Haßfurt

Haßbergkreis: "Arbeitslosigkeit" frustriert die Sternsinger

Das wird es heuer nicht geben: In den Häusern tragen die Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit dem Sternträger ihre Gedichte oder Lieder vor und bringen mit Weihrauch und der Aufschrift oder dem Aufkleber an der Tür den Segen für das Haus.
Foto: Günther Geiling | Das wird es heuer nicht geben: In den Häusern tragen die Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit dem Sternträger ihre Gedichte oder Lieder vor und bringen mit Weihrauch und der Aufschrift oder dem Aufkleber an ...

Normalerweise ziehen rund um „Dreikönig“ die „Sternsinger“ von Haus zu Haus, spenden den Haussegen und sammeln vor allem für arme Kinder in anderen Ländern. Nicht so aber in diesem Jahr, denn in der Corona-Pandemie gelten auch für die Sternsinger andere Regeln und müssen alternative Maßnahmekonzepte überlegt werden, die auch von der Dauer des Lockdown abhängig sind.

Für die “Sternsinger“ bedeutet der Lockdown, dass der Besuch an den Haustüren entfallen muss und damit auch viele Spendengelder verloren gehen. Diözesen und Kirchengemeinden haben gemeinsame Überlegungen angestellt, wie es doch Möglichkeiten gibt, um diesen Tag und der Aktion unter Einhaltung der Hygienebestimmungen gerecht zu werden.

Diakon Joachim Stapf von der Pfarreiengemeinschaft „Maintal/Heilige Länder“ ist der Meinung, dass der Segen deshalb nicht ausfallen müsse, sondern man könne ihn zu einem Fest für die ganze Familie machen. „Segen ist immer dort möglich, wo Menschen miteinander beten oder wo man sich etwas Gutes wünscht.“

Eine Segensfeier im Kreise der Liebsten

So könnte man sich am Dreikönigstag zum Beispiel als Familie am Mittagstisch versammeln, um ein gemeinsames Weihnachtslied zu singen und die Frohe Botschaft nach Matthäus 2,1-12 lesen. Vielleicht sei es auch möglich kurz darüber zu sprechen und seinen guten Wunsch für das neue Jahr zu formulieren und dieses mit dem Vaterunser und einem Segensgebet abzuschließen. Danach gehe die Familie zur Haustüre und schreibe den Segen 20 – C+M+B-21 mit Kreide oder klebe den Segensspruch auf die Tür, der „Christus mansionem benedicat – (Christus segne dieses Haus) bedeutet. Mit dem gemeinsamen Mittagessen werde diese Segensfeier beendet.

Segenspakete als Alternative

Aber was bleibt dann für die Sternsingeraktion, die ja bis 10. Januar nicht stattfinden darf? Hier hatte man bisher auf alternative Formen nach dem Lockdown gehofft, der aber nun aller Wahrscheinlichkeit nach verlängert werden wird. In der Pfarrei tendierte man dazu, „Segenspakete“ zusammenzustellen und sie an alle Haushalte zu verteilen. Darin sollte ein offener Brief sein, ein gesegneter Aufkleber, ein Info-Flyer und ein Spendentütchen für die Sternsingeraktion.

Segenstütchen, die sich die Gläubigen in der Kirche mitnehmen können wie hier in der Pfarrei St. Martin in Uffenheim, sind vielerorten die Alternative zum Besuch der Sternsinger. 
Foto: Pfarrei St. Martin Uffenheim | Segenstütchen, die sich die Gläubigen in der Kirche mitnehmen können wie hier in der Pfarrei St. Martin in Uffenheim, sind vielerorten die Alternative zum Besuch der Sternsinger. 

Ob dies von den Sternsingern dann an die Türen gebracht wird oder die Sternsinger in diesem Jahr völlig „arbeitslos“ bleiben, ist noch dahingestellt. Viele Sternsinger sind enttäuscht, weil sie sich nicht auf den Weg machen dürfen. „Es war schön in unseren Kleidern von Haus zu Haus zu ziehen und unsere Gedichte vorzutragen. Die Leute waren dabei immer so froh, lächelten uns an und haben sich bedankt, wenn wir ihnen auch den Segen für ihr Haus gebracht haben“, meint Nicolas, der im vorigen Jahr in die Rolle des Balthasar geschlüpft war und den Weihrauch in der Hand trug.

