RÜGHEIM

Wie mit dem Schüttbau ein Zeichen gesetzt wurde

Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (Mitte) übergab symbolisch den Schlüssel des Schüttbaus an Bürgermeister Wolfgang Borst (rechts). Links: Landrat Wilhelm Schneider. Foto: Martin Schweiger

Am 31. Oktober endet der 25-jährige Pachtvertrag über die Nutzung des Schüttbaus zwischen der Stadt Hofheim als Eigentümer und dem Bezirk Unterfranken. Bereits am vergangenen Sonntag übergab Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel als Hausherr in einer Feierstunde symbolisch den Schlüssel an Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst.

Dotzel betonte in seiner Rede, der Bezirk Unterfranken habe mit der Pachtung des Schüttbaus damals bewusst ein Zeichen gesetzt, dass Kultur nicht nur in den großen Metropolen dieser Welt stattfindet. Im Gegenteil: oft könne sich Kultur erst abseits der lauten und hektischen Ballungsräume wirklich entfalten.

Im Jahr 2007 sei der Erweiterungsbau fertiggestellt worden und der Gebäudekomplex sei durch die Errichtung eine repräsentativen Freifläche an der West- und Nordfassade damit noch attraktiver für die verschiedensten Veranstaltungen geworden. Daneben habe der Bezirk auch immer wieder in den Schüttbau investiert, um die Attraktivität des Gebäudes zu steigern – so zum Beispiel in den Veranstaltungssaal, der – je nach Bestuhlung – Platz für 120 bis 199 Besucher bietet.

Auch ein Tonstudio wurde errichtet, das in der Region seinesgleichen suche und in dem Kellergewölbe Künstlerinnen und Künstlern ein einzigartiges Klangerlebnis biete. Neben dem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm des Kultur e.V. Rügheim würde die Bezirksheimatpflege den Schüttbau für Fortbildungskurse im Bereich Tracht und wissenschaftliche Tagungen nutzen. Insgesamt sei Rügheim mit dem Schüttbau für die unterfränkische Kulturszene längst eine der herausragenden Adressen.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im Jahr 1548 von Veit Ulrich von Schaumberg als Verwaltungssitz mit Schüttboden und großem Kellergewölbe erbaut. Aber trotz all dieser langen Vergangenheit biete der Schüttbau heute alle Annehmlichkeiten modernster Technik. Alle Räumlichkeiten seien barrierefrei eingerichtet, inklusive Aufzug. Wesentlich zum Erfolg der Kooperation hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort beigetragen, denen Dotzel besonders dankte.

Der Bezirk bleibe auch weiterhin ein treuer Gast des Schüttbaus, versprach Dotzel. Letztlich sei jedoch die Entfernung nach Würzburg zu weit. Durch die Nähe zu Hofheim würden Nutzer profitieren. Dotzel betonte darüber hinaus, dass Einrichtungsgegenstände wie das Klavier oder die Bestuhlung im Schüttbau verbleiben würden.

Landrat Wilhelm Schneider hätte den Bezirk gerne länger als Pächter des Schüttbaus gehabt. Das „kulturelle Juwel im oberen Haßgau“ müsse erhalten bleiben. Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst sprach von einem neuen Kapitel für die Stadt Hofheim. Er erinnerte sich daran, dass sein Vater und damaliger Bürgermeister Erwin Borst Mitte der 1980er Jahre den Fränkischen Hof in Hofheim zum Kulturzentrum umbauen wollte. Der Plan wurde jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen wurde der Schüttbau von 1990 bis 1994 für 6,2 Millionen D-Mark ausgebaut. Die Förderung betrug 2,7 Millionen Mark. Die Stadt zahlte 3,5 Millionen Mark. Die Finanzierung erfolgte über ein Darlehen, für welches die Stadt Hofheim über einen Zeitraum von 25 Jahren 122 000 Euro jährlich für Zins und Tilgung bis Oktober 2019 zahlt. Der Bezirk zahlte jährlich 44 000 Euro an Pacht, sodass die Stadt unter dem Strich 78 000 Euro jährlich für den Schüttbau aufbringen musste. Hauptziel sei nun, den Schüttbau als „Leuchtturm der Kulturarbeit im Landkreis“ zu erhalten.

Geschichte des Schüttbaus

Im Jahr 1548 entschloss sich Veit Ulrich von Schaumberg, einen eigenen Verwaltungssitz zu bauen, der gleichzeitig als Schüttbau dienen sollte – deswegen der große Gewölbekeller und der Schüttboden. 1553 starb aber sein einziger Sohn im Alter von nur drei Jahren. Dies dürfte der Grund sein, weshalb der Bau nicht vollendet wurde. Im Jahr 1566 gab Veit Ulrich seine Güter dem Hochstift Würzburg zu Lehen, die sie im Amt Hofheim verwalten ließ.

Der Schüttbau wurde in der Folge vom Amt Hofheim genutzt. Der Schüttbau war als repräsentatives Gebäude geplant worden, leider aber ist nicht zu erkennen, wie er nach seiner Vollendung wirklich ausgesehen hätte.

Im Jahr 1861 wurde der Schüttbau der Gemeinde Rügheim zum Kauf angeboten. Als Kaufpreis setzte das Amt Hofheim 3310 Goldmark an. Am 23. Februar 1861 wurde der Kauf mit 83 Stimmen bei vier Gegenstimmen beschlossen. Der Schüttbau wurde von der Gemeinde genutzt, der Gewölbekeller wurde in einzelne Abteile aufgegliedert, in die die Bauern Rüben, Kartoffeln und Getreide „schütten“, das heißt einlagern konnten. Vorübergehend war im ersten Stock ein Saal eingerichtet worden, den die evangelische Landjugend nutzte. Im Erdgeschoss hatte die Tischtennismannschaft Rügheim ihren Trainingsraum, der zeitweise sogar als Turnhalle für den Sportunterricht der Schule diente.

Im Herbst 1990 fasste der Bezirkstag von Unterfranken auf Antrag von Hofheims Bürgermeister Erwin Borst den Beschluss, den Schüttbau zu erwerben und in ein Kulturzentrum für ganz Unterfranken zu verwandeln. Die Stadt Hofheim als Bauherr und Eigentümer sowie der Bezirk als Träger und Mieter setzten den Plan um und schon 1994 konnte die Einweihung erfolgen.

Gleichzeitig wurde auch das „Landhotel Haßberge“ eröffnet, in dem Gäste des Kulturzentrums übernachten konnten. (Quelle: Chronik Rügheim)

Das „Duo Mozartino” unterhielt die Gäste. Foto: Martin Schweiger
Geladene Gäste bei der Schlüsselübergabe. Foto: Martin Schweiger
Der Schüttbau in Rügheim wurde 1548 von Veit Ulrich von Schaumberg erbaut. Foto: Martin Schweiger

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