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Gericht bestätigt: Frau darf maximal 60 Katzen halten

Den Liebling richtig absichern: Wann sich Tier-Versicherungen loh       -  Katzen sind prinzipiell keine Gruppentiere. Dies sah auch das Gericht so.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa | Katzen sind prinzipiell keine Gruppentiere. Dies sah auch das Gericht so.

Eine Katzenhalterin aus der Gemeinde Sulzdorf an der Lederhecke (Lkr. Rhön-Grabfeld) ist vor dem Verwaltungsgericht Würzburg mit einer Klage gegen das Landratsamt Rhön-Grabfeld gescheitert.

Die Behörde gesteht ihr zu, maximal 60 Katzen auf ihrem Anwesen zu halten. Die Frau hat aktuell 92 – und hätte am liebsten noch mehr Tiere bei sich. Das Pikante an der Geschichte ist: Die Frau Anfang 50 ist wegen Tierquälerei zweifach vorbestraft. Bereits im März 2011 war sie vom Amtsgericht Haßfurt verurteilt worden, weil sie 141 Katzen unter katastrophalen Umständen gehalten hatte.

Deutliche Reduzierung ist gerechtfertigt

Vorsitzender Richter Gerhard Weimann äußerte während der Verhandlung Ende Juli in Würzburg „nicht die geringsten Bedenken“ an den Auflagen, die das Landratsamt in Bad Neustadt der Frau gemacht hat. „Aus unserer Sicht ist eine deutliche Reduzierung unter 60 Katzen gerechtfertigt“, sagte der Richter. Er stellt fest: Selbst ein komplettes Haltungsverbot hätte die Kreisbehörde in Erwägung ziehen können.

Als Mieterin des Anwesens in einem Sulzdorfer Ortsteil sei die Klägerin letztlich für alle dort gehaltenen Katzen verantwortlich, entkräftete er das von der Klägerin und deren Anwalt vorgebrachte Argument, dass 35 der 92 Katzen zwei mit ihr im Haus wohnenden Untermietern gehören würden.

Vor Gericht hatte Reiner Kortmann, der Leiter des Veterinäramts des Landkreises Rhön-Grabfeld, erläutert, weshalb eine Katzenhaltung, wie er und seine Mitarbeiter sie bei der Klägerin erleben, nicht artgerecht ist. Katzen seien prinzipiell keine Rudeltiere. Werden sie dennoch in größeren Gruppen gehalten, bräuchten sie unbedingt geeignete Rückzugsräume.

Widerspruch gegen Bescheid eingelegt

Zudem sei eine bestimmte Anzahl von Futternäpfen, Wassertrögen und Katzentoiletten vorgeschrieben. Das Landratsamt hatte der Katzenhalterin die einschlägigen Vorschriften in ihrem Bescheid vom Oktober 2014, gegen den diese Widerspruch eingelegt hatte, einzeln aufgelistet.

Diese Haltungsvorschriften spielten vor Gericht eine untergeordnete Rolle, weil die Klägerin diese weitgehend akzeptierte. Sie und ihr Anwalt belegten mit Fotos auch umfangreiche Maßnahmen, die die Situation der Katzen, denen in zwei Gebäudeteilen 350 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stünden, in letzter Zeit verbessert hätten. Rechnungskopien wiesen zudem Ausgaben von gut 23 000 Euro für Tierarzt- und Futterkosten aus – alle aus diesem Jahr.

Es wurde vor Gericht durchaus deutlich: Die Klägerin kümmert sich um ihre Tiere, die ihr offensichtlich sehr am Herzen liegen. Auch ein Tierarzt, der die Katzen in seiner Praxis behandelt, hat bei diesen kaum Bissverletzungen und keine Verhaltensstörungen festgestellt. Eigenen Angaben nach hat die Frau auch gezielt alte und kranke Katzen gepflegt und, wie sie meint, „Tierschutzarbeit“ geleistet.

Nichtsdestotrotz hat das, was die Katzenhalterin betreibt, mit Tierschutz und artgerechter Haltung, wie sie von Veterinären mehrheitlich verstanden wird, nur bedingt zu tun.

Bedenkliche Vorgeschichte

Dies machten zumindest die Vertreter der Fachbehörde vor Gericht deutlich – einer Ansicht, der das Gericht folgte. Nicht zuletzt deshalb, weil es die Vorgeschichte der Frau als bedenklich einstufte.

Auffällig gegenüber den Behörden wurde diese bereits im Jahr 2010. Damals hatte das Landratsamt Haßberge ihr per Bescheid untersagt, mehr als 20 Katzen auf ihrem Anwesen in einer Ortschaft im Steigerwald zu halten. Bei einer Durchsuchung mit Hilfe der Polizei waren dort zuvor 153 Katzen festgestellt worden. Ein klarer Verstoß gegen eine Erlaubnis der Kreisbehörde aus dem Jahr 2006, wonach die Frau in einem Tierheim oder einer tierheimähnlichen Einrichtung bis zu 60 Katzen halten darf.

Es folgte ein Prozess am Amtsgericht Haßfurt, wo man, wie es Verwaltungsrichter Weimann ausdrückte, wohl „Gnade vor Recht“ ergehen ließ und ein Auge zugedrückt hat: Statt eines im Raum stehenden Tierhaltungsverbots gab sich das Haßfurter Gericht damit zufrieden, die Zahl der Katzen in ihrer Obhut (erneut) auf 20 zu begrenzen. Und das, obwohl der Richter der Angeklagten, der 141 tateinheitliche Fälle von Tierquälerei vorgeworfen wurde, seinerzeit eine krankhafte Tiersammelsucht (Animal Hoarding) attestiert hat.

Weggezogen

Das Veterinäramt Haßberge sollte dies kontrollieren.

Doch die Katzenhalterin wählte den naheliegenden Ausweg fortzuziehen, in einen anderen Landkreis, fort aus dem Zuständigkeitsbereich der Behörde in Haßfurt. Sie schlug ihre Zelte in der Gemeinde Sulzdorf auf. Kontrollen des dort zuständigen Veterinäramtes in Bad Neustadt ergaben: Die Frau sammelt weiter Katzen, in erheblichem Umfang.

Im Februar 2014 wurden 81 Katzen gezählt, Ende Mai 2014 bereits 110. Daraufhin erließ das Landratsamt Rhön-Grabfeld den Bescheid, dem die Frau widersprach, weshalb jetzt in Würzburg verhandelt wurde; der Bescheid, der mit dem Urteil (das noch nicht schriftlich ausgegeben wurde) gültig ist, gesteht der Frau bis zu 60 Katzen zu. Zudem hatte die Bad Neustädter Behörde im November 2015 einen Strafbefehl wegen Tierquälerei (Geldstrafe von 60 Tagessätzen a 25 Euro) gegen sie verhängt, der seit einer Verhandlung in Bad Neustadt im März dieses Jahres rechtsgültig ist.

Bis wann die Frau die Zahl ihrer Katzen reduzieren muss, wird das Landratsamt Rhön-Grabfeld intern beraten, aber die Frist wird nicht „zu großzügig ausfallen“, kündigte Stefan Helfrich vom Landratsamt im Gericht an. Im ursprünglichen Bescheid stand eine Frist von drei Monaten.

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