Kreis Haßberge

Frost im Weinberg: 50 Prozent Schäden im Abt-Degen-Weintal

Anfang letzter Woche setzten die Eisheiligen den Weinreben im Landkreis Haßberge mächtig zu. Den tatsächlichen Schaden sehen die Winzer aber erst in ein bis zwei Wochen.
Max Martin in seinem Weinberg nördlich von Krum: Etliche Triebe an den Rebstöcken weisen Frostschäden auf.
Max Martin in seinem Weinberg nördlich von Krum: Etliche Triebe an den Rebstöcken weisen Frostschäden auf. Foto: Matthias Lewin

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia  zogen pünktlich in der zweiten Maiwoche übers Land. Die Eisheiligen sorgten dabei vor allem zu Beginn der vergangenen Woche für frostige Temperaturen – teilweise mit schlimmen Folgen für die Landwirtschaft und vor allem die Winzer. Im Abt-Degen-Weintal hinterließen die "kalte Sophie" und ihre nicht minder frostigen Freunde reihenweise erfrorene Triebe an den Weinreben. Besonders schlimm war die Nacht von Montag auf Dienstag – verstärkt noch durch die Regenfälle. Die verhinderten, dass die Wärme im Boden nach oben abstrahlen konnte. Der Regen wurde zwar einerseits dringend benötigt, zusammen mit den frostigen Temperaturen hat er auch viel Schaden in den Weinbergen angerichtet."So schlimm wie zuletzt 2011," wie nicht nur Max Martin vom gleichnamigen Weingut in Ziegelanger feststellen musste. 

Die Hänge des Kellermeisters zwischen Ziegelanger und Steinbach hat es dabei nicht so brutal erwischt. Nur den Weißburgunder in Krum hat es gebeutelt, weiß Martin. "Hier haben alle Rebstöcke einen Frostschaden." Den kompletten Schaden könne man aber erst in zwei bis drei Wochen beziffern, weil sich viele Pflanzen wieder erholen und neue Triebe nachschieben würden. "Ich gehe aber davon aus, dass ich so 40 bis 50 Prozent Schaden im Weinberg habe." Die nördlichste seiner Anbauflächen ist zwar eigentlich gut geschützt durch den angrenzenden Wald, doch gab es "Strahlungskälte" von oben und – im Gegensatz zu den Lagen im Maintal – keinen Nebel, der wie eine Wolkendecke die tiefsten Temperaturen fern hält.

Sichtbare Schäden am Weißburgunder: Die Eisheiligen haben Blätter und Triebe erfrieren lassen.
Sichtbare Schäden am Weißburgunder: Die Eisheiligen haben Blätter und Triebe erfrieren lassen. Foto: Matthias Lewin

Martin hofft, dass nicht sämtliche Triebe kaputt sind, sondern nur vereinzelte Blätter, die möglichst neu ausgebildet werden. "Wir sind nicht ganz am Verzweifeln, haben noch etwas Hoffnung."

Dem Ziegelangerer geht es da nicht anders als seinen Kollegen in Zeil, Sand oder Oberschwappach. Bedingt durch den Klimawandel sind die Reben einige Wochen früher dran und deshalb auch empfindlicher gegen Witterungseinflüsse. Die Auswirkungen der Eisheiligen seien dadurch natürlich noch verstärkt worden, weiß Max Martin.

Roger Nüßlein aus Zeil hatte von Montag auf Dienstag eine schlaflose Nacht hinter sich. "Als Winzer schläft man nicht, wenn die Eisheiligen da sind. Vor allem nicht, wenn es auch noch eine sternenklare Nacht gibt", gibt der Vorsitzende des Weinbauverbandes Haßberge einen Einblick in seinen Gemütszustand, als er gerade seine Scheurebe begutachtet. Die treibt glücklicherweise erst später aus und weist deshalb kaum Schäden auf. Schlimmer sieht es da beim Bacchus aus, auch wenn Nüßlein den Schaden als "nicht so dramatisch" bezeichnet. Die Steillage seiner Weinberge helfe enorm gegen den Frost, "da kann die Kaltluft nach unten abfließen". Das gilt wohl für sämtliche Lagen am Abt-Degen-Steig zwischen Zeil und Steinbach, die Steilhänge haben da einen leichten Vorteil. "Ein Zehntelgrad kann aber schon den Unterschied machen, ob es einen schlimm erwischt oder ob man mit einem blauen Auge davonkommt," weiß Nüßlein aus Erfahrung.

