HASSFURT

Zukunftspläne für Hauptschulen

In der Bayerischen Bildungslandschaft tut sich was. Hauptschulen können sich in die „Bayerische Mittelschule“ verwandeln – wenn sie bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Ganztagsangebote, Berufsorientierung und optionaler Mittlerer Schulabschluss sind gefragt. Kleinere Schulen, die das allein nicht schaffen, können sich zu einer solchen Mittelschule zusammenschließen und so auch bei sinkenden Schülerzahlen ihre Existenz sichern.
Werden diese Hauptschüler der Klasse 6c in Haßfurt bald Mittelschüler sein? Kürzlich fand an ihrer Schule der Europatag statt und die Jugendlichen Björn, Jannik, Danny, Flo, Ellen, Jana und Said (von links nach rechts) waren mit viel Eifer bei der Sache.
Werden diese Hauptschüler der Klasse 6c in Haßfurt bald Mittelschüler sein? Kürzlich fand an ihrer Schule der Europatag statt und die Jugendlichen Björn, Jannik, Danny, Flo, Ellen, Jana und Said (von links nach rechts) waren mit viel Eifer bei der Sache. Foto: FOTO Manfred Wagner

Mittelschulen – die Älteren unter uns werden sich erinnern, das gab's schon mal. Tatsächlich, bis 1964 hießen so die Realschulen. Dennoch sind beide Schulen nicht dasselbe. Beim Dialogforum im Haßfurter Silberfisch erklärten die Bildungsexperten, dass die Neuen Mittelschulen die bestehenden Hauptschulen aus der Sackgasse führen sollten – hin zu Bildungseinrichtungen mit Zukunft.

Zahlreiche Bürgermeister, Schulleiter, Pädagogen, Elternvertreter und Wirtschaftsfachleute aus dem Haßbergkreis hörten sich am Mittwoch an, was die hochrangigen Repräsentanten des Bayerischen Bildungswesens zu sagen hatten. Den weitesten Weg hatte Ministerialdirigent Peter Müller vom Kultusministerium in München, Regierungsvizepräsident Andreas Metschke vertrat die Bezirksregierung.

Schulversuch in Hofheim gelobt

Landrat Rudolf Handwerker benannte neben den Vorzügen mit deutlichen Worten das „große Manko“ des bayerischen Schulsystems: „Zu wenig durchlässig, zu selektiv.“ Eindringlich begrüßte er den Schulversuch in Hofheim, wo seit kurzem Haupt- und Realschule kooperieren. Dass sich die beiden Schultypen einander nähern, etwa in der Form abgestimmter Lehrpläne, hält der Kreischef für „Zukunftsmusik“. Im Kontext des dreigliedrigen Schulsystems sei die Neue Mittelschule die beste Schule für Kinder mit eher praktischen Begabungen und für Spätentwickler.

Gustav Eirich, Abteilungsleiter an der Regierung von Unterfranken, brachte die Probleme der Hauptschule auf den Punkt. Allgemein schwindende Schülerzahl durch die demografische Entwicklung, steigende Übertritte an weiterführende Schulen und vor allem das negative Image als Restschule mache ihr massiv zu schaffen. Von 2002 bis 2009 hat sich die Zahl der Hauptschüler im Haßbergkreis um 22 Prozent vermindert. Das habe dazu geführt, dass etliche Schulen aufgelöst wurden.

Er stellte die Eckpunkte des neuen Modells vor. Im Unterschied zum herkömmlichen Schulverband, wo Kommunen einen gemeinsamen Schulsprengel bilden und es nur eine einzige Schulleitung gibt, besteht der neue Schulverbund aus einer freiwilligen Kooperation mehrerer selbstständiger Hauptschulen. Sie schließen einen Vertrag und der Schulsprengel kann landkreis- oder bezirksübergreifend sein. Dadurch blieben wohnortnah möglichst viele Schulen im ländlichen Raum bestehen.

Pilot-Landkreis

Als Standort des zweiten unterfränkischen Dialogforums sei der Haßbergkreis ein Pilot-Landkreis, unterstrich Metschke. Die neue Schulform sei eine qualitative Weiterentwicklung mit Ganztagesbetrieb, differenzierter Berufsorientierung mit den Zweigen Technik, Wirtschaft und Soziales sowie dem Angebot, einen Mittleren Schulabschluss zu erwerben.

Die Schulplanung soll sich mehr vor Ort verlagern, dorthin, wo man die konkreten Verhältnisse kennt. So formulierte Ministerialdirigent Müller den Grundgedanken des Dialogforums, das die Bayerische Staatsregierung auf den Weg gebracht hat. Die angedachten Schulverbünde würden niemanden übergestülpt, sondern seien ein zukunftsträchtiger Weg, wie benachbarte Schulen systematisch zusammenarbeiten könnten. Nicht alle Hauptschulen, machte er klar, würden sich zu den qualitativ höher stehenden Mittelschulen weiterentwickeln können. Frühestens zum Schuljahresbeginn 2010/11 würden die Maßnahmen umgesetzt.

Am Beispiel der Hauptschule Zeil-Sand zeigte Schulamtsdirektorin Ulrike Brech die dramatische Situation im Haßbergkreis auf. Dort wurde eine Halbtagsklasse mit nur 14 Schülern gebildet, bei der gesetzlichen Mindestklassengröße von 15 Schülern eine „halblegale Maßnahme“, so die Pädagogin. Um allen Jugendlichen auch alle pädagogischen Angebote und Chancen zu eröffnen, so ihre Schlussfolgerung, müssten die geplanten Verbünde „so groß dimensioniert sein, dass auf absehbare Zeit die Schülerzahlen ausreichend sind“.

Sie schlug drei konkrete Verbünde vor: einen Mainachsen-Verbund aus Eltmann, Ebelsbach und Zeil-Sand, einen Zentrums-Verbund mit Haßfurt, Theres und Knetzgau sowie einen Nordost-Verbund mit Ebern, Hofheim und Maroldsweisach. Das Ergebnis wäre: „Nicht nur drei Mittelschulen, sondern neun eigenständige Mittelschulen, die in drei Schulverbünden engstens verzahnt und abgestimmt zusammenarbeiten.“

Bisher nur Planspiele

Dabei, betonte Brech, handele es sich um Vorschläge und Planspiele, die noch eingehend diskutiert werden müssten. Nichts sei bereits festgezurrt. Knetzgau als Fünf-Sterne-Gemeinde könne sich beispielsweise auch dem Mainachsen-Verbund anschließen. Denkbar wäre auch eine Einbeziehung etwa von Stadtlauringen oder Seßlach, unbeschadet der Landkreis- und Bezirksgrenze.

Die Diskussion brachte keine grundsätzliche Kritik zutage. Vielmehr ging es um Einzelheiten bei der Umsetzung sowie um die Frage, wer etwa höhere Schulwegkosten übernehmen müsse. Könnte man nicht erst kürzlich geschlossene Teilhauptschulen wie Unterschleichach im Steigerwald in eine neue Schulstruktur miteinbeziehen, wollte Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert wissen. Eine Wiedereröffnung bereits geschlossener Schulen sei nicht möglich, winkte Müller vom Kultusministerium ab.

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