ELTMANN

Wirtschaften wie die Profis – aber absolut fair

Die Produktionsabteilung überreichte dem „Wirtschaftspaten“ Matthias Münch von „FinnComfort“ zum Dank einige Produkte: von links Fabian Rügheimer, Matthias Münch, Vorstandsvorsitzende Annalena Benkert, Salome Helbig und Cheyn Taylor..
Die Produktionsabteilung überreichte dem „Wirtschaftspaten“ Matthias Münch von „FinnComfort“ zum Dank einige Produkte: von links Fabian Rügheimer, Matthias Münch, Vorstandsvorsitzende Annalena Benkert, Salome Helbig und Cheyn Taylor.. Foto: Günther Geiling

„Interessanterweise verkaufen wir die gleichen fairen Taschen wie es sie im Deutschen Bundestag gibt und hoffen, damit auch großen Erfolg zu haben.“ Dies betonte „Vorstandsvorsitzende“ Annalena Benkert bei der 1. Jahreshauptversammlung der Schülerfirma „#back2bags“ an der Wallburg-Realschule Eltmann. Geladen waren „Aktionäre“, Eltern und Unterstützer aus der Wirtschaft.

Annalena Benkert erinnerte an die Gründung der Firma und den Anspruch, „Fairtrade-School“ auch im Produkt auszudrücken. So sei man auf der Suche nach fair gehandelten Jute- und Turnbeuteln in der lokalen Presse auf einen Bericht über ähnliche Taschen für den Bundestag gestoßen; die Firma „better fashion rEvolution“ in Kemmern habe dazu den regionalen Bezug erfüllt.

„Für uns war es damals sehr wichtig, dem Ungleichgewicht zwischen harten Produktionsbedingungen und schlechter Bezahlung, eventuell auch Kinderarbeit, entgegenzutreten und mit unseren Taschen ein Zeichen für faire Produktion mit fairen Löhnen zu setzen. Außerdem wird bei der Produktion auf schwermetallhaltige Farben verzichtet“, betonte die Vorstandsvorsitzende.

Sie stellte dabei auch heraus, welche Vorteile das Programm „Junior“ der deutschen Wirtschaft für die Schüler bringe. Unter dem Motto „learning by doing“ vermittle es Schlüsselqualifikationen wie das Arbeiten im Team oder die Kommunikationsfähigkeit, baue das praktische Wissen aus und schaffe eine Basis in Fragen unternehmerischen Handelns.

„Unsere Unternehmensgründung erfolgt wie in der Realität. Wir mussten uns registrieren und eine Bestätigung unserer Eltern einreichen, da wir noch nicht volljährig sind, aber ein richtiges Unternehmen führen wollen“, machte Laura Wiesneth deutlich, die Leiterin der Verwaltungsabteilung. Dabei musste man als erstes prüfen, ob der Name der Schülerfirma in Deutschland auch wirklich noch nicht vergeben ist. Schon diese Aufgabe habe viel Zeit gekostet. „Erst wenn der Junior-Firmenname und die Geschäftsidee genehmigt sind, wird das Unternehmen eröffnet und wir bekommen die Aktien zugeschickt, die wir anschließend verkaufen dürfen.“

Marketingleiter Christian Knoblach wies darauf hin, dass das erste große Projekt im Weihnachtsgeschäft gelegen habe und man bei den Weihnachtsmärkten in Eltmann und Haßfurt aufgetreten sei. Hier habe man gute Erfolge erzielt. Da die Firma weiter erhalten bleibe, gehe man als nächstes Märkte wie den Korbmarkt in Sand oder den Frühlingsmarkt in Burgebrach an. Außerdem seien neue Motive für den Mutter- und Vatertag in der Entwicklung. Ebenso wolle man das Taschensortiment auch noch um Rucksäcke erweitern und Extrataschen auflegen. Bisher habe man über 400 Taschen absetzen können.

Die Produktionsabteilung ist laut deren Leiter Cheyn Taylor vorrangig für die Heranschaffung der Taschen, Beutel, Schablonen, Farben und sonstigem Zubehör verantwortlich. Das Hauptgeschäft sei das Bedrucken der Taschen. Dabei habe sich herausgestellt, dass die PC-Programme sehr kostenintensiv seien. Zum Glück habe dabei das „Produktionsatelier Bessler“ aus Bamberg geholfen, um die Muster in das richtige Format zu bringen. Außerdem habe Matthias Münch von der Waldi-Schuhfabrik „FinnComfort“ Haßfurt geholfen, mit einer CNC-Maschine die Schablonen aus Plastik auszufräsen. Beiden Unternehmen sprach Taylor seinen besonderen Dank aus.

Die Bedeutung der Buchführung und Finanzabteilung stellte Melissa Pfeufer heraus. Wie bei jedem Unternehmen müssten alle Einnahmen und Ausgaben gebucht werden. „Wir kontrollieren ebenso die Kontoauszüge unseres Bankkontos bei der Sparkasse. Dadurch können wir feststellen, wie viel Geld wir für weitere Einkäufe zur Verfügung haben und ob unser Kontostand mit den Buchungen im Internet übereinstimmt.“ Monatlich müsse man die Umsatzsteuer, die Löhne und die Sozialversicherungsbeträge begleichen. Eine weitere wichtige Aufgabe sei es gewesen, den richtigen Preis für eine Tasche zu kalkulieren.

Bei ihrem Überblick über die derzeitigen Finanzen wies sie vor den „Aktionären“ auf den Verkauf von Anteilscheinen hin. Mit diesem Kapital habe man den Einkauf von Rohstoffen wie die Taschen oder Sprühfarben abgedeckt. Da das Weihnachtsgeschäft sehr positiv war, hätten die Einnahmen aus dem Dezember die bisher getätigten Ausgaben decken können. „Wir hoffen natürlich, dass es weiterhin so gut läuft, damit wir in der 2. Hauptversammlung unsere Bilanz mit einem Gewinn vorstellen und auch einen Gewinn an die Aktionäre ausschütten können.“

Pressesprecher Jonas Kundmüller sieht es als seine Aufgabe an, Informationen zur aktuellen Entwicklung auf der Schulhomepage zu veröffentlichen, aber auch in die Lokalpresse zu bringen. Damit wolle man Aktionäre und auch mögliche Kunden auf dem aktuellen Stand halten.

Lehrerin Susanne Müller, zuständig für die Schülerfirma, zollte ihren 16 Schülern große Anerkennung für ihre Arbeit. „Während draußen neue Firmen oft vier bis sechs Monate benötigen, um einen Namen zu finden, muss es ja hier sehr schnell gehen. Außerdem muss ja auch bald die Produktion laufen und von Oktober bis zum Weihnachtsgeschäft sind nur zwei Monate Zeit.“ Dass dies alles so geklappt habe, verdanke man auch den „Wirtschaftspaten“ vom „Produktionsatelier“ in Bamberg und von „FinnComfort“ in Haßfurt. „Es fasziniert mich, dass die Unterstützung aus der Wirtschaft für unsere Schule und ihre Schüler so groß ist.“

Die Wallburg-Realschule hat mit ihren Schülerfirmen der letzten Jahre immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Die Produkte reichten dabei von Christbaumschmuck und Schlüsselanhänger über das Kochbuch „Wallbörgers Kurzgerichte“ und eigene Hausaufgabenhefte nun bis hin zu Taschen- und Turnbeutel.

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