EBERN

Diagnose Krebs: Lebensmut trotz bitterer Pillen

Christa Rögner
Foto: M. Mösslein | Christa Rögner

Wie geht es dir? – Allzu oft beginnen Gespräche mit dieser Floskel. Viel häufiger drückt sie die Verlegenheit des Fragenden aus, als echtes Interesse am Gegenüber. Wenn sich die Selbsthilfegruppe Krebsnachsorge in Ebern trifft, hören die Teilnehmer anfangs auch stets diese eine Frage: Wie geht es dir? Doch für sie hat die Frage nichts Floskelhaftes an sich. Es geht um echtes Interesse am Befinden des Anderen. Denn alle wissen: Jeder im Raum hat schon viel mitgemacht. Und bei manchen ist der Leidensweg noch nicht vorbei. Da ist die Frage, wie einem gerade geht, ganz ehrlich gemeint.

„Blitzlicht“ nennt Christa Rögner diese Eingangsrunde, mit der jedes Gruppentreffen beginnt. Die 75-Jährige aus Ebern leitet die Selbsthilfegruppe Krebsnachsorge schon seit 26 Jahren. Eine lange Zeit. Überhaupt ist die Eberner Gruppe eine der ältesten Selbsthilfegruppen im Haßbergkreis. Sie wurde 1982 gegründet.

Die Diagnose

15 Frauen und ein Mann (Rögner: „Der fühlt sich bei uns pudelwohl!“) kommen zu den monatlichen Treffen. Jeder von ihnen hat irgendwann in seinem Leben mit der Diagnose „Krebs“ zurechtkommen müssen – manche als junge Menschen, manche in fortgeschrittenem Alter. „Es ist ein Loch, in das du fällst, wenn du die Krebsdiagnose erhältst“, beschreibt Rögner, wie es ihr seinerzeit erging, als ihr Arzt sie das erste Mal mit der schlimmen Nachricht konfrontierte.

Um zu verhindern, dass Krebspatienten verzweifeln und sich alleine gelassen fühlen, sei persönlicher Kontakt wichtig, fährt Rögner fort. „Es ist wichtig und bringt wirklich etwas, einen Menschen in den Arm zu nehmen“, sagt sie. Natürlich nur, wenn dieser das möchte.

Selbstbestimmter Alltag

Diese Form menschlicher Nähe und Zuwendung gibt es in der Selbsthilfegruppe ebenso, wie die Möglichkeit, sich auszusprechen – ganz offen. Auf den Tisch kommt, was die Teilnehmer aktuell bewegt, meint die Gruppenleiterin.

Doch damit allein sei es freilich nicht getan. „Entlastend“ nennt Rögner es, wenn Krebspatienten – die übrigens erst zur Gruppe kommen, wenn sie bereits therapiert sind, nicht in der Akutphase ihrer Erkrankung – einander mit praktischen Beispielen Mut machen. Am besten mit Beispielen, wie man trotz Krebs (weiter)leben kann, trotz aller Einschränkungen. Wie man seinen Alltag selbstbestimmt gestalten kann. „Wenn langjährige Krebspatienten von sich und ihrem Umgang mit der Krankheit erzählen“, berichtet die Leiterin der Selbsthilfegruppe, „dann hilft das denen, die davon hören.“ Dabei kämen auch schwierige Themen zur Sprache, Implantate oder Prothesen beispielsweise. Keine leichte Kost. Aber für Betroffene ein wichtiges Thema, das sich nicht einfach beiseiteschieben lässt, indem man es thematisch ausspart.

Vor einigen Jahren noch war die Diagnose Krebs in den meisten Fällen gleichzusetzen mit einem Todesurteil für den Betroffenen. Dies ist heute nicht mehr so. Dank verbesserter Medizin und Behandlungsmethoden – und effektiverer Frühdiagnostik – haben Krebspatienten heutzutage in vielen Fällen gute Chancen, ihre Krankheit zu besiegen. Dennoch gibt es Fälle, in denen es „sehr schlecht aussieht“, so Rögner.

Früher ein Tabuthema

Diesen Menschen Mut zu machen und sie zu trösten, gibt die Gruppenleiterin zu, „ist schwierig“. Beispielsweise einer an Krebs erkrankten Mutter mit Kindern gut zuzureden, um ihr ihren Lebensmut zurückzugeben, trotz aller Rückschläge – das kostet unbestritten Kraft. „Aber es hilft“, ist sich Rögner sicher. Dies dürfte ein wichtiger Grund sein, warum sie die Selbsthilfegruppe noch immer leitet, ohne selbst zu verzweifeln.

Während der vergangenen drei Jahrzehnte, solange es die Gruppe gibt, habe sich die Einstellung der Öffentlichkeit Krebs gegenüber geändert. „Zum Glück“, meint Rögner. Krebs sei früher als Makel empfunden worden, als Tabu, über das weder Betroffene, noch Gesunde gesprochen hätten. Diese Isolation gebe es in dieser Form nicht mehr. Dennoch habe die Eberner Selbsthilfegruppe in den zurückliegenden Jahren kein Neumitglied verzeichnet. Die Teilnehmer sind allesamt in fortgeschrittenem Alter. Man könnte auch sagen: Sie sind miteinander alt geworden – trotz Krebs'. Jüngere Krebspatienten gehen, wenn sie die schlimmste Zeit ihrer Krankheit überwunden haben, meistens wieder arbeiten, schildert Rögner. Dies ist für sie der Hauptgrund, warum diese nicht den Weg in die Selbsthilfegruppe finden. Dabei stehe diese allen offen, versichert Rögner, „auch ohne Anmeldung“.

Notizen zur Selbsthilfegruppe Krebsnachsorge Ebern

Über die Gruppe: Die Selbsthilfegruppe steht allen Frauen und Männern offen, die an einer Krebserkrankung leiden. Ihr Ziel ist es, persönliche Kontakte zu fördern, Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln und sich gegenseitig Mut zu machen und Erfahrungen auszutauschen, beispielsweise über Reha, Ernährungsumstellung, Behindertenausweis und Prothesen. Gefühle und Ängste sollen dabei nicht unterdrückt werden. Neubetroffene sollen sehen: Auch in einer ausweglos erscheinenden Situation kann neues Leben und Freude entstehen. Die Gruppe trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat ab 14 Uhr im katholischen Pfarrzentrum St. Laurentius in Ebern sowie privat bei Bedarf. Zudem gibt es speziell für Frauen, die an Krebs erkrankt sind, in Zeil die Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs. Diese kommt jeden ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im Plauderstübchen im Hans-Weinberger-Haus (Altenwohnheim) zusammen. Kontakt zur Gruppe: Krebsnachsorge Ebern: Christa Rögner, Tel. (0 95 31) 86 28; Frauen nach Krebs Zeil: Erika Weyrauther, Tel. (0 95 22) 83 49. Weitere Infos: Bayerische Krebsgesellschaft in München, Tel. (089) 54 88 40 44, E-Mail: info@bayerische-krebsgesellschaft.de, Internet: www.bayerische-krebsgesellschaft.de

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