Eltmann

Hand in Hand wäre viel besser

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Man muss es als Laie nicht verstehen: Das Verwaltungsgericht Würzburg hat die Klage der Gemeinde Ebelsbach gegen die Baugenehmigung abgewiesen, die das Landratsamt Haßberge der Eigentümerin des Eltmanner Rebhan-Geländes erteilt hat. Der Verwaltungsgerichtshof muss aber erst noch entscheiden, ob der Bebauungsplan für das Gelände überhaupt rechtens ist: Auch dagegen hat Ebelsbach geklagt. Bauplan, Bebauungsplan: Man muss das Baurecht nicht verstehen um zu erkennen, dass Ebelsbach und Eltmann immer noch im Clinch liegen.

Wegen der ELT-Auen. Jenem Einkaufsgebiet also, das die Eltmanner Seite so gerne auf dem Areal der alten Kistenfabrik hervorzaubern würde. Weil es Eltmann an Märkten mangelt, deren es auf Ebelsbacher Seite in Hülle und Fülle gibt. Weswegen man sich dort, nördlich des Mains, keine Laus in den Pelz setzen will. Denn die ELT-Auen liegen genau am Ortsrand von Ebelsbach. Die Gemeinde sah kürzlich wie der sichere Sieger aus, weil Aldi nicht die Seiten wechselt, sondern auf Ebelsbacher Gemarkung neu baut. Den ELT-Auen fehlt jetzt ein Standbein, Aldi wollte hier zusammen mit Edeka tätig werden. Eltmann dürfte aber durch das jüngste Gerichtsurteil aufgeholt, wenn nicht ausgeglichen haben: Vielleicht findet sich ein anderer Discounter – und das Einkaufsparadies wird doch noch Wirklichkeit.

Man kann beide Seiten verstehen: Ebelsbach hat sich konsequent zum Einkaufszentrum entwickelt, hat Einzugskraft weit über die Gemeindegrenze hinaus, in jedem Fall auch nach Eltmann hinein. Das möchte man sich ungern durch Konkurrenz vor der eigenen Haustüre verderben lassen. Eltmann hätte gerne bessere eigene Einkaufsmöglichkeiten für die eigene Bevölkerung. Da geht es nicht nur um die Nahversorgung, sondern wie in Ebelsbach um Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Eltmann möchte ein Stück vom Kuchen abhaben.

Aber letzten Endes zeigt das Hick-und-Hack um die ELT-Auen einen Systemfehler: die künstlich aufgebauschte Fehde zwischen Nachbarkommunen. Eltmann und Ebelsbach verstehen sich hier (und können ja auch nicht anders) als konkurrierende Standorte, obwohl sie es aus Sicht zumindest der Einkäufer nicht sind. Bürger kennen keine kommunalen Grenzen, wenn es um Konsum geht. Da wäre es jedem Ebelsbacher wurscht, ob er noch 100 Meter weiter fährt oder läuft und dann auf Eltmanner Flur einkauft. Und umgekehrt stellt sich auch schon jetzt den Eltmannern nicht die Frage, ob sie denn in die Ebelsbacher Lohwiese oder in die Straßenäcker fahren dürfen, weil dies ja Feindesland ist. Viel vernünftiger wäre es, wenn die beiden Gemeindeschwestern als gemeinsamer Einzelhandelsstandort auftreten und sich Hand in Hand weiterentwickeln würden.

Einst wird es diese Entwicklung wohl wirklich geben. Auch in der Erkenntnis, dass nicht ständig neue Gewerbe- und Einzelhandelsstandorte auf der grünen Weise entstehen können, Stichwort Flächenverbrauch. Und das alles in einem Markt, der ohnehin weitestgehend gesättigt ist, Stichwort Verdrängungswettbewerb. In vielen Bereichen, etwa bei Standesämtern und Bauhöfen, kooperieren die Kommunen schon heute. Vielleicht bedarf es auch in Sachen Einzelhandelsgebiete einer Art Gebietsreform. Nicht übergestülpt, sondern von unten.

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