KREIS HASSBERGE

Wieder ein bitteres Jahr für Raps-Anbauer

Ausgedünnt: Der Raps steht vielerorts in voller Blüte und zugleich wird deutlich, dass in der Region Gerolzhofen Fröste und Trockenheit ihre Spuren hinterlassen haben.
Ausgedünnt: Der Raps steht vielerorts in voller Blüte und zugleich wird deutlich, dass in der Region Gerolzhofen Fröste und Trockenheit ihre Spuren hinterlassen haben. Foto: Alois Wohlfahrt

Was für ein herrliches Farbenspiel. Rotbraune Erde, grüne Stengel und darauf wiegen sich in der Sonne knallgelbe Rapsblüten. Auf dieses Farbenspiel würden die Landwirte gerne verzichten. Denn es zeigt auf vielen Rapsäckern die ganze Misere des Frühjahrs 2012: Der Raps steht vielerorts lausig da. Einheitlich gelb müssten die Felder leuchten, kaum Grün dürfte zu sehen sein und schon gar kein Ackerboden. Bei vielen Landwirten wird der Raps erneut ein Ausfall sein. Und offenbar schwindet inzwischen auch die Lust am Anbau.

Er hat lange gewartet und es dann doch getan: 20 Hektar Raps hat Klaus Merkel vor wenigen Tagen umgebrochen. „Es war einfach abzusehen, dass es keinen vernünftigen Ertrag mehr geben wird“, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis Haßberge. Und wie dem Landwirt aus Mariaburghausen ist es in diesem Jahr etlichen Rapsanbauern ergangen.

Gleich zweimal hat die Witterung dem Raps zugesetzt, der im vergangenen Herbst eigentlich ganz ordentlich auf den Feldern stand. Da waren zum einen die starken Frosttage im Februar ohne schützenden Schnee und dann im März die sogenannten Wechselfröste, an denen der Raps besonders leidet. „Der Haupttrieb war abgefroren“, berichtet Merkel. Was allerdings noch nicht so schlimm wäre, denn dann bildet der Raps Seitentriebe aus und die hätten den Ertragsausfall noch einigermaßen aufgefangen. Die Seitentriebe kamen, anfangs sah der Raps dann sogar noch ganz gut aus, doch die Bestände wurden zusehends dünner, immer mehr Pflanzen verwelkten. Der Grund: Ein Pilz schädigt die Pflanzen weiter.

Der Pilz ist nicht ungewöhnlich, „und bei normaler Witterung stört er auch nicht“. Aber die Witterung war alles andere als normal in diesem Frühjahr: Das Wasser fehlte. „Eigentlich hat es in unserem Bereich gar nicht geregnet, höchstens die Leute geärgert“, so Merkel. Immer gerade einmal zwei bis drei Millimeter, das Wasser erreichte die Wurzeln gar nicht. Die Pflanzen waren durch die Trockenheit geschwächt, der Pilz konnte angreifen.

Die Situation, die Merkel schildert, ist längst nicht ein alleiniges Problem des Haßbergkreises. Auch wenn es durchaus Rapsfelder gibt, die gut dastehen – sind die Schäden „unterfrankenweit zu beobachten“, so Tobias Kind vom Erzeugerring in Würzburg. Er rechnet mit Ertragseinbußen von zwei Dritteln beim Raps – nicht bei 30 Dezitonnen, sondern vermutlich bei rund zehn Dezitonnen dürften die Erträge über die gesamte Fläche gesehen liegen. Und auch Kind beobachtet: Tagtäglich fallen weitere Pflanzen aus. Eigentlich müssten wohl 50 Prozent der Flächen umgebrochen werden, weil sie nicht einmal mehr die zehn Dezitonnen bringen, so Kind. Für ihn zeichnet sich ab: „Es wird ein riesiger Ausfall. Es wird richtig wehtun.“ Zumal auch das vergangene Jahr für etliche Rapsanbauer ein schlechtes Jahr war.

„Voriges Jahr miserabel und heuer dasselbe. Die Lust auf Rapsanbau dürfte wohl abnehmen. Der Missmut ist sehr groß“, berichtet auch Helmut Grell, Landwirt in Treinfeld und viele Jahre als Pflanzenbauberater des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt auch mit dem Rapsanbau betraut. Grell: „Es ist einfach schlimm. Die Landwirte haben alles richtig gemacht, aber es liegt an der Witterung.“ 28 Millimeter hat es im April bislang geregnet, nur acht waren es im März, so Grells Aufzeichnungen. Seine Beobachtung: Es stehen immer noch viele Rapsschläge auf der Kippe. Grell ahnt nichts Gutes: Die nächsten Tage sind entscheidend. „Kommt kein Gewitter, dann spitzt sich die Lage zu.“

Und das gilt auch für andere Getreidearten. Und die eigentlich schlimmste Situation ist zudem eingetreten: Der schnelle Temperaturanstieg. Jetzt haben die Pflanzen noch mehr Stress, so Klaus Merkel.

Bitter ist die Situation bei den betroffenen Rapsbauern, die die Flächen umbrechen müssen, gleich in mehrerlei Hinsicht, berichtet Klaus Merkel. Zum einen: 80 bis 90 Prozent der Kosten, die bis zur Ernte anfallen, wurden jetzt schon getätigt. Mit rund 500 Euro schlagen dabei allein die Betriebsmittel wie Saatgut und Pflanzenschutz zu Buche, so Tobias Kind. Dazu kommen noch Festkosten, wie unter anderem die Pacht.

Und was ebenso bitter ist, so Merkel: „Der hohe Preis und wir haben nichts davon“, denn laut Merkel ist der Rapspreis bei rund 50 Euro pro Dezitonne im Bereich des „All-Zeit-Hochs“. Stattdessen müssen die Landwirte Geld in die Hand nehmen, um etwa auf den umgebrochenen Flächen Mais anzusäen.

Ein weiteres Problem: Landwirte haben zum Teil Vorverträge mit dem Handel geschlossen. Und der Handel selbst hat wiederum Kontrakte geschlossen, die er erfüllen muss. Können die Landwirte ihre Verträge nicht erfüllen, müssen die Händler selbst zukaufen – jetzt zu höheren Preisen. Es zeichne sich wohl ab, dass das, was der Handel nun teurer kaufen muss, um seine Kontrakte zu erfüllen, im nächsten Jahr bei den Vorverträgen mit den jeweiligen Landwirten abgezogen wird, berichtet Tobias Kind.

Es werde immer eine Lösung geben, man werde auch diese Situation wieder einvernehmlich mit den Bauern überstehen, sagen Helmut Liebenstein, Geschäftsführer von RW Agrar Haßberge in Hofheim, und Geschäftsführer Edgar Seuferling von Wolf Agrarhandel in Gerolzhofen übereinstimmend.

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