OTTENDORF

Zufrieden nach schweren und schönen Zeiten

Zufrieden konnte Martha Gräf in Ottendorf ihren 90. Geburtstages feiern. Foto: Elke Englert

Martha Gräf ist eine 90-jährige Frau, deren Erinnerungsvermögen zum Geschichtenschreiben geeignet wäre. Für die Ottendorfer Jubilarin ist es wie ein Wunder, dass sie nach einem langen Leben und trotz schwerer Arbeit den 90. Geburtstag erreicht hat.

Im Alter von sechs Jahren kam die am 26. April 1928 in Uffenheim geborene Martha Gräf nach Ottendorf. Ihre Eltern hatten dort ein Zuhause gefunden und sie nachgeholt. Aufgewachsen ist sie mit sieben Geschwistern in einem kleinen, aber feinen Häuschen. „Es war kuschelig“, betont die rüstige Jubilarin, denn sie hatten kaum Platz und mussten zusammenrücken. Sieben Jahre ging sie in ihrem neuen Heimatort in die dortige Schule, bevor sie in der schweren Kriegszeit landwirtschaftliche Arbeit bei den ortsansässigen Bauern verrichtete, um ihre Angehörigen finanziell zu unterstützen.

„Es war halt so“

Nebenbei betont sie und darüber freut sie sich riesig, dass fünf ihrer Geschwister noch leben. Aber, so berichtet sie weiter, sie alle hatten eine schlechte Jugendzeit, denn der Krieg war in vollem Gange. Die Angriffe über Schweinfurt habe sie mitbekommen, aber sie selbst hatte keine Angst, denn „wir alle mussten damit leben, es war halt so“.

Im Jahr 1950 nahm sie bei Fichtel & Sachs in Schweinfurt die Arbeit im Motorenbau an. Auch hier war wieder Schwerstarbeit angesagt, aber als selbstbewusste Frau mit einem großen Durchsetzungsvermögen setzte sie sich besonders bei ihren Arbeitskollegen durch.

Eine neue Herausforderung war für die Ottendorferin die Geburt ihrer Tochter Silvia im Jahr 1954. Als alleinerziehende Mutter hatte sie es oft nicht leicht, aber Geschwister und Eltern haben ihr geholfen und so konnte sie weiterhin ihrer Arbeit in Schweinfurt bis zur Rente im Jahr 1988 nachgehen.

Ihr Erinnerungsvermögen ist enorm und man hört ihren Geschichten gerne zu. Dazu gehört auch ihr Ehrenamt beim BRK in den 70er Jahren. Hier hat sie zusammen mit Ottendorfer Frauen Feiern für die älteren Mitbürger des Dorfes organisiert sowie beim Blutspenden mitgeholfen, bis dies von der Gemeinde übernommen wurde.

Sie erlebte schwere Zeiten und schöne Zeiten und sie ist froh über das Leben, denn es geht ihr gut. Geistig fit, der Gang etwas langsamer, aber mit Unterstützung ihrer Familie, der zwei Enkel und zwei Urenkel angehören, lebt sie in ihrem eigenen Häuschen unweit ihrer Tochter. Martha strickt noch sehr gerne Socken, schaut regelmäßig die Nachrichten und als Lieblingssendung hat sie „Dahoam is Dahoam“ auserkoren.

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