HELLINGEN

Wird die Erdaushubdeponie zum Aussichtshügel?

Von der Erdaushubdeponie bei Hellingen hat man einen herrlichen Blick auf das Dorf, das in zehn Jahren großes Jubiläum feiert. Die Zukunftsperspektiven des Königsberger Stadtteils standen im Mittelpunkt der jüngsten Bürgerversammlung.
Von der Erdaushubdeponie bei Hellingen hat man einen herrlichen Blick auf das Dorf, das in zehn Jahren großes Jubiläum feiert. Die Zukunftsperspektiven des Königsberger Stadtteils standen im Mittelpunkt der jüngsten Bürgerversammlung. Foto: Gerold Snater

Die erste Bürgerversammlung von Claus Bittenbrünn als neu gewähltem 1. Bürgermeister von Königsberg fand in Hellingen statt und es war eine gute, denn es kam am Ende etwas Greifbares heraus. Karlheinz Buld hatte diese Bürgerversammlung gefordert, zu der rund 50 Hellinger ins Sportheim gekommen waren. „Charly“ war selbst darüber überrascht, wie schnell er 200 Unterschriften und damit die erforderliche Anzahl hatte zusammentragen können, die für eine Bürgerversammlung nötig waren.

Claus Bittenbrünn, der seinen Hauptgeschäftsstellenleiter Johannes Mücke mitgebracht hatte, ging zunächst auf die Situation in der Stadt Königsberg ein, schilderte die neue Personalsituation, erläuterte die notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen bezüglich des Haushaltes der Stadt und in diesem Zusammenhang besonders das Hallenbad der Stadt, welches in naher Zukunft in anderer Form weiter geführt werden soll. Des weiteren informierte er über die Breitbandversorgung in Königsberg und seinen Stadtteilen sowie über den Stand der verschiedenen Kanal- und Kläranlagenbaumaßnahmen und die demnächst zu erstellende neue Abwassersatzung mit den sich daraus ergebenden Gebührenbescheiden. Zahlen konnte das Stadtoberhaupt nicht nennen, da einige Berechnungen zur Ermittlung der Gesamtsumme der Maßnahme noch nicht vorlägen. Er gehe aber davon aus, dass in der nächsten Sitzung des Stadtrates am 4. Dezember darüber entschieden werden kann, sagte Bittenbrünn. Voraussetzung sei aber, dass alle eventuellen Einwände gegen die inzwischen an alle betreffenden Haushalte ergangenen Aufmaßblätter behandelt werden konnten. In zwei Bürgerversammlungen für Königsberg und die Stadtteile zu Beginn des kommenden Jahres werden die Bürger über das Ergebnis informiert. Die endgültigen Bescheide werden voraussichtlich im April oder Mai 2015 an die Haushalte ergehen.

Die anschließende Verlesung des Protokolls der Bürgerversammlung vom 30. September vergangenen Jahres verband das Stadtoberhaupt mit der Darstellung der Behandlungsergebnisse. So soll demnächst eine Bepflanzung der Hellinger „Bechen“ in Angriff genommen werden. Wie und womit, das soll in einer kleinen Runde abgeklärt werden. Werner Dietz monierte, dass die Stadt in der Vergangenheit den Feuerlöschweiher in Hellingen vernachlässigt hat, der im Sommer auch als Schwimmbad genutzt wird. Bittenbrünn sagte Unterstützung zu, wobei Dietz auch an die Hellinger appellierte, mit anzupacken: „In zwei, drei Jahren soll es ringsum sauber sein.“

Moniert wurde von einigen Bürgern der schlechte Zustand der Ortsdurchfahrtsstraße. Hierzu konnte Ortssprecher Rudolf Gutjahr beitragen, dass eine Erneuerung für 2017 vorgesehen sei. In welchem Umfang dies geschehen werde, konnte in der Versammlung nicht geklärt werden. Michael Heidig war der Meinung, dass der Aushängekasten für städtische Nachrichten am Rathaus für ältere Mitbürger zu hoch hängt. Er erklärte sich bereit, in Zukunft das Amtsblatt der Stadt in Hellingen auszutragen.

Einigen Hellinger Bürgern ist der Zustand der aufgelassenen Gräber im Friedhof ein Dorn im Auge. Dort würden teilweise die Umrandungen nicht weggeräumt. In diesem Zusammenhang zeigte Claus Bittenbrünn die verschiedenen Möglichkeiten von Urnenbestattungen auf, die immer mehr zunehmen würden.

