Haßfurt

Haßfurt: Drogen aus Frust genommen und aus Geldnot verkauft

Mit 27 Gramm Amphetamin, auch als „Speed“ bekannt, wurde ein damals 19-jähriger Auszubildender aus dem Maintal am Abend des 10. Juni vor zwei Jahren in Knetzgau bei einer Polizeikontrolle auf der Straße erwischt. Das Rauschgift hat der Mann nach eigenen Angaben für nur 30 Euro ergattert – eigentlich ein Schnäppchen. Doch dies kommt den jungen Mann nun teuer zu stehen. Weil die Polizei dem Angeklagten darüber hinaus nach ihren Ermittlungen noch den Verkauf von 41 Ecstasy-Tabletten nachweisen konnte, verurteilte ihn das Jugendgericht in Haßfurt am Montag zu einer Geldauflage von 1000 Euro, zahlbar an den Jugendhilfefonds Haßberge.

41 verkaufte Ecstasy-Tabletten

Nachdem die Polizeibeamten das Amphetamin konfisziert hatten, entdeckten sie bei einer Wohnungsdurchsuchung noch neun Ecstasy-Tabletten. Bei der Auswertung der Handy-Daten des heute 21-Jährigen fanden die Ermittler außerdem heraus, dass er zuvor 41 Tabletten weiterverkauft hatte. Vor Gericht räumte der junge Mann die Vorwürfe ein, machte aber keine Angaben zu Abnehmern oder Lieferanten der Drogen.

Verteidiger Maximilian Glabasnia sagte, dass sein Mandant damals seinen Ausbildungsplatz als Elektriker wegen der Insolvenz der Ausbildungsfirma verloren habe und dadurch in ein Loch gefallen sei. Seinen Frust habe er durch Drogenkonsum bekämpfen wollen. Der Drogenhandel sollte das magere Arbeitslosengeld aufbessern. Im September 2017 habe er eine neue Ausbildung begonnen. Seitdem sei es stetig aufwärts gegangen.

Wendepunkt in der Biografie

Laut Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich ist der Angeklagte selbstkritisch mit sich ins Gericht gegangen. Seine Eltern habe das Verfahren sehr belastet. Sie hätten ihrem Sohn mit dem Rauswurf aus dem Elternhaus gedroht. Das Strafverfahren stelle nun laut Heinrich einen Wendepunkt in der Biografie des heute 21-Jährigen dar.

Ein Unbekannter ist dieser vor Gericht nämlich nicht. Im zarten Alter von 16 Jahren kam er schon einmal wegen eines Drogendelikts mit dem Gesetz in Konflikt. Und erst in diesem Jahr wurde er bereits wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt. Der Vorsitzende, Richter Martin Kober, lehnte daher eine vom Verteidiger vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens ab. Und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte ein Wochenende Jugendarrest aufgrund der „erheblichen einschlägigen Vorstrafen“.

Der Verteidiger führte dagegen ins Feld, dass das Jugendstrafrecht ein Erziehungsstrafrecht sei. Sein Mandant habe aus seinen Fehlern gelernt. „Man freut sich als Verteidiger über einen solch ordentlichen Mandanten“, meinte der Anwalt und hielt daher einen Arrest für überzogen. Eine Geldauflage plus Suchtberatung dagegen seien die angemessene Konsequenz.

Umfangreiches Geständnis

Dieser Einschätzung schloss sich letztendlich auch der vorsitzende Richter an. Er beließ es in seinem Urteilsspruch bei der Geldauflage. Ein umfangreiches Geständnis sei bei Drogendelikten eher selten, meinte Kober. Der Angeklagte habe die 41 Ecstasy-Tabletten an nur zwei Tagen verkauft. Ein Handel in solchen Mengen ziehe normalerweise einen Arrest nach sich. „Aber in den letzten zwei Jahren ist viel passiert, beziehungsweise nicht passiert“, meinte Kober. Es sei kein neuer Eintrag ins Sündenregister hinzugekommen. Stattdessen habe der 21-Jährige seine Ausbildung fortgesetzt, was dafür spreche, dass er mittlerweile „clean“ sei.

Der Verurteilte nahm das Urteil an. Die Anklagevertreterin behielt sich Rechtsmittel vor.

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