Weinfest 2021 nicht in Gefahr

Für die Ernte gibt der Zeiler allerdings Entwarnung: "Wir werden auch für das Zeiler Weinfest 2021 wieder genügend Wein anbieten können", blickt er zumindest in Bezug auf den Rebensaft optimistisch in die Zukunft.

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3 Fragen an: Winzer Max Martin - Frostschäden am Weinberg

Auf schützende Nebelwände vom Main kann Peter Götz aus Zell am Ebersberg hingegen nicht zählen. Ihn beziehungsweise seine Weinstöcke hat der Frost daher so richtig erwischt. Sein Ortega, der in einer Senke heranwächst, ist "komplett kaputt". Auch dem Bacchus hat es stark zugesetzt, den Schaden bei den  Rotweinsorten beziffert Götz sogar auf bis zu 50 Prozent. Aber auch er ist nicht verzweifelt: "Man muss sehen, wie weit die Reben nachtreiben." Immerhin hat die Rebsorte Johanniter am Zeller Schlossberg überhaupt keinen Schaden.

"Wir leben mit und von der Natur, das ist nicht berechenbar", weiß Götz, dass Ernteausfälle in seinem Beruf einfach dazugehören. Zwar gebe es Winzer, die mit Frostschutzkerzen oder Heizstrahlern versuchen, ihre Weinberge zu schützen, "das ist für mich aber nahezu unmöglich", meint der Zeller. Pro Hektar müssten um die 400 Kerzen aufgestellt werden, der hohe Aufwand sei letztlich aber nicht rentabel. 

"Ein Zehntelgrad kann schon den Unterschied machen"
Roger Nüßlein, Winzer

In Sand hingegen setzen die Winzer schon auf Hilfsmaßnahmen gegen den Frost. Matthias Rippstein hat die Gelkerzen in seinen Weinbergen installiert, nur gebracht hat das relativ wenig, dafür war der "Schockfrost" dann wohl doch zu stark. Sein Kollege Christian Lenhard beklagt ebenfalls "sehr viele erfrorene Triebe, vor allem in den tieferen Lage des Sander Himmelbühl". Rotwein, aber auch Bacchus und hier sogar der Silvaner weisen starke Schäden auf. Der Nebenerwerbswinzer wartet wie alle Weinbauer nun gespannt auf den zweiten Austrieb.

Früher wurden Autoreifen verbrannt

Von heute kaum mehr vorstellbaren Aktionen, die Weinberge vor drohendem Frost zu schützen, kann auch Otmar Schmelzer aus Oberschwappach berichten. In alten Lehrbüchern hat er gelesen, dass früher Autoreifen und sogar Altöl in den Weinbergen verbrannt wurden. Weniger, um Wärme zu erzeugen, sondern vielmehr, um durch den Rauch eine Art künstliche Wolkendecke zu erzeugen. Diese Zeiten seien aber glücklicherweise vorbei, auch wenn ihm die Eisheiligen gewaltig zugesetzt hätten.

70 bis 80 Prozent seiner Reben habe es erwischt, da vergeht sogar dem eingefleischten Humoristen das Lachen. Er rechnet letztlich mit 50 Prozent Ernteausfall, vor allem beim Müller-Thurgau und der Domina. "Wetterextreme gab es schon immer", weiß Schmelzer. Das habe durch den Klimawandel sogar noch zugenommen, "die Eisheiligen in der letzten Woche waren aber extrem schlimm". Schmelzer wäre aber nicht der "Oti", wenn er den Eisheiligen und dem Wein nicht gleich noch ein Gedicht gewidmet hätte: "Mitn in die Hitzewelle kommt der Mamertus, viele vo der Fachwelt wiessn goernet wer des iss, und rafft die letzte Nacht die Fränkische Wengertspracht mit Eiseskälte dahin."

Trost von der Weinprinzessin

Weinprinzessin Anna-Lena Werb aus Steinbach hofft, dass die Verluste für "ihre" Winzer nicht so gravierend ausfallen wie befürchtet. "Das Wein-Jahr hat ja auch gerade erst begonnen", weiß sie, dass zwischen Zeil und Steinbach auf beiden Seiten des Mains noch vieles möglich ist und die Reben sich auch wieder erholen. Das gilt wohl auch für die beiden eigenen Weinberge, von denen eine Lage komplett erfroren sei.

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