Königsberg

Festlicher Kantatengottesdienst in der Marienkirche

Einen beeindruckenden Kantatengottesdienst bot die Kantorei Haßberge unter der Leitung von Matthias Göttemann in der Marienkirche.
Foto: Gerold Snater | Einen beeindruckenden Kantatengottesdienst bot die Kantorei Haßberge unter der Leitung von Matthias Göttemann in der Marienkirche.

Am Sonntag erklang in der Marienkirche in Königsberg zum ersten Mal nach langer Zeit wieder ein festlicher Kantatengottesdienst. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen die Lieder „Liebster Jesu, wir sind hier“ und „Mache dich auf, werde Licht“ von Carl Briegel, der 1626 am Marktplatz der Regiomontanusstadt im inzwischen nach ihm benannten „Briegelhaus“als Sohn eines Apothekers geboren wurde.

Wolfgang Carl Briegel, so sein vollständiger Name, gehört zu den fast vergessenen Komponisten der Barockzeit. Obwohl er ungemein leicht komponiert hat und die Zahl seiner hinterlassenen Werke sehr bedeutend ist, wird er verhältnismäßig selten aufgeführt. Alle seine Werke tragen den Stempel rascher und glücklicher Eingebung, zeigen dabei eine gewandte Handhabung des Tonsatzes und der Form und wurden ihres angenehmen Gesangs und ihrer gefälligen Art wegen zu seiner Zeit schnell und in weiten Kreisen beliebt. Heute sind sie aber teilweise in Vergessenheit geraten.

Die besondere Art der Tonsetzung Briegels konnten die zahlreichen Zuhörer, die den Weg in die Kirche trotz der immer noch herrschenden Hygienevorschriften gefunden hatten, erleben. Matthias Göttemann verstand es, zusammen mit den Instrumenten, dem Bariton Tobias Germeshausen aus Würzburg und Mitgliedern der Kantorei Haßberge die abwechslungsreichen, dynamischen Werke des Königsberger Barockkomponisten erklingen zu lassen. Aber auch mit dem „Ave verum corpis“ von Mozart und dem modernen „God be in my mind“ von John Rutter konnten die Besucher des Kantatengottesdienstes die Würde des herrlichen Königsberger Gotteshauses erleben.

Auf einige von dessen Besonderheiten ging auch Pfarrer Prof. Dr. Udo Schmoll aus Königsberg ein, der nicht nur den Gottesdienst leitete, sondern auch mit einer besonderen Predigt beeindruckte. In dieser beschäftigte er sich unter anderem mit dem Epitaph von Johann Wolfrum und seiner Familie, der an der rechten Seitenwand der Marienkirche zu sehen ist. Ursprünglich war dieses in der Friedhofskirche St. Burkhard und kam vor 100 Jahren bei der großen Renovierung hier in die Marienkirche. Und dieses Bild erinnert nicht nur an die Pest, die vor 500 Jahren hier gewütet hat, sondern zeigt übertragen auch einen Umgang mit dem Leid, wie es auch heute die gesamte Menschheit mit Corona getroffen hat.

Auch mit den Darstellungen auf dem verhältnismäßig modernen Altar der Kirche, der 1960 von Hans Heiber geschaffen wurde, auf dem Christus die Gläubigen dreimal ansieht, bei der Geburt, bei der Taufe und bei der Auferstehung, setzte er sich auseinander. Manche Betrachter mögen diese Darstellung nicht und finden ihn unpassend für eine gotische Kirche. Andere mögen ihn gerade wegen seiner „einfachen“ Art. Nach Udo Schmolls Ansicht steckt sehr viel darin. So wollten der Künstler und die damaligen Mitglieder dieser evangelischen Gemeinde, die den Altar in Auftrag gegeben haben, auch mitteilen, was Grund der Hoffnung für alle Generationen war, auch in Zeiten der Pest des Mittelalters, in allen Kriegen und auch jetzt.

Wieder einmal erlebten die Gottesdienstbesucher am Sonntag nicht nur einen außergewöhnlichen Gottesdienst, sondern auch einen musikalischen Genuss, der seine Fortsetzung mit der Krönungsmesse von Mozart im Gottesdienst am Sonntag, 4. Juli, um 10.15 Uhr in der Königsberger Marienkirche seine Fortsetzung finden wird. Aufgeführt wird diese von Mitgliedern des Oratorienchores Würzburg, Solisten und Instrumenten, unter der Leitung von Matthias Göttemann.

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