Bamberg

Bamberger Bürgermeister legen am „Tag der Befreiung“ Kranz nieder

Zu ihrem ersten gemeinsamen öffentlichen Termin kamen die drei Bamberger Bürgermeister zur Kranzniederlegung vor den Mahntafeln auf der Unteren Brücke.
Zu ihrem ersten gemeinsamen öffentlichen Termin kamen die drei Bamberger Bürgermeister zur Kranzniederlegung vor den Mahntafeln auf der Unteren Brücke. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Gongschlag zwölf Uhr mittags läuteten die Glocken aller Bamberger Kirchen. Es war kein fröhliches Geläut wie sonst an Feiertagen. Vor allem die dunklen Töne der Domglocken mahnten vielmehr: „Nie wieder!“

Sie nahmen gleichsam auf, was zwei Stunden zuvor die drei Bürgermeister der Stadt Bamberg, Andreas Starke (SPD), Jonas Glüsenkamp (Grüne) und Wolfgang Metzner (SPD), sowie SPD-Fraktionschef Klaus Stieringer an den Mahntafeln auf der Unteren Brücke vollzogen: nämlich ein letztlich gar nicht so stilles Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren am 8. Mai 1945 und an die Opfer des Holocaust. Die „größte Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts“ nannte Oberbürgermeister Starke die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Jährliche Gedenkfeier

Aufgrund der weiterhin geltenden Corona-Beschränkungen konnte diese Veranstaltung nicht in gewohnter Weise stattfinden. Alljährlich erinnert die Stadt Bamberg auf Initiative der örtlichen SPD an den 8. Mai, stets besonders gestaltet und mit vielen Teilnehmern. Doch heuer kam es zu keiner Menschenansammlung, die die Kranzniederlegung verfolgten.

Dennoch ergriff der OB kurz das Wort. Zitierte den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der in seiner Rede 1985 den 8. Mai zwar auch als „Tag der Niederlage aus militärischer Sicht“, vor allem aber als „Tag der Befreiung“ bezeichnet hatte. „Der Tag befreite von den Nationalsozialisten, von Verfolgung, von Hunger und Tod“ ergänzte Starke. Die Stadt Bamberg wolle jedoch nicht nur erinnern, sondern auch Lehren aus jener Zeit ziehen: „Wir versprechen, dass wir nie wieder Gewalt, Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus dulden werden“, so der OB und führte die Verpflichtung an, das seit dem 23. Mai 1949 geltende Grundgesetz und insbesondere dessen Artikel 1 zu wahren: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Blumen vor Mahntafeln abgelegt

Zahlreiche Bamberger hatten zuvor schon Blumen vor die Mahntafeln gelegt. Ein großes Gesteck aus roten Nelken – gewidmet „Den Opfern des Faschismus“ – stammte vom VVN/BdA-Bamberg. OB Starke und Klaus Stieringer richteten symbolisch die Schleifen an „ihren“ Kränzen, vor denen Kerzen brannten. Einen Moment verharrten die drei Bürgermeister und der Fraktionschef im Schweigen. Gedachten der 1992 Soldaten aus der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fielen, der Hunderte Männer, Frauen und Kinder, die durch Bombenangriffe auf Bamberg ums Leben kamen, der 1642 Vermissten, der jüdischen Mitbürger und aller, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Widerstand geleistet haben, missachtet, verfolgt und ermordet wurden.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bamberg
  • Marion Krüger-Hundrup
  • Andreas Starke
  • Antisemitismus
  • Faschismus
  • Gedenkfeiern
  • Holocaust
  • Klaus Stieringer
  • Nationalismus
  • Nationalsozialisten
  • Richard von Weizsäcker
  • SPD
  • SPD-Fraktionschefs
  • Stadt Bamberg
  • Städte
  • Tote
  • Totengedenken
  • Wolfgang Metzner
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!