Haßfurt

Amtsgericht: Warum drei Backpfeifen ungesühnt bleiben

Das Gericht stellt das Verfahren wegen Körperverletzung gegen einen 40-Jährigen ein. Dem Mann war vorgeworfen worden, einen Passanten mehrfach geohrfeigt zu haben.
Am Amtsgericht Haßfurt stand ein 40-Jähriger am Freitag wegen Körperverletzung vor Gericht. Das Verfahren wurde eingestellt.
Foto: René Ruprecht | Am Amtsgericht Haßfurt stand ein 40-Jähriger am Freitag wegen Körperverletzung vor Gericht. Das Verfahren wurde eingestellt.

Seinen Glückstag hatte ein 40-jähriger arbeitsloser Malergeselle aus dem Maintal am Freitag. Denn obwohl er vorbestraft ist und derzeit unter offener Bewährung steht, hat das Amtsgericht das gegen ihn laufende Verfahren wegen Körperverletzung ohne Auflagen eingestellt.

Was war passiert? Am 17. Mai vergangenen Jahres saß der Angeklagte gegen 18 Uhr abends auf einer Parkbank in der Nähe des Ebelsbacher Bahnhofs mit – später festgestellten – rund 1,8 Promille Alkohol in der Blutbahn. Der Alkohol muss seine Kontaktfreudigkeit gesteigert haben, denn er suchte das Gespräch mit einem Passanten, den er nach seiner Herkunft fragte. Doch laut der Anklageschrift muss dem Angeklagten die Antwort seines Gesprächspartners gefallen zu haben. Er soll den Mann zu Boden geschubst haben.

Passant wählt den Notruf

Als sich das Opfer wieder aufgerappelt hatte, schlug ihm der Angeklagte dreimal mit der Hand ins Gesicht, wie es in der Anklageschrift heißt. Dabei sei der Passant leicht verletzt worden. Er rief den Polizeinotruf, um Anzeige zu erstatten. Kurze Zeit später erschien eine Polizeistreife, die per Atemalkoholtest den hohen Pegel des Angeklagten feststellte.

Auf der Anklagebank machte der 40-Jährige nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Jens Urban keine Angaben. Und das damalige Opfer scheint kein Interesse an einer Bestrafung seines Peinigers zu haben, denn der Geschädigte erschien nicht vor Gericht, um seine Zeugenaussage zu machen.

Gericht stellt Verfahren ein

So blieb dem Gericht nichts übrig, als das Verfahren einzustellen. Zumal die Tat vor der letzten Verurteilung des Angeklagten im Juni 2019 geschah. Damals wurde er zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Darüber hinaus ist wohl auch der Geschädigte kein Kind von Traurigkeit und für die Justiz kein Unbekannter. "Dass wir das Verfahren einstellen, heißt nicht, dass wir die angeklagte Tat gut heißen", gab Richterin Kerstin Leitsch dem Angeklagten mit auf den Weg.

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