Wetzhausen

Das Wort zum Wochenende: Lebe in steter Verbindung zu Gott

Pfarrerin Melanie von Truchseß.
Foto: Ina Elsner | Pfarrerin Melanie von Truchseß.

Jeden Tag lese ich neugierig die Zeitung: Welche neuen Verordnungen gibt es? Anfangs habe ich mich noch hin und wieder aufgeregt. Inzwischen möchte ich einfach wissen, woran ich mich zu halten habe. Der Sinn mancher Regelungen erschließt sich mir zwar nicht. Manche werden auch schnell wieder gekippt. Aber wo stünden wir in dieser Pandemie, wenn es keine Verordnungen gäbe?

„Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Halte Gottes Wort, handle menschlich gegenüber deinem Mitmenschen und lebe in steter Verbindung mit deinem Gott.“  Dieser Satz des Propheten Micha ist der Spruch für die kommende Woche. Die Regeln sind klar. Wir wissen, worauf wir im Miteinander zu achten haben. Es gibt Zeiten, da möchte ich mich dagegen auflehnen. Und dann bin ich doch froh, dass ich weiß, woran ich mich zu halten habe.

Im Judentum gibt es ein fröhliches Fest, Simchat Tora. Das heißt übersetzt: Freude an der Tora. An diesem Tag tanzt die Gemeinde mit den Schriftrollen um die Bima, das Lesepult in der Synagoge. Voller Freude über das Geschenk, das Gott seinem Volk gemacht hat, indem er sie hat wissen lassen, was gut ist und was der Herr von ihnen erwartet.

Ich stelle mir vor, wir Christen würden ausgelassen mit der Bibel durch die Kirche tanzen. Erfüllt von Freude und Dankbarkeit. Das wäre doch mal ein schönes Fest! Wie gut ist es, dass wir wissen, was gut ist. Schwierig genug, das Wissen im Alltag in Handeln umzusetzen.

Eine im Internet verbreitete Theorie ist, dass sich die Bundes- und Landesminister die Maskenpflicht und das Abstandsgebot als überflüssige Schikane ausgedacht haben. Das zeigt die große Distanz vieler Bürger zur demokratisch gewählten Regierung. Da die Regelungen nicht in den Parlamenten diskutiert werden, fehlt hier auch jede Bürgernähe. Aus der Distanz erwachsen Misstrauen und Spekulation. Wer schon einmal eine Fernbeziehung geführt hat, weiß, auf welche Probe die Liebe durch die Ferne gestellt wird. Unruhig fragt er  sich: „Wie ist denn diese Whatsapp gemeint?“ Und sie verzweifelt: „Warum erreiche ich ihn nicht! Bestimmt ist er mit der hübschen Kollegin unterwegs!“ -  Je größer die Distanz, desto größer das Misstrauen und der Raum für Spekulationen. Darum ist der letzte Halbsatz des Micha so wichtig: „Lebe in steter Verbindung zu deinem Gott.“ In Christus ist Gott uns ganz nahe gekommen. Durch ihn wissen wir, dass Gott es gut mit uns meint. Seine Gebote sind keine Schikane. Wir  können froh sein, dass uns gesagt ist, was gut ist und was der Herr von uns erwartet: „Halte Gottes Wort, handle menschlich gegenüber deinem Mitmenschen und lebe in steter Verbindung mit deinem Gott.

Die Autorin:  Melanie Freifrau Truchseß von Wetzhausen, Evang.-Luth. Pfarramt Wetzhausen mit Altenmünster; Dekanatsbezirk Rügheim

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