Kreis Haßberge

Haßbergkreis: Wie die Kirchen nun ihre Gottesdienste gestalten

Das seit März geltende Gottesdienstverbot wird aufgehoben. Gläubige müssen sich allerdings für die Messen anmelden. Und strenge Schutzmaßnahmen beachten.
Nicht nur die Ritterkapelle öffnet ab kommender Woche wieder ihre Pforten für die Gläubigen. Ab Montag finden fast überall wieder Gottesdienste – wenngleich auch unter strengen Auflagen – statt.
Nicht nur die Ritterkapelle öffnet ab kommender Woche wieder ihre Pforten für die Gläubigen. Ab Montag finden fast überall wieder Gottesdienste – wenngleich auch unter strengen Auflagen – statt. Foto: René Ruprecht

Die Kirchen öffnen wieder, die ersten Gottesdienste können in Bayern wieder gefeiert werden, es sind aber einige Regeln zu beachten. So ist ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Besuchern vorgeschrieben – es sei denn es handelt sich um Angehörige, die in einem Haushalt ohnehin zusammenleben. Ebenso gilt Maskenpflicht für alle Teilnehmer. An Ein- und Ausgängen muss der geforderten Abstand möglich sein, in der Kirche sind Laufwege festzugelegen ("Einbahnwege"). Für die Einhaltung dieser Regeln sorgen Ordnungsdienste. Wallfahrten bleiben bis auf Weiteres verboten.

Und es gibt weitere Einschränkungen: Erlaubt sind zunächst nur nichteucharistische Gottesdienstformen, wie Wort-Gottes-Feiern, Andachten, Maiandachten und dergleichen. Auf die Kommunion müssen die Gläubigen aktuell noch verzichten, nachdem das Bayerische Gesundheitsministerium empfohlen hat, nach dem 4. Mai mindestens noch zwei Wochen auf die Spendung der Heiligen Kommunion zu verzichten. Ursprünglich war angedacht, bei der Kommunion eine Zange oder ähnliches zu verwenden, damit sich Priester und Gläubige nicht zu nahe kommen. Diese Idee wurde mittlerweile aber verworfen. "Mundschutz und Kommunion gehen auch nicht zusammen", kommentierte Zeils Pfarrer Michael Erhart diese Entscheidung.

Pfarrer Stephan Eschenbacher: Die Gottesdienste werden weiterhin als Live-Stream gesendet.
Pfarrer Stephan Eschenbacher: Die Gottesdienste werden weiterhin als Live-Stream gesendet. Foto: Wolfgang Sandler

"Erwartungsgemäß hat diese Entscheidung die Wogen hochschlagen lassen. Auf der einen Seite wird mit Unverständnis und Ablehnung reagiert bis hin zur Forderung, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Auf der anderen Seite erfährt dieses Vorgehen große Zustimmung und wird als verantwortungsvoller Schritt in die richtige Richtung gewertet", erklärte Bischof Franz Jung diese Entscheidung in einem Dekret an die Pfarreien.

Anmeldungen sind unumgänglich

Eine weitere Auflage trifft vor allem kleinere Gotteshäuser, wie die in Sailershausen, Wülflingen oder Augsfeld. "Da für Gottesdienste vorerst nur Kirchenräume geöffnet werden, in denen die Bankreihen von beiden Seiten frei zugänglich sind, fallen Kirchen, in denen die Bankreihen an einer Wand stehen, durch das Raster", bedauert Haßfurts Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher. Die Kirchen, in denen Gottesdienste stattfinden können, stehen allerdings nur einer begrenzter Anzahl von Besuchern offen. "Wer an den Gottesdiensten teilnehmen möchte, muss sich über die jeweiligen Pfarrbüros anmelden und dann auf jeden Fall eine Mund-Nase-Bedeckung mitbringen", so Eschenbacher. Auch das Gotteslob ist von den Gottesdienstbesuchern mitzubringen.

Geklärt ist mittlerweile die Frage der Beichte. Sie ist zwar möglich, der Beichtstuhl soll allerdings nicht genutzt werden. Die Beichte kann allerdings in einem separaten Raum abgenommen werden, auch wenn in Haßfurt "im Beichtstuhl am Gitter eine Folie angebracht" ist, wie Eschenbacher betont.

Live-Stream bleibt erhalten

Die Pfarreiengemeinschaften Aidhausen, Haßfurt, Hofheim und Theres, die zukünftig einen gemeinsamen pastoralen Raum bilden, haben vereinbart, dass die ersten öffentlichen Gottesdienste ab dem Wochenende 9./10. Mai stattfinden. Für diejenigen, die dann aber nicht zu den Gottesdiensten in die jeweiligen Kirchen kommen können oder wollen, bietet die katholische Pfarrei in Haßfurt auch weithin ihren Live-Stream an.

Die Regelungen umzusetzen, dafür ist jede Kirchengemeinde selbst verantwortlich. Sie muss vorab einen Plan erstellen. In diesem Plan muss auch die Anzahl der freien Plätze enthalten sein, die aufgrund des zwei-Meter-Abstands deutlich reduziert sein wird. Die freien Sitzplätze müssen entsprechend markiert werden. Und: Die Kirchentüren bleiben während des Gottesdienstes offen, damit niemand einen Türgriff berühren muss. 

Und auch beim Gesang gibt es strenge Regeln. So dürfen Chöre nicht auftreten, das gilt auch für Posaunenchöre. Erlaubt ist allerdings ein "reduzierter Gemeindegesang mit Community-Masken" heißt es in einem Schutzkonzept der bayerischen Landeskirche. Der aber darf wiederum nicht zu laut sein, weil die Masken sonst ihre Schutzwirkung verlören.  

