Kirchlauter

Energiewende am Ratstisch: Gemeinderat Kirchlauter tagte

Am Ortsausgang von Kirchlauter nach Neubrunn gibt es in der Gemeinde schon seit einigen Jahren eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.
Foto: Günther Geiling | Am Ortsausgang von Kirchlauter nach Neubrunn gibt es in der Gemeinde schon seit einigen Jahren eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.

„Unser Ziel ist es, mindestens 20 Bürgerbeteiligungsanlagen mit einer Gesamtleistung von 200 MWp im Landkreis Haßberge zu errichten, über die BEG zu betreiben und damit die Energiewende zu erreichen.“ Dies betonte der Geschäftsführer der „Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekt“ (GUT) im Landkreis Haßberge, Marco Siller, bei der Präsentation zur „Energiewende im Landkreis Haßberge“ vor dem Gemeinderat Kirchlauter.

Marco Siller zeigte auf, dass in diesem Bereich derzeit viele Unternehmen unterwegs seien und nun auch Druck aufgekommen sei, weil man in benachteiligten Regionen auf Ackerflächen Photovoltaikanlagen bauen könne. Demnach wäre es derzeit in 23 der 26 Gemeinden möglich, Photovoltaik auf Freiflächen zu errichten. Damit könne man die Stromwende in den Griff bekommen, aber man benötige hierbei für je zehn MWp (Megawatt Peak) auch zehn Hektar pro Gemeinde.

Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen verlieren

Im Landkreis gebe es eine Gemeinde, in der die Wunschflächen insgesamt 100 Hektar ausmachen, weil dafür auch das fünffache an Pacht bezahlt würde. Man müsse dabei aber auch bedenken, was das mit einer Landschaft mache, wenn eine so große Menge oder so eine Fläche installiert würde. Es gelte nämlich, Sichtlinien von Ortschaften zu berücksichtigen und die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Auge zu verlieren, ob zum Beispiel eine 20-KV-Leitung in der Nähe sei. 

Laut einem Energienutzungsplan liegt der Gesamtverbrauch im Landkreis bei rund 425 900 MWh und verteilt sich auf die Haushalte mit 151 830 MWh/Jahr, Kommunen (14 410 MWh), Landkreis (3990 MWh) und Gewerbe/Handwerk und Dienstleistungen mit 255 690 MWh. Dazu komme noch der Wärmeverbrauch mit 1 041 230 MWh.

Nur über Freiflächenanlagen

Siller bezifferte den Technologiemix der Stromerzeugung auf 461 899 MWh/Jahr. Er setze sich zusammen aus der Freiflächen-Photovoltaik mit 148 658 MWh, Dach-Photovoltaik mit 96 925 MWh, Wind 126 500 MWh und der Biomasse mit 89 618 MWh.

Bisher habe man bei der Photovoltaik 200 MWp installierte Leistung und wenn man über Photovoltaik die Energiewende in zehn Jahren erreichen wollle, gehe dies nur über Freiflächenanlagen. Ziel wäre es, hier zehn MWp an installierter Leistung pro Gemeinde zu erreichen, was jeweils zehn Hektar Landverbrauch bedeutet.

Bei der Windenergie könne man von 100 MW installierter Leistung ausgehen. Es wären aber noch 75 MW zusätzlich zu Sailershausen im Kreis nötig. Das würde 15 mal Fünf-MW-Anlagen bedeuten oder drei Standorte mit je fünf Windrädern. Ziel wäre es hier, die bestehenden Standorte im Regionalplan zu überprüfen, um die ausgewählten Windstandorte verfügbar zu machen.

Langsam anfangen, Bürger mitnehmen

Siller sah es als wichtig an, langsam anzufangen und die Bürger mitzunehmen. Die Steigerung der erzeugten Energie um 20 MW pro Jahr sah er als realistisch an. Ebenso brauche man ein Zusammenspiel zwischen der GUT und der BürgerEnergieGenossenschaft. Es gelte Betreibermodelle festzulegen, ob eine Kommune das im Eigenbetrieb vornehme oder auch eine Bürgeranlage in Betracht gezogen werde.

Für die Gemeinde Kirchlauter zeigte er die Möglichkeiten von Photovoltaik auf kommunalen Liegenschaften auf. Beim Oskar-Kandler-Zentrum könnte dies eine 67 kWp-Anlage sein mit einem Eigenverbrauch von acht Prozent. Den Überschuss bezifferte er nach 20 Jahren auf 50 000 Euro. Bei der Grundschule mit einem 79,4 kWp-Anlage und einem Eigenverbrauch von sechs Prozent bedeute dies nach 20 Jahren einen Überschuss von 20 000 Euro.

Aus dem Gemeinderat gab es viele Nachfragen. Steffen Kandler sprach die Pflege der Freiflächenanlagen an, wozu man Schäfer beauftragen könnte. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass der Boden bei Nichtbearbeitung versiegle und bei Starkregen Probleme auftauchten.

Kirchweihen fallen aus, Alternativen sind möglich

Uwe Derra sprach sich grundsätzlich für die Energiewende aus. Es werde auch immer wieder von Bürgerbeteiligung gesprochen, aber man höre hier nicht so viel, ob es sich rechne. „Der Bürger will auch ein positives Zeichen und er beteiligt sich nur, wenn er dafür auch etwas bekommt“. Marco Siller konnte sich ein Szenarium für ein Bürgermodell vorstellen, dass bei der Photovoltaik bei drei bis vier Prozent liege. Ein Blick wurde auch auf Neubaugebiete geworfen, ob man hier bestimmte Energiemöglichkeiten einplanen könnte. Marco Siller äußerte abschließend den Wunsch, dass sich in der Gemeinde eine Gruppe von Bürgern finde, die alle Möglichkeiten eruiere, die in der Gemeinde ins Auge gefasst werden könnten.

Hinsichtlich der Corona-Pandemie informierte Bürgermeister Karl-Heinz Kandler, dass die Kirchweihen in diesem Jahr ausfielen. Man wolle sich aber etwas überlegen.

Finanzielle Mittel für Staatsstraße nicht vorhanden

Peter Stretz sprach den Ausbau der Staatsstraße von der Hasenmühle nach Kirchlauter an und auch der Radweg von Kirchlauter nach Rentweinsdorf wurde zur Sprache gebracht, zumal jetzt ein anderer Bürgermeister im Amt wäre. Kandler teilte zur Staatsstraße 2281 im Lautergrund mit, dass für das Reststück bis Kirchlauter nach Aussagen des Abteilungsleiters Manfred Rott im Straßenbauamt die finanziellen Mittel nicht vorhanden seien. Im Oktober wären wieder Budget-Gespräche.

Im Zusammenhang mit dem Radweg von Kirchlauter in Richtung Rentweinsdorf sah er erheblichen Bedarf, zumal der Boom des Radfahrens deutlich zugenommen habe. Hier sollen Ende des Jahres Verkaufsverhandlungen mit den Grundstückseigentümern geführt werden und er hoffe, dass der Radweg in zwei Jahren Wirklichkeit sei.

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