Haßfurt

Kreis Haßberge: Wie Jobbegleiterin Alexandra Böhm Flüchtlingen hilft

Das Landratsamt Haßberge und die Kolping-Bildungszentrum Schweinfurt GmbH arbeiten eng zusammen, um Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Im Bild (von links): Landrat Wilhelm Schneider, Jobbegleiterin Alexandra Böhm, Integrationslotsin Siza Zaby und Maria Kraft, Geschäftsführerin am Kolping-Bildungszentrum.
Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge | Das Landratsamt Haßberge und die Kolping-Bildungszentrum Schweinfurt GmbH arbeiten eng zusammen, um Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen.

Es erfordert die Konzentration aller Kräfte, sich in einem fremden Land eine neue Existenz aufzubauen. „Ich weiß gar nicht, wie alles sein würde, hätte ich Alexandra Böhm nicht“, sagt Eman Alkhateb, die im Februar 2017 aus Syrien in den Kreis Haßberge kam. Alexandra Böhm, von der sie gerade in den höchsten Tönen schwärmt, ist „ihre“ Jobbegleiterin. Als Mitarbeiterin des Kolping-Bildungszentrums Schweinfurt hilft Böhm seit Januar Menschen mit Migrationshintergrund, eine Stelle im Raum Haßfurt zu finden. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und für Integration, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Eman Alkhateb hat in Syrien Jura studiert und mehrere Jahre als Juristin gearbeitet. „Doch meine Zeugnisse werden in Deutschland nicht anerkannt“, sagt die 43-Jährige. Das ist auch nachvollziehbar, schließlich existiert in Syrien ein komplett anderes Rechtssystem als hierzulande. Eman Alkhateb ist bereit, in ihrer Wahlheimat etwas völlig Neues zu lernen. „Ich könnte mir gut vorstellen, mit Kindern zu arbeiten“, sagt die fünffache Mutter, die bereits gut Deutsch spricht. Mit Hilfe von Alexandra Böhm bewarb sie sich bei einer Kinderpflegeschule: „Noch habe ich keine Antwort erhalten, aber ich hoffe sehr, dass es mit der Ausbildung klappt!“

Freundlicher Umgang macht Integration leichter

Sie tue in der Tat nicht lediglich ihre Pflicht als Jobbegleiterin, bestätigt Alexandra Böhm schmunzelnd, als sie die „Lobeshymne“ von Eman Alkhateb vernimmt. Der gelernten Übersetzerin ist es ein persönliches Anliegen, denjenigen, die zu ihr kommen, umfassend zu helfen, damit der berufliche Einstieg in Deutschland klappt. Gerade Eman Alkhateb ist für sie mehr als nur eine Klientin: Das intensive Miteinander im Kolping-Projekt „Jobbegleiter“ fühlt sich, auch bei all dem professionellen Input, wie eine Freundschaft an. Das wiederum erleichtert es der syrischen Rechtsanwältin ungemein, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren.

Nicht nur Eman Alkhateb interessiert sich sehr für eine Ausbildung in Deutschland, obwohl sie schon über 40 ist. Eine andere Projektteilnehmerin aus Afghanistan will ebenfalls eine Lehre beginnen. Die Frau hatte in ihrem Heimatland Englisch studiert. „Ihr Herzenswunsch ist es, hier eine Ausbildung zur Friseurin zu absolvieren“, sagt Böhm. Die studierte Anglistin brächte gewisse Vorerfahrungen mit, habe sie doch in Afghanistan mehrere Frisierkurse besucht: „Nun möchte sie den Beruf intensiv kennen lernen.“ Noch hat die Frau keinen Ausbildungsplatz. Damit sie die Zeit bis zum Lehrbeginn gut überbrücken kann, sucht Böhm für sie einen Praktikumsplatz im Friseursalon und vermittelt ihr einen Job als Schulbegleiterin.

