Haßfurt

Landkreis Haßberge: Der Regen hat die Ernte noch nicht ganz vernichtet

Banger Blick gen Himmel. Regen gab es genug. Jetzt hoffen alle in der Landwirtschaft für die Ernte, dass es warm und trocken bleibt. Die Wintergerste hat bereits gelitten.
Landwirt Elmar Weber aus Hainert erntet mit einem Mähdrescher die überreife Wintergerste bei Hainert. Die Erntefahrzeuge hinterlassen tiefe Spuren in den Feldern.
Foto: René Ruprecht | Landwirt Elmar Weber aus Hainert erntet mit einem Mähdrescher die überreife Wintergerste bei Hainert. Die Erntefahrzeuge hinterlassen tiefe Spuren in den Feldern.

Die schweren Starkregen der letzten Tage und Wochen haben Folgen für die Getreideernte im Landkreis Haßberge. "Grundsätzlich hat der Starkregen auf das Getreide, das jetzt gedroschen werden muss, negative Auswirkungen", stellt BBV-Obmann Klaus Merkel nüchtern fest. Es bestehe die Gefahr, dass man das Getreide "gar  nicht trocken heimbekommt". Deshalb werde vielerorts die Drusch noch etwas hinausgezögert.

Betroffen sei vor allem die Wintergerste, deren Ernte gerade begonnen hat. Wie stark die Landwirtschaft der Willkür des Wetters ausgeliefert ist, erklärt Merkel am Beispiel der Korngröße beim Getreide. "In den letzten Jahren hatten wir einen hohen Kleinkornanteil wegen der anhaltenden Trockenheit - heuer wegen der Niederschläge in Verbindung mit wenig Sonne, denn die fehlt, um große Körner auszubilden."

Eine Ackerfläche mit Wintergerste zwischen Sand am Main und Zell. Zum Teil liegen die Halme aufgrund des Starkregens am Boden.
Foto: René Ruprecht | Eine Ackerfläche mit Wintergerste zwischen Sand am Main und Zell. Zum Teil liegen die Halme aufgrund des Starkregens am Boden.

Der BBV-Obmann beschreibt die Folgen, die der Starkregen nach sich gezogen hat. Ein Teil des Getreides liege auf dem Boden und könne mit dem Mähdrescher kaum geerntet werden. "Die Bestände werden grün, das heißt das Unkraut wächst durch." Das Getreide keime am Halm, das bedeute, dass die Qualität sogar für Futtergetreide minderwertig sei, "von Brotgetreide ganz zu schweigen".

Erntefahrzeuge zerstören die Böden

Dass die Niederschläge aber sogar schon für das nächste Jahr Probleme bereiten, beschreibt Merkel am Beispiel der Schäden, die auf den vom Dauerregen aufgeweichten Böden auf den Äckern durch den Einsatz der Mähdrescher verursacht würden. "Auf dem Feld sind zum Teil Spuren von einem halben Meter Tiefe entstanden." Das erschwere die Aussaat für das kommende Jahr.

Joachim Dömling vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt relativiert diese Befürchtung zwar etwas. Das sei schon zu bewerkstelligen, aber eben nur durch einen gesteigerten Aufwand an Arbeit, Zeit und Geld.

Geerntete Wintergerste wird auf einen Anhänger geladen. Im Mähdrescher sitzt Landwirt Elmar Weber aus Hainert, sein Sohn Benedikt steigt gerade auf den Mähdrescher. Die Ernte ist derzeit aufgrund der Auswirkungen des Starkregens nicht einfach.
Foto: René Ruprecht | Geerntete Wintergerste wird auf einen Anhänger geladen. Im Mähdrescher sitzt Landwirt Elmar Weber aus Hainert, sein Sohn Benedikt steigt gerade auf den Mähdrescher.

Stellt sich die Frage, was tun nach dem Katastrophenwetter? Kann die Landwirtschaft hier überhaupt Konsequenzen ziehen? "Uns bleibt nur, möglichst abwechslungsreiche Fruchtfolgen anzubauen." Dann sei wenigstens ein Teil auf der sicheren Seite. Während nämlich derzeit die Wintergerste zum Teil darniederliege, gehe es den Sorten, die später gedroschen werden wie Sojabohne, Ackerbohne und Sonnenblume, noch recht gut. Und auch die "Zuckerrübe und der Mais stehen schön saftig da".

Für jedes Wetter vorsorgen

"Da wir nicht wissen, wie das Wetter wird", so Merkel, "müssen wir uns breit aufstellen." Denn Klimawandel bedeute eben nicht nur Starkregenereignisse wie in den letzten Tagen und Wochen, sondern auch längere Trockenperioden. Eine kürzere Ausführung einer solchen wäre in den nächsten drei Wochen hilfreich, so der BBV-Obmann. Denn in dem Zeitraum werde sich entscheiden, "ob wir die Ernte gut reinbringen".

"Noch sind wir guten Mutes, aber wenn's weiter regnet, wird es problematisch."
Klaus Merkel, BBV-Obmann

Noch ist nicht alles zu spät. "Wir sind erst am Anfang der Ernte", so Merkel, "wenn es jetzt schön bleiben würde, könnte die Ernte der späteren Sorten noch ganz normal werden, Weizen und Raps sind noch ganz passabel." Er lässt allerdings keinen Zweifel: "Wenn's weiter regnet, wird es problematisch." Für die Ernte von Triticale sehe es bereits nicht gut aus, diese Sorte ist bislang am stärksten betroffen. "Noch sind wir guten Mutes", scherzt Merkel, denn als Landwirt sei er ein Daueroptimist und hoffe stets das Beste. "Abgerechnet wird immer am Schluss", weiß der BBV-Obmann, denn man habe sich ja am Anfang auch noch über den kräftigen Regen gefreut, bis, ja bis er kritisch geworden sei.

Eine Ackerfläche mit umgeknickter Wintergerste in Sand am Main.
Foto: René Ruprecht | Eine Ackerfläche mit umgeknickter Wintergerste in Sand am Main.

Joachim Dömling teilt den Wunsch des BBV-Vertreters nach schönem Wetter in den nächsten drei Wochen. "Wenn es zwischendurch mal regnet, ist das keine Katastrophe", schränkt er ein. Welches Fazit zieht der Behördenvertreter aus dem Unwetter? "Jeder Landwirt versucht nun, seine Flächen klimawandelfest zu machen", mit standfesten Sorten und Abständen zwischen den Pflanzen, um dem Wasser die Möglichkeit des Versickern zu geben. "Wenn allerdings 80 bis 100 Zentimeter Niederschläge pro Quadratmeter in kurzer Zeit herunterkommen, stößt man an seine Grenzen. Es lässt sich halt auch nicht alles verhindern."

"Drücken wir die Daumen, dass die nächsten drei Wochen warm und trocken werden."
Joachim Dömling, Amt für Landwirtschaft

Alle in der Landwirtschaft Tätigen denken nach, so Dömling, nehmen solche Katastrophen "nicht einfach hin". Die Kunst liege darin, "diese Klimawandeltauglichkeit hinzukriegen, egal ob das Jahr trocken ist oder nass mit Starkregen". In einem geht der Vertreter des Landwirtschaftsamtes hundertprozentig d'accord mit dem Bauern-Funktionär: "Drücken wir die Daumen, dass die nächsten drei Wochen warm und trocken werden." Es wäre schade, wenn die derzeit durchaus zur Hoffnung Anlass gebenden Bestände doch noch vom Wetter zunichte gemacht würden.

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