Armen Kindern wird das Geld fehlen

Amelie konnte noch ihr Gedicht vom Melchior mit den Worten „der Sohn verließ das Himmelszelt und kam in unsere arme Welt. Wir ziehen heute von Haus zu Haus und rufen seine Botschaft aus.“ Sie fand es schön, mit anderen Ministranten unterwegs zu sein und dafür zu sorgen, „dass diese Tradition nicht vergessen wird, an die Geburtsgeschichte erinnert und den Leuten das Licht gebracht wird. Ich bin enttäuscht, dass dies nicht stattfindet und damit auch vielen armen Kindern die Spenden und das Geld fehlen wird.“

Da die Sternsinger sich nicht als „Drei-Könige“ verkleiden, ist auch eine andere Diskussion in den Hintergrund gerückt, bei der mit dem „schwarzen König“ in der Krippe vor einiger Zeit eine Rassismus-Debatte entfacht worden war und Kirchengemeinden König Melchior sogar aus ihrer Krippe verbannten. Dabei stehen doch die Weisen ganz sicherlich dafür, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Völkern Christus verehren.

Gemeindereferentin Isabella Friedrich aus Eltmann verbindet mit dem Dreikönigstag die schönsten Weihnachtserinnerungen aus ihrer Kindheit. „In bunten orientalischen Gewändern führten uns die Heiligen Drei Könige die Vielfalt der Menschheit weltweit vor Augen. Wertungen oder Vorurteile kannten wir damals nicht. Auch heute sind die Heiligen Drei Könige für mich ein treffender Spiegel unserer Gesellschaft, zu deren Vielfalt und Buntheit jeder einzelne Mensch einzig durch seine Persönlichkeit zählt.“

Dürfen nur Menschen einer Hautfarbe Jesus verehren?

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Reinwand aus Ebelsbach, Mutter von vier Kindern, vertritt die Meinung, „dass die Drei Könige mit unterschiedlichen Hautfarben dargestellt wurden, um auch zu symbolisieren, dass Jesus von den Gebildeten und Reichen aller damals bekannten Kontinente verehrt und anerkannt wurde. Wo sind hier die Merkmale des Rassismus erfüllt? Es wäre doch viel rassistischer, dies nur Menschen einer Hautfarbe zuzubilligen, oder? Alle bringen Gaben, alle kommen am gleichen Ziel an und verehren und huldigen den neugeborenen Sohn Gottes.“

Sternsinger gehen wohl auf das Matthäus-Evangelium zurück

Die Geschichte der „Heiligen Drei Könige“ hat ihren Ursprung vermutlich im Matthäus-Evangelium. Weise, Magier und Sterndeuter sollen aus dem Osten gekommen sein, um den neugeborenen König ihre Ehre zu erweisen. Zahlreiche Legenden und Erklärungsversuche ranken sich um die „Weisen aus dem Morgenland“. So seien sie in einem Grab beigesetzt worden, das von der Hl. Helena im Jahr 326 gefunden wurde. Im Juli 1164 sollen dann die Gebeine in den Kölner Dom gelangt sein, wo sie seitdem ruhen und als Reliquien im Dreikönigsschrein verehrt werden. Jedes Jahr am 6. Januar wird der goldene Schrein im Kölner Dom geöffnet und hinter einem Gitter werden die Schädel der Heiligen Drei Könige sichtbar.

Den Brauch der Heiligen Drei Könige gab es schon seit dem 8.Jahrhundert, aber erst seit dem 16. Jahrhundert zogen die Sternsinger von Tür zu Tür, um den Menschen die Geschichte von Jesus Christus vorzusingen. Zum Dank erhielten die Kinder eine kleine Belohnung in Form von Nüssen und Äpfeln.

Bislang 1,4 Milliarden Euro an Spenden gesammelt

Seit dem Jahre 1959 gibt es die Aktion auch in Deutschland, wo sich ab 1961 auch der Bund der Katholischen Jugend beteiligte und sie vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ getragen wird. Rund 300 000 Sternsinger sind unter dem Motto „Kinder helfen Kindern“ in normalen Jahren unterwegs;  sie sammeln dabei pro Jahr rund 50 Millionen Euro an Spendengeldern. Insgesamt sind dadurch schon rund 1,4 Milliarden Euro zusammengekommen und das „Dreikönigssingen“ zählt weltweit zu der größten Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder in der Not engagieren.

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