Haßfurt

Der Arbeitsmarkt boomt

Es gibt zwar mehr Ausbildungsplätze als Bewerber im Landkreis Haßberge. Doch nicht jeder bekommt einen Platz in seinem Wunschberuf. Oliver Schamberger aus Haßfurt hat seinen Traum-Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Gelder & Sorg in Haßfurt gefunden.
Foto: Ulrike Langer | Es gibt zwar mehr Ausbildungsplätze als Bewerber im Landkreis Haßberge. Doch nicht jeder bekommt einen Platz in seinem Wunschberuf.

„Wir können angesichts der Tatsache, dass in diesem Jahr die Zahl der Ausbildungsplätze im Landkreis Haßberge höher war als die Zahl der Bewerber, wieder von einer Berufs-Wahl sprechen“, teilte Berufsberater Peter Stretz beim Pressegespräch zur Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt im Landkreis Haßberge im Büro der Agentur für Arbeit Haßfurt mit. „Für mich persönlich ist es schön, dass ich die Fähigkeiten und Interessen der Jugendlichen bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes in den Mittelpunkt stellen kann.“

Der Arbeitsmarkt boomt und die Betriebe suchen teilweise händeringend nach Auszubildenden. So kamen im Zeitraum vom 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 in den Haßbergen „nur“ 523 Bewerber (im Vorjahr: 584) auf 618 Ausbildungsstellen (591), wie der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, Klaus Seebach, berichtete. Weil immerhin 77 Prozent der Bewerber auch einen Ausbildungsplatz gefunden haben, bewertete er den Landkreis Haßberge als vorbildlich. Denn der Bundesdurchschnitt liegt nach seinen Aussagen nur bei 49 Prozent. „Die restlichen Bewerber gingen in die Berufsvorbereitung, fanden eine Arbeitsstelle, besuchen eine weiterführende Schule, absolvieren ein Praktikum oder studieren“, so Klaus Seebach. Selbst alle acht Bewerber ohne Abschluss sowie knapp die Hälfte der 75 Bewerber mit Migrationshintergrund – hauptsächlich aus den Ländern Afghanistan, Syrien und Äthiopien –, die die Berufsintegrationsklassen abgeschlossen hatten, konnten vermittelt werden. 202 Bewerber hatten einen Mittelschulabschluss oder Quali, 26 die Fachhochschulreife und 25 das Abitur in der Tasche. Auffallend ist, dass die Zahl der Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss in den letzten drei Jahren deutlich von 337 im Jahr 2016 auf 262 in diesem Jahr zurückgegangen ist, weil der Trend zum Besuch weiterführender Schulen vor allem in den Realschulen anhält. „Bildung wird wieder als gutes Fundament für die Zukunft anerkannt“, stellte Klaus Seebach fest. „Doch leider geht der Trend weiterhin weg vom Handwerk hin zu den Angestelltenberufen.“

„Unser Anspruch ist, dass jeder Jugendliche beraten wird, keiner verloren geht“
Peter Stretz, Berufsberater

Wie Klaus Seebach berichtete, konnten heuer 165 Ausbildungsstellen im Landkreis Haßberge nicht besetzt werden, während 24 Bewerber keine Alternative zur Berufsausbildung gefunden haben. Alle noch nicht vermittelten Jugendlichen wurden aber bereits zu Einzelgesprächen eingeladen, um ihnen weitere Angebote zu unterbreiten.

Natürlich gibt es weiterhin deutliche Ungleichgewichte in den Bereichen Hochbau, Maler, Handel, Verkauf, Herstellung von Lebensmitteln und Fahrzeugführer im Straßenverkehr. Dort hätten teils deutlich mehr junge Menschen ausgebildet werden können. Lediglich im Bereich Büro, Sekretariat und Verwaltung gab es mehr Bewerber (47) als Ausbildungsstellen (24).

Während die Betriebe im Bereich der Arbeitsagentur Schweinfurt 278 Kaufleute im Einzelhandel, 220 Industriemechaniker, 153 Verkäufer, 141 Maler und Lackierer sowie 135 Kaufleute im Büromanagement suchten, wollten von den männlichen Bewerbern 202 Industriemechaniker, 112 Kfz-Mechatroniker, 83 Verkäufer, 71 Fachlagerist und 65 Industriekaufmann werden. Die weiblichen Bewerber bevorzugten die Berufe der medizinischen Fachangestellten (151), Industriekauffrau (118), Kauffrau-Büromanagement (107), Kauffrau im Einzelhandel (75) und Verkäuferin (71).

„Ich versuche natürlich, Mädchen, die in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen eine Begabung haben, in die mint-Berufe Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu vermitteln. Aber leider nur mit mäßigem Erfolg“, betonte Peter Stretz. „Dabei wären viele Betriebe durchaus bereit, Mädchen auszubilden.“ Auch müssten die Bezahlung und die Wertschätzung der Gesundheitsberufe deutlich erhöht werden.

Positiv bewertete er die Tatsache, dass Betriebe derzeit auch schwächeren Schülern eine Chance gäben. Wobei auch die Agentur für Arbeit Schweinfurt neben der regulären Berufsorientierung durch ihre Beratungsfachkräfte an allen Schulen viele Hilfen für den gesamten Bezirk bereitstellt. So fördert sie zusammen mit den örtlichen Schulämtern das sogenannte „Berufsorientierungsnetzwerk“ an den Mittelschulen mit insgesamt fast 270 000 Euro. Durch den hohen Praktikumsanteil dieses Programms finden mittlerweile viele Mittelschüler teilweise direkt einen Ausbildungsplatz, ohne die Agentur hierfür einschalten zu müssen. Weiterhin setzt sie einen Schwerpunkt in der intensiven Berufsorientierung durch die Berufsberatung an allen Mittelschulen und hält 226 Plätze im Bereich Berufsvorbereitung, 360 Plätze bei den ausbildungsbegleitenden Hilfen, 75 Plätze für Einstiegsqualifizierungen, 27 Plätze für eine außerbetriebliche Berufsausbildung (Tendenz stark abnehmend) sowie 24 Plätze für die assistierte Berufsausbildung bereit. So wurden im Agenturbezirk im vergangenen Ausbildungsjahr über fünf Millionen Euro zur Unterstützung und für die Vorbereitung und Begleitung der Ausbildung junger Menschen ausgegeben. „Unser Anspruch ist, dass jeder Jugendliche beraten wird und keiner verloren geht“, betonte Peter Stretz.

Insgesamt standen im Bereich der Agentur für Arbeit Schweinfurt 4338 Ausbildungsstellen, 268 mehr als im Vorjahr, zur Verfügung. Die meisten Ausbildungsstellen stellte die IHK (2500), gefolgt von der HWK (1234) sowie sonstigen Betrieben (604).

„Der Landkreis Haßberge ist ein Vorbild, denn 77 Prozent der Bewerber haben zwischen Oktober 2017 und September 2018 einen Ausbildungsplatz gefunden“, sagte der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, Klaus Seebach (Zweiter von rechts), bei der Pressekonferenz in der Agentur für Arbeit Haßfurt. Darüber freuten sich Geschäftsstellenleiter Haßfurt, Günther Trum (Zweiter von links), Berufsberater Peter Stretz (links) und die neue Berufsberaterin Vanessa Bachmann.
Foto: Ulrike Langer | „Der Landkreis Haßberge ist ein Vorbild, denn 77 Prozent der Bewerber haben zwischen Oktober 2017 und September 2018 einen Ausbildungsplatz gefunden“, sagte der stellvertretende Leiter der Agentur für ...
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