Haßfurt

Corona an Allerheiligen: So reagieren Kirchen im Haßbergkreis

Zwischen Seelsorge und Verantwortung für die Gesundheit: Wie gelingt das Totengedenken an Allerheiligen, wenn auf Friedhöfen und in Kirchen Abstandsregeln gelten?
An Allerheiligen 2017 kamen viele Gläubige zur Gräbersegnung auf dem Zeiler Friedhof. Im Corona-Jahr 2020 muss das Gemeinschaftserlebnis ausfallen.
Foto: Peter Schmieder | An Allerheiligen 2017 kamen viele Gläubige zur Gräbersegnung auf dem Zeiler Friedhof. Im Corona-Jahr 2020 muss das Gemeinschaftserlebnis ausfallen.

Am Sonntag ist Allerheiligen - in der katholischen Tradition der Tag des Totengedenkens. Üblich wären an diesem Tag Gedenkfeiern auf den Friedhöfen, bei denen der Pfarrer die Gräber segnet. Doch solche Feiern wird es im Corona-Jahr 2020 im Dekanat Haßberge nicht geben. "Glücklich macht es mich nicht", meint der Zeiler Pfarrer Michael Erhart. Aber: "Ich hätte kein gutes Gefühl dabei gehabt, wenn ich zu einer Veranstaltung einladen würde, bei der sich die Abstandsregeln nicht einhalten lassen." Und das sei sicher: "Die Mindestabstände sind auf Friedhöfen nicht einhaltbar."

Gemeinsames Totengedenken hat ein verbindendes Element

Auch wenn die Pfarreiengemeinschaft "Am Weinstock Jesu", zu der Sand, Zeil und die Zeiler Stadtsteile gehören, zu den ersten im Dekanat Haßberge gehörte, die bereits Anfang Oktober beschlossen, die Gedenkfeier auf dem Friedhof nicht stattfinden zu lassen, sei ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen. "Tote zu bestatten ist ein Werk der Barmherzigkeit", sagt Pfarrer Erhart und spricht auch von der Bedeutung, die der Umgang mit dem Tod in der christlichen Tradition hat. Von Begräbnissen in Katakomben in der Anfangszeit des Christentums bis hin zu schön geschmückten Gräbern auf den Friedhöfen späterer Jahrhunderte: Das Gedenken an die Verstorbenen habe für Gläubige immer eine Rolle gespielt.

Der Pfarrer spricht auch von einem "verbindenden Element", das das gemeinsame Gedenken habe. Erhart hofft nun, dass in der öffentlichen Wahrnehmung klar wird, dass die Pfarreien in der aktuellen Situation nicht anders handeln konnten. Es solle nicht der Eindruck entstehen, die Kirche würde sich "zurückziehen".

Kein einheitliches Vorgehen im Dekanat

Doch wie läuft das christliche Fest Allerheiligen eigentlich im Corona-Jahr ab? "Im Dekanat Haßberge wurde keine einheitliche Vorgehensweise favorisiert", teilt Mirjam Wolf, Leiterin des Diözesanbüros Haßberge auf Anfrage dieser Redaktion schriftlich mit. Viele Verantwortliche hätten auch erst kurzfristig entschieden, ob Friedhofsgänge und Andachten an Allerheiligen und dem am nächsten Tag folgenden Allerseelen stattfinden können. "Die stark steigenden 7-Tage-Inzidenzwerte haben aber mittlerweile viele Pfarreiengemeinschaften dazu bewogen, ihre Friedhofsgänge abzusagen", schrieb Wolf am Montag; seitdem sind weitere Absagen dazugekommen, so dass die Diözesanbüroleiterin am Dienstag noch einmal schrieb: "Es sieht jetzt tatsächlich nach einer flächendeckenen Absage aller Friedhofsgänge im Dekanat Haßberge aus."

Wie genau die Regelungen der einzelnen Pfarreien aussehen, sei auf deren Internetseiten nachzulesen, berichtet Wolf, im Großen und Ganzen sei das Vorgehen aber in allen Pfarreien ähnlich: Die gemeinsamen Friedhofsgänge des Pfarrers mit den Gläubigen werden abgesagt, viele Seelsorger kündigten allerdings an, im Laufe des Tages die Friedhöfe zu besuchen und die Gräber zu segnen - aber eben ohne Publikum, weshalb die Pfarreien in diesem Jahr auch üblicherweise nicht bekanntgeben, zu welcher Uhrzeit der Pfarrer diesen Rundgang machen wird.

