BAMBERG

Wo Dackel gelegentlich Kaninchen sind

Gruppenbild mit Dackeln: Stolzer Opa Ernst Fink mit seinen Enkelinnen Anna, Johanna, Luisa und Marie und ihren Rauhhaardackeln Ebbo, Ebbie und Emma.

Für Dackelbesitzer ist ihre Leidenschaft ganz einfach zu erklären. Es gibt Hunde – und es gibt Dackel. Für die meisten Dackelhalter sind sie eine Faszination, die ein Leben lang bleibt. Der Deutsche Teckel Klub lud zur alljährlichen Zuchtschau im Schießzentrum in Kunigundenruh in Bamberg ein. Für die Züchter war es kein Tag wie jeder andere.

Celestine vom Krummholz ist ein junges Kaninchen. So lautet jedenfalls das eindeutige Urteil. Sie selbst weiß aber nicht, dass sie ein „Kaninchen“ ist. Also eigentlich ist sie ein Dackel, was ihr aber auch nicht klar ist. Das einzige Aufregende, was die aufgeweckte kleine Dackeldame vor Augen hat, während sie fröhlich durch den Ring zuckelt, ist das Leckerli in der Hand ihres Herrchens. Dass ihr der Zuchtrichter gerade ein „lässiges Verhalten im Ring“ und einen „flottes, raumgreifendes Gangwerk“ attestiert, interessiert sie gar nicht.

So wird es heute allen Hunden gehen. Erst werden sie gemessen und gewogen, anschließend trippeln sie, wie vorher oft geübt, mit ihren Besitzern ein paar zügige Runden durch den Ring. Am Ende werden vom Zuchtrichter Vorzüge und Mängel eines jeden Tieres geschildert, von denen die Dackel selber leider oder zum Glück keinen Begriff haben.

Manche könnten sich zufrieden als „kompakter Hund“ bezeichnen. Junge Hunde könnten sich über rosige Zukunftsaussichten freuen, wüssten sie nur, dass sie gerade das „Prädikat vielversprechend“ erhalten haben. Und die einzigen, die sich ihrer Eigenschaften womöglich bewusst sein könnten, sind diejenigen stolzen Männchen, die ein „gut angesetztes getragenes Gehänge“ präsentieren können. Daher ist es schön, dass sich auch die Hunde, die nicht ganz so gut abschneiden, genauso über einen gebackenen Dackel-Leckerli als Belohnung freuen wie jeder andere Teilnehmer auch.

Wie die Hunde abschneiden, spielt für ihre Besitzer dagegen eine enorme Rolle, da sie sich bei einer besseren Bewertung und Auszeichnung eher für die Zucht qualifizieren. Bei der diesjährigen Dackelzuchtschau, organisiert von der Sektion Coburg, hat das Kaninchen Celestine in der Jüngstenklasse die Nase vorn, was den Besitzer sehr freut.

Als „Kaninchen“ wird übrigens jeder Dackel bezeichnet, der unter vier Kilogramm wiegt und einen Brustumfang von unter 30 Zentimetern vorweisen kann. Neben Kaninchen gibt es auch Tiger und den Zwergdackel, Kurz- Lang- und Rauhaardackel. Und alle haben sie eine ganz eigene Persönlichkeit und tragen stolze Namen, die ihren Zuchtursprung verraten. Roxy von Norderer Rosengrund beispielsweise ist eine elegante Langhaardackeldame wie Susi aus „Susi und Strolch“. Dornröschen von den Räubern ist eher schelmischer Natur und Florie von Nonnenschlag aus der Veteranenklasse wirkt gelehrt und scheint sich von nichts mehr beeindrucken zu lassen.

Eigensinnig und dickköpfig

Doch egal, mit welcher Art von Dackel die Besitzer heute anwesend sind. Sie alle, so scheint es, vereint die Faszination dieser ganz besonderen Vierbeiner, auch wenn sie schwer zu erziehen sind. Wegen der schweren Erziehbarkeit heißt es auch, die genaueste Vorstellung von der Machtlosigkeit des Menschen haben sicherlich der liebe Gott und der Dackel. Über dieses alte Sprichwort müssen die meisten Dackelbesitzer schmunzeln. Denn da – das geben sie gerne zu – ist was dran. Kein Hund ist so selbstbewusst, so eigensinnig und dickköpfig wie der Dackel – oder Teckel – wie die Fachleute sagen.

Und gerade weil die kurzbeinigen Schlawiner ihren eigenen Kopf haben, werden sie von ihren Frauchen und Herrchen auch so geliebt. Die Erziehung fällt mitunter schwer. Aber Dackel besitzen nicht umsonst einen ausgeprägten Stursinn. Schließlich ist der Dackel ein Jagdhund und muss seine Entscheidungen alleine treffen, um im Dachsbau einen Kampf auf Leben und Tod ohne direkte Anweisungen seines Herrchens führen zu können.

