Haßfurt

Gegen den ökonomischen Wahnsinn

Der DGB-Kreisverband Haßberge bei der Maikundgebung auf den Gogerwiesen in Sand. Im Bild die Vorstandschaft des Kreisverbandes (hinten von links): Stadt- und Kreisrat Jürgen Hennemann, Festredner Thomas Höhn, Helmut Buld, Reiner Greich, (vorne von links) Leo Lunz, Rosl Pflaum, Sabine Schmidt, Willi Schütz, Thomas Mann sowie ÖDP-Kreisrat Rainer Baumgärtner.
Foto: Reuther | Der DGB-Kreisverband Haßberge bei der Maikundgebung auf den Gogerwiesen in Sand. Im Bild die Vorstandschaft des Kreisverbandes (hinten von links): Stadt- und Kreisrat Jürgen Hennemann, Festredner Thomas Höhn, Helmut ...

„Das ist unser Tag, an dem wir die Würde der Arbeiter feiern“, mit diesen Worten richtete sich Thomas Höhn an die Zuhörer bei der DGB-Maikundgebung im Biergarten „Gogerwiesen“ in Sand am Main. Die Mairede des Gewerkschaftssekretärs der IG Metall Schweinfurt stand unter dem Motto „Gute Arbeit, Sichere Renten, Soziales Europa“.

DGB-Kreisvorsitzender Reiner Greich hob die Wichtigkeit der Veranstaltung hervor: „Die Gewerkschaften zeigen, dass durch Mitbestimmung und Tarifpolitik die Wichtigkeit der arbeitenden Menschen verbessert werden könne“. Hinter dem diesjährigen Motto stecken klare Ansagen: „Der gesetzliche Mindestlohn, flexible Übergänge in die Rente und die europaweite Angleichung der Sozialgesetze“.

Sands Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) erklärte in seinen Grußworten, dass es der 1. Mai verdient hätte, bei den Beschäftigten noch stärker ins Bewusstsein zu rücken. Als kommunaler Arbeitgeber ging er auf die Situation der Erzieherinnen ein, die eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft zu übernehmen haben. „Es ist schwierig, qualifiziertes Personal zu finden, vor allem fehlt es an männlichen Erziehern“, sagte Ruß. Denn mit einer Dreiviertel-Stelle könne man keine Familie ernähren, viele Erzieher seien aber nur in Teilzeit beschäftigt, so Ruß. Seit Jahren kämpft Sands Bürgermeister und stellvertretender Landrat für dieses Thema, das alle Kommunen betrifft.

Festredner Thomas Höhn sprach von einer Spaltung des Arbeitsmarktes, die immer mehr voranschreitet: „Zur Würde der Arbeit gehört ein gutes, sicheres Einkommen“, lautete deshalb seine Forderung. Die Zahl von fünf Millionen Menschen, die unter einem Mindestlohn von 8,50 Euro arbeiten, ist für Höhn erschreckend. Dies habe dramatische Folgen, die zu einem ungerechten „ökonomischen Wahnsinn“ führten. Seine Forderung sei ein Mindestlohn ohne „Wenn und Aber“. Der Gewerkschaftssekretär ging auch auf die Leiharbeit ein, mit momentan knapp einer Million Beschäftigter. Als Funktionär zeigte er sich stolz, dass die Gewerkschaften dieses Thema aufgebrochen haben, um für diese Menschen zu kämpfen. Den Werksvertrag bezeichnete Höhn als „weitere Baustelle“, der seiner Meinung nach als Form der Ausbeutung ein neues Schlupfloch ist.

Gut, flexibel und gesund in Rente gehen war ein weiterer Schwerpunkt bei der Kundgebung. Dieses Thema wird laut Höhn eine große Rolle im Wahlkampf spielen, da es mehr bewegt als viele andere Themen, es brenne regelrecht unter den Nägeln. „Wir werden verarscht an allen Ecken und Enden“, monierte der Festredner, nachdem er eigene Studien der IG-Metall vorgelegt hatte. Laut Ergebnis der Studie sei es mit Blick auf den Lohnzettel gar nicht möglich, früher in Rente zu gehen. Die Behauptung, dass die Rente mit 67 eine gute Sache sei, sei schlicht weg eine Frechheit, wie Höhn unterstrich, wofür seiner Meinung nach die Regierung am Ende des Wahljahres die Quittung bekommen wird.

Auch die Erwerbsminderungsrente sprach der Redner an, von der momentan 20 Prozent der Rentner betroffen sind. „Die Idee von einem sozialen Europa ist noch nicht fest verankert“, gab der Gewerkschaftssekretär zum Thema für ein soziales Europa zu bedenken. Seiner Meinung nach ist jeder gefordert, an dem gemeinsamen Projekt mitzuwirken. Höhn hätte noch keinen gehört, der einen „Masterplan“ dafür in der Tasche habe. Zur Definition eines sozialen Europas sei die Frage wichtig, wie könnte die jeweilige Staatenbildung aussehen. Die massive Jugendarbeitslosigkeit, die Bevölkerungsarmut, die Sicherstellung der Bankenlandschaft würde sich dabei jedenfalls störend auswirken.

Die Bundesregierung prangerte Höhn an, weil sie „ungestraft halb Südeuropa in Sippenhaft nimmt“. Bei dem EU-Modell stehe nicht der soziale Aspekt, sondern die Ökonomie im Vordergrund, bei der Deutschland am meisten profitieren würde. Als Gewerkschaftsfunktionär sei sich Thomas Höhn abschließend sicher, nicht alle Fragen bei der Maikundgebung klären zu können. Auch wenn nicht alle „Rezepte“ umsetzbar wären, so sei es doch Ziel der Gewerkschaften, Ideen vorzustellen, die am Tag der Arbeit als Familienfest im Biergarten „Gogerwiesen“ in Sand am Main als klare Botschaft herübergekommen ist.

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