Zwei Gottesdienste im Grünen

Ins Freie weicht die evangelische Kirchengemeinde Haßfurt aus. Pfarrerin Sabine Hopperdietzel hat "ihre" Christuskirche mit dem Metermaß vermessen. "Mit zwei Metern Sicherheitsabstand passen nur 26 Besucher in die Kirche", hat die Seelsorgerin ausgerechnet. Kämen mehr zur Andacht, müssten etliche Gläubige wieder nach Hause geschickt werden. "Und genau das wollen wir vermeiden", so Hopperdietzel. Der Kirchenvorstand hat sich deshalb darauf verständigt, in der Kirche aktuell keinen Gottesdienste abzuhalten. Dafür wird es aber an Christi Himmelfahrt (21. Mai) sowie am Pfingstsonntag Gottesdienste im Pfarrgarten geben. "Hier können wir mit 50 Personen feiern und müssen niemanden wieder wegschicken", berichtet Hopperdietzel.

Pfarrerin Sabine Hopperdietzel hält an Christi Himmelfahrt und am Pfingstwochenende Andachten im Pfarrgarten ab.
Pfarrerin Sabine Hopperdietzel hält an Christi Himmelfahrt und am Pfingstwochenende Andachten im Pfarrgarten ab. Foto: Dr.Hartmut Hopperdietzel

Aber auch im Pfarrgarten gelten strenge Regeln: Der Mindestabstand beträgt 1,5 Meter, alle Besucher haben eine Maskenpflicht, ein "Kreuzungsverkehr" der Teilnehmer muss verhindert werden. Darum wird sich ein Ordnungsdienst kümmern, der ebenfalls Teil des erstellten Sicherheitskonzeptes ist.

"Ein Gottesdienst ohne gemeinsames Singen ist für mich nur schwer vorstellbar."
Sabine Hopperdietzel, evangelische Pfarrerin Haßfurt

"Die regelmäßigen Sonntag-Gottesdienste werden aber weiterhin per Video auf Youtube übertragen", weist die Seelsorgerin auf die Alternative im Internet hin. Der entsprechende Link ist auf der Homepage der Pfarrei zu finden. Auf einen Live-Stream verzichtet die evangelische Kirche in Haßfurt.

Die Christuskirche in Haßfurt bleibt vorerst noch geschlossen. Evangelische Gottesdienste gibt es im Mai nur online, an Christi Himmelfahrt und Pfingstsonntag sind Freiluft-Gottesdienste im Pfarrgarten geplant.
Die Christuskirche in Haßfurt bleibt vorerst noch geschlossen. Evangelische Gottesdienste gibt es im Mai nur online, an Christi Himmelfahrt und Pfingstsonntag sind Freiluft-Gottesdienste im Pfarrgarten geplant. Foto: Martin Sage

Die schwerwiegenstete Einschränkung sieht Hopperdietzel im Verzicht auf den Gesang. "Ein Gottesdienst ohne gemeinsames Singen ist für mich nur schwer vorstellbar", meint die evangelische Pfarrerin.

Andacht am Käppele

Die Pfarreiengemeinschaft Am Weinstock Jesu (Zeil, Sand, Krum, Ziegelanger) bietet am dem kommenden Wochenende Gottesdienste im Kirchenraum zunächst in Zeil und Sand an, auch hier sind vorherige Anmeldungen unumgänglich. "Gläubigen, die einer Risikogruppe angehören, empfehlen wir die Mitfeier der Fernseh- und Rundfunkgottesdienste und das private Gebet. Wenn Sie einen Besuch wünschen, kommen wir gerne," bietet Pfarrer Michael Erhart an. 

Hofft auf weitere Lockerungen: Zeils Pfarrer Michael Erhart.
Hofft auf weitere Lockerungen: Zeils Pfarrer Michael Erhart. Foto: Christian Licha

Die Pfarreiengemeinschaft plant zudem, Andachten in Krum und am Käppele am Freialtar abzuhalten. Wie auch in Haßfurt, dürften hier nur höchstens 50 Personen mit entsprechendem Abstand teilnehmen. Um dabei zu sein, ist auch hier eine Anmeldung erforderlich, außerdem wird empfohlen, eine Sitzgelegenheit mitzubringen. "Die gottesdienstlichen Feiern können nur stattfinden, wenn alle
Vorgaben eingehalten werden können," appelliert Erhart an die Gläubigen, Mundschutz und Gotteslob zu den Gottesdiensten mitzubringen.

In Zeil hat man die Neuerungen erst einmal für die kommenden eineinhalb Wochen geplant. "Es kann ja sein, dass dann Eucharistiefeiern wieder möglich sind", hofft Pfarrer Erhart auf weitere Lockerungen. Aktuell sind die Gottesdienste nämlich auch mit erheblich mehr Aufwand verbunden. So müssen die Kirchen vor und nach den Gottesdiensten desinfiziert werden. "Aber es ist gut, dass der Bischof jetzt nichts übers Knie bricht", plädiert der Zeiler Seelsorger für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität.

Knetzgau entscheidet am Montag

Die Katholiken in Knetzgau müssen noch einen Tag warten, denn Pfarrer Michael Weck wird mit seinem Seelsorgerteam erst dann beraten, wie die Vorgaben aus Würzburg in seiner Pfarrei konkret umgesetzt werden. "Sicher ist, dass wir – wie von der Diözesanleitung gewünscht – das Gottesdienstangebot nicht von heute auf morgen, sondern unter Einhaltung aller relevanten Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen erst nach und nach hochfahren werden", hat auch für Pfarrer Michael Weck der Schutz der Gottesdienstbesucher oberste Priorität.

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