anstatt im Internet. "Ich finde es gut, dass die Stadt was für den Handel tut", sagt sie. "Es gibt sowieso zu viele Leerstände."

Keinen Zweifel an seiner Meinung zur Brötchentaste lässt Rainer Müller: Während Bürgermeister Werner mit Harald Bauer an einem Parkscheinautomaten steht, um der Presse die Funktion der Brötchentaste zu demonstrieren, kommt der Fotograf, der einen Laden in der Brückenstraße hat, vorbei und gratuliert zu der seines Erachtens guten Idee. Im Gespräch mit dieser Redaktion erzählt Müller später, er beobachte schon seit Jahren, wie Kunden gestresst in seinen Laden kommen, weil sie nur schnell etwas abholen wollen und Probleme bekommen, wenn sie an der Kasse dann doch mal fünf Minuten warten müssen. Die Einführung der Brötchentaste bezeichnet er als "richtiges Signal, wenn es um den Handel in der Innenstadt geht". Es sei ohnehin schwer, Leute in die Innenstadt zu bringen. Die Einführung der Brötchentaste komme zwar "leider mit zehn Jahren Verspätung, aber besser als nie", sagt Müller. "Wir sollten froh sein um alle Kunden, die wir noch haben."

Lesen Sie zu diesem Thema auch den "Standpunkt" von Peter Schmieder.

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