Bamberg

Drei Jahre Haft für Tankstellenüberfall in Haßfurt

Im August 2020 hatte der Angeklagte mit einer Schreckschusspistole eine Tankstelle überfallen. Kurz darauf wurde er gefasst. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.
Diese Tankstelle in Haßfurt hat ein 46-Jähriger im August 2020 überfallen. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.
Foto: René Ruprecht | Diese Tankstelle in Haßfurt hat ein 46-Jähriger im August 2020 überfallen. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Mit einer Schreckschusspistole hat ein 46-jähriger Frührentner aus dem Raum Bamberg am 24. August vergangenen Jahres eine Tankstelle in der Zeiler Straße in Haßfurt überfallen. Dabei erbeutete er 1480 Euro, die er in einer Plastiktüte aufbewahrte. Einer Polizeistreife gelang es, den Täter kurze Zeit später in der Oberen Vorstadt in Haßfurt festzunehmen, wo er zu Fuß auf dem Weg zum Bahnhof war. Am Donnerstag verurteilte das Landgericht den gelernten Schreiner wegen eines besonders schweren Falls der räuberischen Erpressung zu einer dreijährigen Haftstrafe.

Dem Täter ging es nicht ums Geld

Vor Gericht räumte er das Vergehen ein. Als Motiv nannte er seine psychische Erkrankung. Seit einem schweren Autounfall im Jahr 1996, nach dem er zwei Wochen im Koma lag, könne er nicht mehr arbeiten und leide unter einer schizophrenen Psychose. Wegen des Geldes habe er die Tankstelle nicht überfallen: Mit seiner Erwerbsunfähigkeitsrente komme er gut aus.

Der 46-Jährige musste sich zum ersten Mal vor Gericht verantworten. Die Tatausführung war eher dilettantisch: außer mit einer Corona-Schutzmaske war er nicht maskiert. Bevor er die Geldscheine in die Tüte steckte, legte er die Waffe auf einem Zeitungsstapel in Reichweite der Kassiererin ab. Er flüchtete zu Fuß ohne Fahrkarte in Richtung Bahnhof, ohne zu wissen, wann der nächste Zug fahren würde. Der Täter wurde von mehreren Kameras gefilmt, die Tankstelleninhaberin konnte von zuhause aus den Überfall am Computer mitverfolgen. Sie rief die Polizei und lieferte eine genaue Täterbeschreibung.

Mit der Festnahme gerechnet

Mit seiner Festnahme schien er fast gerechnet zu haben. Dem Polizisten, der ihn stellte, sagte er: "Ihr wisst genau, wo ich herkomme." Der Festnahme widersetzte er sich nicht, sondern "ergab sich in sein Schicksal", sagte der Beamte im Zeugenstand.

Für die Tankstellenangestellte hatte der Überfall schlimme Folgen. "Es ist ein Wahnsinn, was in so kurzer Zeit alles kaputt gehen kann", sagte sie. Seitdem sei sie in psychiatrischer Behandlung, könne nicht mehr arbeiten und sei immer noch krankgeschrieben. Der Gerichtstermin sei für sie "furchtbar". Sie sei bereits vor vier Jahren einmal überfallen worden.

Medikamente nicht genommen

Die Mutter des Angeklagten sagte, sie vermute, dass ihr Sohn damals seine Medikamente nicht genommen habe. Ein Beamter der Kripo Schweinfurt stufte die Schreckschusswaffe als gefährlich ein. Sie war mit sechs Knallpatronen geladen. Auf die kurze Entfernung von 30 bis 40 Zentimetern seien erhebliche Verletzungen möglich, sagte der Polizist.

Staatsanwalt Michael Remling ging wegen der chronischen Schizophrenie des Angeklagten von einem minderschweren Fall aus. Er forderte eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Verteidiger Dieter Widmann erachtete eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten für angemessen. Durch die psychische Krankheit mangele es seinem Mandanten an Empathie.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. "Ich hoffe, dass wir uns hier nie wieder sehen", gab der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt dem Verurteilten mit auf dem Weg ins Gefängnis.

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