Gottesdienst: Bitte vorher anmelden!

Die Gottesdienste zu Allerheiligen finden in den meisten Gemeinden statt, allerdings unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln: Die Gläubigen müssen während des Gottesdienstes ihre Masken aufbehalten, auf Gesang muss verzichtet werden. Außerdem bitten die Pfarrbüros um vorherige Anmeldung der Gottesdienstbesucher.

'Die Mindestabstände sind auf Friedhöfen nicht einhaltbar', sagt Pfarrer Michael Erhart.
Foto: Peter Schmieder | "Die Mindestabstände sind auf Friedhöfen nicht einhaltbar", sagt Pfarrer Michael Erhart.

Aber wäre es nicht möglich gewesen, den Friedhofsgang zu ermöglichen, wenn auf jedem Friedhof mehrere Termine angesetzt werden, so dass nicht alle Gläubigen gleichzeitig kommen? Pfarrer Erhart hält das für kaum umsetzbar: "Ich kann die Leute ja nicht einteilen: ,Ihr kommt um 2 Uhr, ihr kommt um 4 Uhr.'"

Den Friedhof besuchen können die Menschen aber trotzdem. Wer dabei selbst das Grab eines Angehörigen segnen möchte, kann sich dafür in der Kirche Weihwasser holen, ebenso wie Gebetshefte, die in vielen Kirchen ausliegen, berichtet Mirjam Wolf. Für Sand und Zeil ergänzt Pfarrer Erhart, dass hier die Gebetshefte nicht nur in den Gotteshäusern, sondern auch in Blumenläden ausliegen: Immerhin kommen auch dort oft Menschen vor einem Friedhofsbesuch hin. Materialien für den Friedhofsgang gibt es auch als Download des Referates Verkündigung und Liturgie und des Referates Ehe- und Familienseelsorge der Diözese Würzburg.

In einer Pressemitteilung der Pfarreiengemeinschaft Knetzgau heißt es: "Ein Besuch des Friedhofs mit der Familie kann Trost und Zuversicht geben, zeugen doch die Grabgestecke und die vielen Lichter von unserer christlichen Hoffnung auf die Auferstehung."

Trauer macht oft sprachlos

Dennoch sagt der Zeiler Pfarrer Michael Erhart: "Ich glaube auf jeden Fall, dass die Friedhöfe dieses Jahr leerer sein werden." Und was bedeutet das für die Menschen? Das könne "alterstechnisch recht unterschiedliche" sein, schätzt der Pfarrer. Besonders schlimm könnte es für diejenigen werden, die erst in den letzten Monaten jemanden verloren haben, wenn ausgerechnet in diesem Jahr der gemeinsame Friedhofsgang an Allerheiligen ausfallen muss. Gerade für ältere Menschen könne das ein Problem sein: Normalerweise wäre an diesem Tag vielleicht Verwandtschaft zu Besuch gekommen, aber jetzt seien viele von ihnen alleine.

"Ich hoffe, dass die Leute für sich eine Form von Trauerkultur finden", sagt der Pfarrer, allerdings wisse er auch, dass Trauer oft sprachlos mache, gerade wenn es das erste Jahr ist, in dem ein geliebter Mensch fehlt.

"Die Leute werden nicht alleine gelassen"

Einer, der selbst in diesem Jahr einen Angehörigen verloren hat, ist Martin Eck, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in Haßfurt: Im Frühjahr ist sein Vater gestorben. "Wir sind eigentlich jeden Tag am Grab", sagt er. Der gemeinsame Friedhofsgang an Allerheiligen sei zwar eine schöne Tradition, "aber für viele vielleicht auch ein Pflichttermin", meint Eck.

Gerade mit Blick auf die große Zahl an Menschen, die sonst zusammenkommen würde, sieht er die Absage der Gedenkfeiern auf den Friedhöfen als die "einzig richtige Entscheidung". Schließlich sei es weiterhin möglich, den Friedhof im kleinen Kreis zu besuchen. "Es müssen nicht alle auf einmal am Grab stehen. Wem es wichtig ist, der ist sowieso öfter dort." Außerdem verweist Eck darauf, dass es auch Gottesdienste für die Trauernden gibt. "Die Leute werden nicht alleine gelassen."

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