Hofheim

Die Komödie spielt mit der Angst

Mit viel Engagement führt Annette Dorn (links) seit vergangenem Jahr bei der Gruppe „TheatrHOH” Regie.
Foto: Gudrun Klopf | Mit viel Engagement führt Annette Dorn (links) seit vergangenem Jahr bei der Gruppe „TheatrHOH” Regie.

Viel weniger Betonung in den Satz legen. Du musst emotional ganz unbeteiligt wirken. Und dein Blick muss noch mehr ins Leere gehen.“ Wieder und wieder lässt Regisseurin Annette Dorn einzelne Szenen und Sätze wiederholen. Neben Betonung und Mimik werden Standorte und Bewegungen der Schauspieler bis ins Kleinste austariert.

Mit der Auswahl ihres Stückes beweisen die Theaterleute vom „TheatrHOH e. V.“ Mut. Sie haben sich mit „Eine ganz heiße Nummer“ eine Komödie ausgesucht, die weit entfernt ist von einem Bauernschwank oder einem seichten Boulevardstück. Das zugleich amüsante und rührende Lustspiel zeige neben herrlich komischen Szenen immer wieder Tiefgang, beschreibt Alexandra Neumeier das Stück. Die Angst vor Arbeitslosigkeit, Schulden und finanzielle Nöte und bürgerliche Doppelmoral geraten in den Blick der Zuschauer. „Das sind alles Themen, die jeden von uns betreffen können“, sagt Neumeier. Ziel der Gruppe sei es, „unsere Zuschauer mit einem kurzweiligen Abend gut zu unterhalten.“

Seminar: Rauf auf die Bretter

Und das ist harte Arbeit und will gelernt sein. Mit großer Ernsthaftigkeit widmen sich die Hofheimer Spieler ihrem Vorhaben. Bereits in der Vergangenheit nutzten immer wieder einzelne Mitspieler die Fortbildungsangebote des Verbands Bayerischer Amateurtheater (VBAT), bei dem die Hofheimer Theatergruppe seit 2016 Mitglied ist. Doch der Nutzen sei für die Gruppe sehr eingeschränkt, erklärt Neumeier, „denn dann hinken diejenigen, die nicht dabei waren, immer hinterher.“ Erst der Besuch des Seminars „Rauf auf die Bretter“ mit der gesamten Gruppe habe einen enormen Schub gebracht, bestätigt Benjamin Saal.

Er gehört ebenso wie Alexandra und Alex Neumeier und Axel Klimach zu den alten Hasen, die der Theatergruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2004 die Treue halten. Als damaligen Präsidenten des Hofheimer Carneval Clubs (HCC) genügte Axel Neumeier die Bühnenpräsenz nur zur Faschingszeit nicht. Warum also nicht zusätzlich zu den Prunksitzungen auch mit einem Theaterstück auf die Bühne? Theaterbegeisterte waren rasch gefunden. Jährlich brachte man im katholischen Pfarrheim ein Stück auf die Bühne. Bauerntheater habe es schon genügend in den umliegenden Dörfern gegeben. Und mit dem Hofheimer Dialekt sei es auch nicht weit her. Also entschied man sich eher für Schwänke und modernes Boulevardtheater, „gerne auch Komödien mit leisen Hintertönen“, beschreibt Neumeier die gespielten Werke.

Seit Juli dieses Jahres firmiert die Truppe unter „TheatrHOH e.V.“ als eigenständiger Verein. „Der Fasching und unsere Theateraufführungen sind inhaltlich stark auseinander gedriftet“, erklärt Alexandra Neumeier die einvernehmliche Trennung vom HCC. Der Name „TheatrHOH“, gesprochen „Teatro“, drücke eine Verbindung von Theater und Hofheim aus.