„Aber vor einem Leoparden schreckt auch ein Dackel zurück“, erinnert sich schmunzelnd der langjährige Dackelliebhaber Ernst Fink an eine wahre Begebenheit mit einem seiner vielen treuen Dackel, die der Arzt und Biologe früher sogar auf seine Forschungsreisen in den afrikanischen Dschungel mitnahm: „Wir waren in Afrika, um Tropenkrankheiten zu untersuchen. Es war bereits Nacht, und wir schliefen in unserem Zelt. Plötzlich wachten wir von lautem Krach auf. Da ging etwas vor sich. Mein Dackel ist natürlich gleich aus dem Zelt gestürmt, um für Ordnung zu sorgen. Als er dann aber einem ausgewachsenen Leoparden gegenüberstand, ist er ganz schnell und winselnd wieder ins Zelt. Den Leoparden konnte ich schließlich mit einer Taschenlampe verscheuchen. Damals hatten wir eine Menge Glück, mein Dackel und ich.“

Hund aus dem Kriegsschutt

Nach dem Krieg bekam Ernst Fink (Altendorf bei Weismain) seinen ersten Dackel. „Mein erster Rauhaardackel wurde zu uns aus den Schuttbergen gebracht, wie viele Hunde damals in der Nachkriegszeit. Ich kam nach Hause, und da war er am Tischbein festgebunden. Meine Mutter hatte mich noch gewarnt, dass er beißen könnte. Aber er war von Anfang an mein Freund, ließ sich nachts nur ungern aus meinem Bett vertreiben und holte mich immer von der Schule ab.“

Nicht verwunderlich, dass sich für Ernst Fink gerade der Rauhaardackel als idealer Familienhund etabliert hat. „Die Rauhaardackel, das sind Lausbuben, die sind pfiffig und verspielt. Genau das Richtige für eine Familie. Die Langhaardackel, das sind die Schönen. Und die Kurzhaardackel – aber da möchte ich vorsichtig sein, um keinem Hund Unrecht zu tun – die wirken auf mich immer ein bisschen schärfer, ein wenig aggressiver.“ So werden auch seine Enkelinnen, wie vor ihnen ihre Mütter, von ihren Rauhaardackeln regelmäßig von der Schule abgeholt.

„Ein Dackel ist bei uns ein vollwertiges Familienmitglied. Ich weiß noch, als meine Töchter klein waren, wurde einer unserer Hunde überfahren. Wir alle, und vor allem natürlich meine Töchter, waren sehr traurig. Da habe ich heimlich einen neuen Dackel besorgt und ihn an Heiligabend ins Wohnzimmer laufen lassen. Da ist er gleich unter den Christbaum gekrochen. So seltsam wie das Schicksal so spielt, ist er viele Jahre später auch ausgerechnet an Heiligabend, friedlich unter dem Christbaum liegend, verstorben. Und so ist das bei uns in der Familie. Jeder wächst mit einem Rauhaardackel auf.“

Die Enkelinnen dürfen heute mit ihren Hunden sogar selbst in den Ring und werden vom Richter allesamt für ihre Führungsqualitäten gelobt. Auch andere Kinder laufen mit ihren Hunden. Für sie ist das Ganze eine stolze Angelegenheit, eine Ehre und ein großer Spaß. Aber auch nicht mehr. Die Erwachsenen jedoch nehmen den Wettbewerb um einiges ernster. Für die meisten Halter ist ihr Hobby mehr als nur ein Zeitvertreib. Zuchtrichter Dieter Engel bringt es aus seiner Sicht auf den Punkt: „Natürlich ist das oberste Ziel bei der Dackelzucht ein schöner, leistungsstarker Hund, der jede Fährte lesen und in jeden Bau kriechen kann. Aber für mich ist es so. Das sind Lebewesen, die noch ihren eigenen Willen haben und nicht wie andere Hunde auf Knopfdruck und ohne Nachzudenken gehorchen. Sie haben Charakter und Persönlichkeit. Sie sind die Leidenschaft meines Lebens.“

Die Dackel selbst scheinen zufrieden zu sein. Sie wissen nicht, was da heute Ungewöhnliches vor sich gegangen ist. Die Gewinnerin des Tages war übrigens Rosie Bauersachs, die Zuchtschauleiterin selbst, mit ihrem Teckel Mika vom Nonnenschlag. Mika konnte mit dem Siegerpokal nicht viel anfangen. Dass er das begehrte Prädikat „Formwert vorzüglich“ erhalten hat, juckte ihn nicht. Das Leckerli schon eher.

Mal schnell geschnuppert: Teckel Mika vom Nonnenschlag kann mit dem Pokal nicht viel anfangen. Foto: Bilozertsev

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