Selbst ein Minijob ist besser als gar nichts, und so streckt Alexandra Böhm stets nach allen Seiten ihre Fühler aus. Im Moment hat sie es mit einem besonders kniffeligen Fall zu tun: Ein gesundheitlich stark angeschlagener Mann, der aufgrund seiner Erkrankung große Angst hat, sich mit Corona zu infizieren, sucht für wenige Stunden in der Woche eine Arbeit. „Der Mann war in Syrien erst in einer Autowerkstatt und später selbstständig als Busfahrer tätig“, schildert Böhm. Für ihn fand die Jobbegleiterin eine Putzstelle bei einem Busunternehmen: „Dorthin hatte ich schon mal eine Frau vermittelt, die inzwischen Busfahrerin ist.“

Mit dem Projekt wurde eine Lücke geschlossen

Alexandra Böhm kann sich sehr gut in ihre Klienten hineindenken, denn sie selbst lebte viele Jahre in Spanien. Auch sie war damals in der Situation gewesen, sich völlig neu orientieren zu müssen. In ihrer Funktion als Jobbegleiterin arbeitet sie mit der Caritas, dem Roten Kreuz und dem Jobcenter in Haßfurt zusammen. Besonders intensiv ist die Kooperation mit dem Landratsamt – und dort vor allem mit Integrationslotsin Siza Zaby.

Für Siza Zaby wiederum ist der Kontakt zu Alexandra Böhm nach nur zwei Monaten bereits unersetzbar: „Das Kolping-Bildungszentrum schloss mit seinem neuen Projekt eine echte Lücke.“ Sie, wie auch zahlreiche Ehrenamtliche, kümmerten sich äußerst engagiert darum, Geflüchtete in deren neuen Alltag zu unterstützen. Komme es dann aber zu der diffizilen und mitunter langwierigen Jobsuche, sei es gut, wenn sie hier auf niederschwellige, professionelle Unterstützung verweisen könnten.

Es sei sehr schwierig, in einem fremden Land noch mal von vorn anzufangen, bestätigt Zaby, die selbst aus Syrien stammt und durch eine Heirat vor über 30 Jahren in den Landkreis Haßberge kam. Vor allem die Jobsuche könne äußerst zermürbend sein – gar jetzt in den Corona-Zeiten: „Manche Neuzugewanderten sind deshalb psychisch am Ende.“ Schlimm sei, dass einige Geflüchtete, die einen Job ergattert hatten, durch die Pandemie neuerlich erwerbslos wurden. Für all diese Menschen stelle Alexandra Böhm aufgrund ihrer engagierten Arbeit einen Lichtblick dar.

Berät Alexandra Böhm, guckt sie nicht auf die Uhr und macht sofort Schluss, wenn die anvisierte Zeit um ist. „Sie hat so viel Geduld“, schwärmt Eman Alkhateb. Ohne diese Geduld würde es aber auch nicht möglich sein, die Menschen langfristig in Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln. Jeder Klient ist völlig unterschiedlich, es gibt kein Schema F in der Vermittlungsarbeit. Da sind zum Beispiel jene Männer und Frauen, die, wie Eman Alkhateb, ein Studium absolviert haben. Böhm: „Andere gingen höchstens sechs Jahre zur Schule.“ Ohne, dass sich daran eine Ausbildung angeschossen hätte: „Sie jobbten hinterher zum Beispiel beim Bruder in der Werkstatt.“

Nachdem man sich derzeit möglichst nicht vor Ort informieren und beraten lassen sollte, bietet Böhm Beratungen über das Handy an. Das funktioniert auch gut. Wer mag, kann sich mit ihr zu einer Videokonferenz treffen. Eman Alkhateb nutzt das rege. Eben erst chatteten die beiden Frauen wieder länger miteinander. Sie wollen nochmal bei der Kinderpflegeschule nachhaken.

Alexandra Böhm hält derzeit vorwiegend über Videochat Kontakt zu ihren Klientinnen und Klienten, die sie auf dem Weg in einen Job begleitet.
Foto: Pat Christ/Kolping-Bildungszentrum | Alexandra Böhm hält derzeit vorwiegend über Videochat Kontakt zu ihren Klientinnen und Klienten, die sie auf dem Weg in einen Job begleitet.
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