Bis vor einem Jahr studierten die Hofheimer die Stücke ohne Regisseur ein. „Wir haben uns nur gegenseitig korrigiert“, erinnert sich Benjamin Saal. Man merke einem Stück die fehlende Regie an, kritisierte Peter Kuhn, der 2016 in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Verbands Bayerischer Amateurtheater (VBAT) im Bezirk Franken, eine Vorstellung in Hofheim besuchte. „Wir freuen uns über konstruktive Kritik“, sagt Neumeier. Schließlich wolle man sich ja verbessern und weiterkommen. Gerne nahm die Gruppe deshalb die Anregungen von Kuhn an, der selbst bei der „Jungen Oberwerrner Bühne“ Regie führt und mitspielt. Seit vergangenem Jahr führt Annette Dorn, vorher schon als Souffleuse Teil der Gruppe, Regie. Auch sie habe viel von einem entsprechenden Seminar beim VBAT profitiert. Wie wichtig zum Beispiel Stellproben sind, bei denen Stellungen, Haltungen und Gänge der Mitwirkenden festgelegt werden. Die Bühne wäre nichts für sie, sagt Dorn. Aber vom Regieführen sei sie fasziniert. „Ich habe einen Blick dafür, was passt und was nicht.“ Für die Proben bereitet sich Annette Dorn gut vor. „Die Schauspieler müssen erst einmal ankommen und abschalten.“ Deshalb geht es, ähnlich wie beim Sport, nicht ohne Aufwärmtraining auf die Bühne. Mit kleinen Übungen, „Warm-Ups“, stimmen sich die Spieler ein.

Seit Pfingsten arbeiten sie an dem neuen Stück, das in knapp zwei Wochen Premiere haben wird. Während üblicherweise Alexandra Neumeier gemeinsam mit Annette Dorn der Gruppe eine Vorauswahl an Stücken präsentiert, haben sie das diesjährige Stück eher durch Zufall entdeckt. „Wir sind während einer Fortbildung auf den Film „Eine ganz heiße Nummer“ zu sprechen gekommen.

Die von Andrea Sixt verfasste witzig-pointierte Komödie war Ende 2011 in den Kinos zu sehen. Es stellte sich heraus, dass auch eine Theaterfassung existiert. „Das trauen wir uns nicht zu“, sei die erste Reaktion der Gruppe gewesen. „Auch, wenn auf der Bühne nichts Unsittliches zu sehen ist, sind Inhalt und Sprache doch recht delikat“ verrät Neumeier. Schließlich sei man aber doch dem Reiz erlegen und habe sich an das Stück gewagt. Sicherheitshalber holte sich die Gruppe den Segen des Hofheimer Pfarrers dazu, wird doch im Stück auch die bisweilen auftretende Doppelmoral kirchlicher Würdenträger entlarvt. Da wollte man denn doch auf Nummer sicher gehen, zumal die Bühne im katholischen Pfarrheim genutzt wird.

Proben in der Jugendherberge

Als die Entscheidung für das Stück gefallen war, quartierten sich die Hofheimer Theaterspieler für ein Wochenende in der Jugendherberge in Königsberg ein. Dort wurden die einzelnen Charaktere ausgearbeitet und die Rollen verteilt. Zunächst einmal, später zweimal pro Woche, jetzt nahezu täglich wird geprobt. „Theaterfreie Zeit gibt es eigentlich nicht für uns“, sagt Benjamin Saal. Hat sich der Vorhang nach der fünften Vorstellung geschlossen, stehen Besuche bei anderen Theatergruppen, gemeinsame Fortbildungen und der monatliche Theaterstammtisch auf dem Programm. Nach über zehn Jahren Bühnenarbeit verbindet die Gruppe mehr als nur die Freude am Theaterspielen. „Es sind Freundschaften entstanden und der Zusammenhalt ist toll“, sagt Alexandra Neumeier. „Aber wir sind immer auch für neue Mitspieler offen geblieben.“

Premiere am 4. November

Wer „Eine ganz heiße Nummer“ mit dem „TheatrHOH“ im katholischen Pfarrheim in Hofheim erleben möchte, sollte sich rasch eine Karte im Vorverkauf bei Musik Hofmann in Hofheim sichern. Vorstellungen: Seniorennachmittag am Sonntag, 4. November, 15 Uhr und Freitag, 9. November, Samstag, 10. November, Freitag, 16. November und Samstag, 17. November jeweils um 20 Uhr. Einlass je eine halbe Stunde vor Beginn.

In unregelmäßiger Reihenfolge stellen wir in den kommenden Monaten weitere Theatergruppen aus dem Landkreis Haßberge vor.

Um ihre Existenz zu sichern, brüten die drei Damen des örtlichen Kaufladens eine ganz besondere Idee aus.
Foto: Gudrun Klopf | Um ihre Existenz zu sichern, brüten die drei Damen des örtlichen Kaufladens eine ganz besondere Idee aus.
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