Haßfurt

Amtsgericht Haßfurt: Frau schlägt mit Ast auf Nachbarn ein

Ein Mann kam vom Einkaufen nach Hause zurück, da unterbrach seine Nachbarin ihre Gartenarbeit und ging mit einem frisch abgeschnittenen Ast auf ihn los. Welche Strafe bekam sie?
Weil sie mit einem Ast auf ihren Nachbarn losging, stand eine 59 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Haßberge nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt.
Foto: René Ruprecht | Weil sie mit einem Ast auf ihren Nachbarn losging, stand eine 59 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Haßberge nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt.

Ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Anlass schlug eine 59-jährige Hausfrau mit einem gerade abgeschnittenen Gartenzweig ihrem Nachbarn (41) kräftig ins Gesicht. Auf dem Polizeifoto ist eine gerötete Schramme erkennbar, die knapp am linken Auge vorbeiführt. Der Hieb mit dem gut einem Meter langen Stock gilt juristisch als gefährliche Körperverletzung. Unter dem Vorsitz von Dr. Christoph Gillot fällte das Amtsgericht im Namen des Volkes einen Schuldspruch, der relativ selten angewendet wird: Eine Verwarnung, verbunden mit einer Geldstrafe von 7200 Euro "auf Bewährung".

Was war passiert? Der Geschlagene, beruflich als IT-Kundenberater tätig, nutzte den frühen Samstagmorgen am 28. November letzten Jahres zum Einkaufen. Gegen 7.30 Uhr kam er wieder zurück. Er wollte gerade in sein Haus gehen, als die Angeklagte, in einer Hand eine Gartenschere, in der anderen den abgeschnittenen Ast, auf ihn zukam. Unvermittelt schlug sie mit dem Ast auf ihn ein. Im Zeugenstand berichtete er weiter, dass er völlig überrascht gewesen sei. Gleich der erste Schlag habe ihm die sichtbare Verletzung zugefügt.

Gesprächsbereitschaft? Fehlanzeige!

Innerhalb von ein bis zwei Minuten habe sie insgesamt etwa zehn bis 15-mal zugeschlagen, erinnerte er sich. Vergeblich habe er erst mal versucht, den relativdicken Ast zu greifen. Als ihm das nicht gelang, habe er mit den Händen instinktiv sein Gesicht geschützt. Das Intermezzo endete, indem die Frau in ihrem Haus verschwand.

Nachdem der Geschlagene den ersten Schock verdaut hatte, rief er nach dem Ehemann der Frau. Der schaute kurz zur Tür raus, verweigerte aber das weitere Gespräch. Daraufhin ging der Mann nach Hause, verständigte die Polizei, erstattete Anzeige und fuhr später zu seinem Hausarzt. Auf Nachfrage des Richters erklärte er, noch drei bis vier Tage lang Schmerzen gespürt zu haben. Ergänzend fügte er hinzu, dass ihm nicht daran gelegen sei, dass die Frau eine hohe Strafe erhalte. Er wisse nicht, ob sie unter einem "Verfolgungswahn" leide, aber er wünsche sich ein "normales" Nachbarschaftsverhältnis.

Was war der Grund für die Attacke?

Die Suche nach dem Motiv für die Attacke, die sich in einem Ort im Maintal zutrug, gestaltete sich schwierig. Irgendwie scheint es mit einer Hecke zu tun zu haben, die sich auf einer der Grundstücksgrenzen befindet. Außerdem sagte die Angeklagte mit fahriger Stimme, dass andere Nachbarn in ihrer Abwesenheit in ihr Haus eingedrungen wären und dass seit einigen Wochen ihr Briefkastenschlüssel verschwunden sei. Das wäre auch der Grund dafür gewesen, dass sie von dem anstehenden Gerichtstermin nichts gewusst habe und erst von der Polizei geholt werden musste. Möglicherweise glaubt sie an eine Verschwörung der Nachbarn. Nebenbei erfuhren die Zuhörer, dass die Frau schon einmal einen Nervenzusammenbruch erlitt.

Offenbar war die Frau in einer "psychischen Ausnahmesituation"

In ihrem Plädoyer sprach die Oberstaatsanwältin Tanja Zechnall von einem minder schweren Fall von gefährlicher Körperverletzung. Offenbar habe sich die nicht vorbestrafte Frau in einer "psychischen Ausnahmesituation" befunden, meinte sie. Abschließend beantragte sie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 60 Euro, was insgesamt 7200 Euro ergibt.

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Bei der Urteilsbegründung erläuterte der Vorsitzende mit ruhiger und sachlicher Stimme den "ungewöhnlichen" Richterspruch. Wie die Staatsanwaltschaft ging auch er davon aus, dass der geschlagene Nachbar die Wahrheit gesagt und dass die Frau eine gefährliche Körperverletzung begangen habe. Er schloss sich ebenfalls dem vorgeschlagenen Strafmaß an, stellte die Geldstrafe aber unter "Vorbehalt". Dies bedeutet, dass sie erst einmal nichts zahlen muss. Allerdings wird die Summe sofort fällig, falls sie sich erneut strafbar macht. Insofern hängt diese Strafe wie ein Damoklesschwert über dem Verurteilten.

Eine "Verwarnung mit Strafvorbehalt" kann dann ausgesprochen werden, es besondere strafmildernde Umstände gibt und wenn zu erwarten ist, dass der Täter keine weiteren Straftaten begehen wird. Zudem informierte der Richter die Frau, dass er die Betreuungsbehörde einschalten werde. Aber er machte auch klar: "Vor Gericht geht es ums Strafen, bei der Betreuung geht es um Hilfe!" Das Urteil wurde von allen Beteiligten angenommen und ist damit rechtskräftig.

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