HAPPERTSHAUSEN

Zuhören und die Menschen ernst nehmen

In dem liebevoll eingerichteten Praxisraum wird die Heilpraktikerin Sabine Hepp künftig Hilfesuchende mit verschiedenen Verfahren behandeln. Foto: Gudrun Klopf

Wickel, Tees, Kräuter, Globuli – war eines ihrer drei Kinder früher krank, griff Sabine Hepp erst einmal zu alten Hausmitteln und anderen Alternativen, als der Krankheit mit herkömmlicher Schulmedizin zu Leibe zu rücken. Seit langem interessiert sich die ausgebildete Krankenschwester für alternative Heilmethoden, betrachtet den Menschen und seine Krankheiten nicht nur durch die Brille der Schulmedizin.

Sie informierte sich, besuchte Kurse und sammelte Erfahrungen. Doch sie zögerte stets, die aufwändige und auch kostspielige Ausbildung zur Heilpraktikerin in Angriff zu nehmen.

Erst ihre Krebserkrankung vor fünf Jahren brachte Sabine Hepp dazu, den Schritt zu wagen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte sie sich, als der Brustkrebs nach drei Operationen besiegt war. „Die Krankheit war für mich der Wendepunkt. So gesehen hat der Krebs letztlich etwas Positives bewirkt“, blickt sie zurück.

Viele Stationen als Schwester

Seit sie mit 17 Jahren im Krankenhaus in Bad Königshofen die Ausbildung zur Schwesternhelferin antrat, arbeitet Sabine Hepp im Pflegebereich. Im Krankenhaus in Münnerstadt lernte sie den Beruf der Krankenschwester.

Es folgten verschiedene Stationen in Krankenhäusern und Sozialstationen. Nach der Geburt ihrer Tochter Anne und den Zwillingen Jakob und Julian arbeitete sie ambulant oder nachts im Bereitschaftsdienst. Als 2010 eine Stelle im Hofheimer Krankenhaus frei wurde, griff sie zu. „Da wollte ich schon immer hin.“ Nach der Schließung des Hauses wechselte sie nach Haßfurt. Dort arbeitet sie seit zwei Jahren in der Gynäkologie. „Die Arbeit im Krankenhaus mache ich total gerne“, sagt sie. Dort will sie auch bleiben, wenn auch mit reduzierten Stunden.

Denn einen Teil ihrer Zeit wird sie künftig bei sich Zuhause arbeiten. Im Erdgeschoss ihres Wohnhauses in Happertshausen hat Sabine Hepp am Samstag ihre Heilpraxis eröffnet. „Ich habe meinen Traum verwirklicht“, dankte sie den zahlreich erschienen Freunden und Arbeitskollegen und vor allem ihrer Familie, die „mich alle stets unterstützt und an mich geglaubt haben.“

Geplant sei die eigene Praxis zu Beginn der zweijährigen Ausbildung nicht gewesen, sagt sie. „Ich wollte etwas für mich machen, dazulernen, meinen Horizont erweitern.“ Einen Vormittag pro Woche fuhr sie nach Laub bei Prichsenstadt, wo sie an einer Akademie umfangreiches anatomisches, medizinisches und rechtliches Wissen erwarb.

Büffeln war angesagt

Um die anspruchsvolle schriftliche Prüfung und die mündliche Prüfung vor dem Amtsarzt des Gesundheitsamtes zu bestehen, war intensives Büffeln angesagt. Ob beim Ausflug, beim Laufen oder bei Feiern, wo Sabine Hepp auch hinging, die Lernkarten und die Lern-CD waren stets dabei. Mit zunehmenden Wissen wuchs auch der Wunsch, dieses für andere einzusetzen.

„Handeln ohne Vision ist nur totgeschlagene Zeit. Vision ohne Handeln ist bloß Tagträumerei“, zitierte Ulrike Zimmermann bei der Segnungsfeier Nelson Mandela. „Doch Vision mit Handlung kann die Welt verändern.“ Die Not und die Sehnsucht der Menschen, ganzheitlich wahr- und ernstgenommen zu werden, sei sehr groß. „Der Mensch will, dass man für ihn Zeit hat, er will angeschaut, behandelt und berührt werden“, erklärte Zimmermann den großen Patientenzulauf bei Heilpraktikern.

„Wir freuen uns über jeden, der sich in der Gemeinde engagiert und etwas bewegt“, beglückwünschte Bürgermeister Dieter Möhring zur bestandenen Prüfung zur staatlich anerkannten Heilpraktikerin. Die neue Praxis sei ein weiteres kleines Zahnrad im Gefüge der Gemeinde, das das Zusammenleben stabil mache.

Neben der Aufregung steht der neuen Praxisinhaberin die Freude über ihre neue Aufgabe ins Gesicht geschrieben. Auch ihr Mann Wolfgang strahlt. „Ich finde es fantastisch, dass sich Sabine diesen Schritt getraut hat“, sagt er stolz.

Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen steht bei der frischgebackenen Heilpraktikerin im Mittelpunkt. „Nur wenn ich nach den Ursachen der Gesundheitsstörungen suche, kann ich nachhaltige Heilungsprozesse einleiten“, ist sie überzeugt.

Die Kombination macht's

Sie lehne die Schulmedizin keineswegs ab, „aber man kann sie gut mit alternativen Methoden kombinieren.“ Einen Schwerpunkt legt Hepp in ihrer Behandlung auf Hormontherapie. Ob Gewichtsprobleme, Stimmungsschwankungen, ein schwaches Immunsystem oder Beschwerden in den Wechseljahren – das Ungleichgewicht von Geschlechts- und Stresshormonen sei für viele gesundheitliche Beeinträchtigungen verantwortlich.

Daneben setzt Hepp in ihrer Praxis auch die Heilverfahren der Wirbelsäulentherapie nach Dorn und Breuss, Ohrakupunktur, Schröpfen oder Biochemie nach Dr. Schüßler ein.

Die Naturheilkunde stelle viele wertvolle Schätze für individuelle Therapien bereit. Sich Zeit nehmen und den Menschen zuhören, das sei zuallererst Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung, sagt Sabine Hepp.

Sie alle freuen sich über die neue Heilpraxis von Sabine Hepp (von links): Bürgermeister Dieter Möhring, Tochter Anne mi... Foto: Gudrun Klopf

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