Einen breiteren Raum in der Versammlung nahm das Thema „Erdaushubdeponie Hellingen“ ein. Diese Deponie, die sich während der Jahre der Auffüllung zu einem stattlichen Hügel aufgetürmt hat, ist seit einigen Jahren geschlossen und dient bis zum Jahr 2021 der Baufirma Koch als Zwischenlager. Johannes Mücke erläuterte, dass dort nur noch Material für die Rekultivierung abgelagert werden darf. Nach Ablauf des Vertrages mit der Baufirma stehe die Deponie für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Die Umwandlung der Hellinger Erdaushubdeponie in einen Aussichtshügel war nur einer der vielen Anträge, die Charly Buld im Anschluss den Versammlungsteilnehmern vorstellte. Dabei wandte er sich in Anbetracht der 1200-Jahr-Feier Hellingens im Jahr 2024 in einer kurzen Rede nicht nur an den Bürgermeister und die anwesenden Stadträte, sondern auch an seine Hellinger Mitbürger und forderte die Bildung einer Agenda „Hellingen bis 2024 und darüber hinaus“. Seine Anträge übergab er Bürgermeister Bittenbrünn, Geschäftsstellenleiter Johannes Mücke und den beiden Hellinger Stadträten Rudolf Gutjahr und Frank Slawik.

„Ich habe die Befürchtung, dass Hellingen in einigen Jahren ein totes Dorf ist. Es wird so viel über und von Leadership-Projekten und allem Möglichen geredet – nur bei uns passiert nichts“, führte Buld dazu aus. Die Jugend werde verprellt, die Alten würden durch Abgaben ausgebeutet. Eine spürbare Verbesserung der Lebenssituation in Hellingen sei nicht abzusehen. Die alten Häuser gingen kaputt und stünden irgendwann leer herum. Das Internet funktioniere nicht zufriedenstellend, ohne dieses sei aber ein erfolgreiches Dasein in Hellingen nicht gewährleistet. Wegzug der Leute und Desinteresse an der Heimat seien die Folge dieser Situation, führte Buld aus. „Irgendwann sagen dann mehr und mehr die Leute: In Hellingen, da möchte ich nicht einmal tot über dem Zaun hängen“, sagte Buld und forderte auch die Mitbürger jeden Alters auf, sich mit Gedanken, Vorschlägen und Beiträgen einzubringen. Auch Bürgermeister, Stadträte, Verwaltung und alle Interessierten lud Buld ein, sich zu engagieren. „Wir wollen nicht wissen, was nicht geht. Wir wollen Fortschritte.“

Insgesamt sind es 38 Anträge, von der sofortigen Schließung der Deponie in Hellingen über die Einrichtung einer ständigen, bürgerfreundlichen Busverbindung und die Erstellung einer Ortschronik bis zur Information der Hellinger Bürger über den Fortschritt der durchgeführten Maßnahmen in geeigneter Art und Weise, die Charly Buld als „Agenda: Hellingen 2024“ zusammengefasst hat und für die er auch persönlich seine Arbeitskraft und sein Engagement einbringen will.

Bittenbrünn dankte Buld für seine umfangreiche Arbeit und zeigte sich bereit, mitzumachen. Er gab aber auch zu bedenken, dass mit Sicherheit nicht alle von Bulds Vorhaben umsetzbar sei. Zwei Punkte griff der Bürgermeister sofort auf und erklärte, dass eine bessere Busanbindung von Hellingen weiter verfolgt werde und in diesem Zusammenhang ein Gespräch am Landratsamt stattgefunden habe. Eine Änderung der bestehenden Fahrpläne sei aber aufgrund verschiedener Umstände nicht so schnell herbeizuführen.

Des weiteren sprach das Stadtoberhaupt den Hellinger Jugendtreff im ehemaligen Rathaus an, der vor einiger Zeit wegen Beschwerden der Nachbarschaft – vor allem wegen des hohen Lärmpegels auch zu nächtlicher Stunde – geschlossen wurde. „Es ist besser, die Jugend ist im Ort und fliegt nicht wo anders herum“, sagte Bittenbrünn und kündigte an, dass der Jugendtreff unter gewissen Voraussetzungen wieder geöffnet werden soll. Dafür erhielt der Rathauschef Beifall der Versammlung. Mit dem Vorschlag, sich in Kürze mit der Jugend, den Jugendbeauftragten der Stadt und den Hellinger Bürgern an einen Tisch zu setzen und feste Regeln für den Betrieb des Jugendtreffs zu erarbeiten, beendete der Bürgermeister eine teilweise überhitzte Diskussion.

Mit Antworten zu Fragen zum Verlauf der Kanaldruckleitung von Junkersdorf über Hellingen nach Römershofen von Werner Dietz, der Unterbringung von Asylbewerbern im Stadtgebiet und zum Kernwegeprojekt von Daniel Wagner beendete Claus Bittenbrünn nach rund zwei Stunden die Versammlung.

Charly Buld übergab an Bürgermeister Claus Bittenbrünn seine Agenda „Hellingen 2024“.
Charly Buld übergab an Bürgermeister Claus Bittenbrünn seine Agenda „Hellingen 2024“.

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