Haßfurt

Wilhelm Schneider: Spätestens jetzt Landrat aller Haßbergler

Der CSU-Politiker hat die Wahl in allen Kommunen gewonnen. Eltmann ist die einzige Ausnahme. Die Wahlbeteiligung war hoch, sein Mandat ist folglich ein starkes.
Er kann nun auf der Rückhalt der Bevölkerung im gesamten Landkreis Haßberge bauen: Der wiedergewählte Landrat Wilhelm Schneider (CSU).
Er kann nun auf der Rückhalt der Bevölkerung im gesamten Landkreis Haßberge bauen: Der wiedergewählte Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Foto: Jochen Reitwiesner

Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Da gab es doch in der Antike, wie wir von Asterix und Obelix wissen, das berühmte kleine Dorf. Ebenso, wie es im Haßbergkreis seit Sonntagabend einen kleinen roten Fleck in mitten einer riesigen schwarzen Fläche gibt. Nur hier, in der Wallburgstadt, konnte  Wolfgang Brühl von der SPD bei der Landratswahl die Mehrheit der Stimmen gewinnen. Eltmann ist Brühls Heimatstadt. Überall sonst im Kreisgebiet war CSU-schwarzes "Wilhelm-Schneider-Land".  In der Gesamtsicht liest sich das so: 30893 gültige Stimmen für Schneider (68,2 Prozent), 14405 für Brühl (31,8 Prozent).

Keine "geopolitische Wahl" mehr

Vor sechs Jahren, als der Maroldsweisacher Wilhelm Schneider erstmals Landratskandidat war und der Sander Sozialdemokrat Bernhard Ruß sein ernsthafter Widersacher, hatte der aus dem Wahlverhalten der Kommunen zusammengesetzte Flickenteppich des Landkreises noch ganz anders ausgesehen. Da war, leicht vereinfacht gesprochen, der Norden schwarz, und das Maintal und der Süden rot. Ansonsten gab es nur drei  blauen Sprenkel in Riedbach, Aidhausen und Rauhenebrach. Hier hatte Birgit Bayer von den Freien Wählern damals die meisten Stimmen eingefahren. Von einer "geopolitischen Wahl" war da die Rede, und der damals scheidende Landrat Rudolf Handwerker stellte betrübt fest: "Unser Landkreis ist noch immer nicht zusammengewachsen". Der Norden wollte Schneider, der Süden Ruß, egal, welcher Partei sie angehörten.

Stolze 47,9 Prozent als schlechtestes Ergebnis

Dieses Bild hat sich nun vollständig geändert, Wilhelm Schneider - inzwischen 61 Jahre alt - hat den gesamten Landkreis für sich eingenommen, ausgenommen Eltmann, wo er am Sonntag auf "nur" 47,9 Prozent der gültigen Stimmen kam. Daneben wurde es für den Amtsinhaber nur in Stettfeld knapp, hier hatte er gerade einmal um vier Stimmen (361) die Nase vor Wolfgang Brühl (357).  

Ansonsten lässt sich durchaus erkennen, dass der wiedergewählte Landrat im Maintal und im Steigerwald wiederum schwächer abgeschnitten hat als in seinen schon letztmaligen Hochburgen im Haßgau und in den Haßbergen.  Wer aber liest, dass Schneider in Ebelsbach mit 55,4 Prozent sein drittschlechtestes Ergebnis eingefahren hat, weiß, dass man hier aus seiner Sicht allenfalls von einem Luxusproblem sprechen kann. Prozentual konnte das Kreisoberhaupt interessanterweise nicht die meisten Bürger in seiner Heimatkommune Maroldsweisach (79.2 Prozent) von sich überzeugen, sondern im benachbarten Ermershausen. Hier lautet sein Endergebnis 92,04 Prozent - und das bei einer Wahlbeteiligung von 83,4 Prozent - das war Rekord am Sonntag - und fast keiner einzigen ungültigen Stimme. Die knapp 8 Prozent Ernte für Wolfgang Brühl heißt in Wählern ausgedrückt gerade einmal 30 Kreuzchen in der kleinsten Gemeinde Unterfrankens mit rund 560 Einwohnern und 458 Wahlberechtigten.

Apropos Wahlbeteiligung: Vor sechs Jahren war klar, dass ein Wechsel an der Spitze des Landkreises bevorsteht. Das mobilisiert die Wählerschaft nach allgemeiner Beobachtung stärker als wenn der Amtsinhaber wieder antritt. Sechs Lenze später beteiligten sich 69,3 Prozent der Wähler am ersten Wahlgang der Landratswahl. Jetzt am Sonntag schritten von 69354 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern 46669 zur Urne, was einer Wahlbeteiligung von 67,3 Prozent entspricht: Ein hoher Wert, wenn man bedenkt, dass vielen Interessierten ohnehin klar erschien, dass Wilhelm Schneider wiedergewählt wird. Immerhin 1371 Männer und Frauen gaben einen ungültigen Wahlzettel ab. 

Ist vielen Haßfurtern der Landrat wurscht?

Am gleichgültigsten war die Landratswahl übrigens den Haßfurtern. Von den 11057 Wahlberechtigten machten nur 56 Prozent mit. Aber auch in den Städten Zeil, Eltmann und Hofheim war das Interesse am Landrat unterdurchschnittlich, in Ebern und Königsberg hingegen leicht darüber. Die Stichwahl  zwischen Wilhelm Schneider und Bernhard Ruß hatte 2014 dann nur vergleichsweise schwache 60 Prozent der Haßbergler an die Urnen gerufen. Damals konnte sich Schneider mit 53,6 zu 46,4 Prozent durchsetzen - auch da mit einem starken Schwerpunkt seiner Anhängerschaft im "Norden".

Jetzt aber, für die kommenden sechs Jahre, kann der ehemalige Bürgermeister von Maroldsweisach für sich beanspruchen, der Landrat für alle Haßbergler zu sein. Und angesichts seines guten Ergebnisses und der ordentlichen Wahlbeteiligung kann er von sich behaupten, ein starkes Mandat zu haben.

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