Haßfurt

Haßfurt: Hier steht jetzt Unterfrankens modernste Realschule

Nicht nur, weil Glasfaser in jedes Klassenzimmer verläuft, wird die Schule wohl zum "Wallfahrtsort" für Pädagogen werden.
Von wegen, in Haßfurt gibt es nur dort einen Marktplatz, wo die Schweinchen stehen: Auch die Realschule hat jetzt 'Marktplätze' inmitten einer jeden Jahrgangsstufe, hier bei der 'Einweihung' am Freitag.
Foto: Christian Licha | Von wegen, in Haßfurt gibt es nur dort einen Marktplatz, wo die Schweinchen stehen: Auch die Realschule hat jetzt "Marktplätze" inmitten einer jeden Jahrgangsstufe, hier bei der "Einweihung" am Freitag.

"Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule", sagte Landrat Wilhelm Schneider am Freitag bei einem Pressetermin anlässlich der Fertigstellung der neuen Räume. Im kleine Kreis stellte Schulleiter Hartmut Hopperdietzel bei einem Rundgang das Konzept vor, das seinesgleichen in Unterfranken sucht. Der Landrat zeigte sich sicher, dass die sanierte Realschule nun ein Wallfahrtsort für andere Schulleiter werden wird, die sich hier Inspirationen für den eigenen Umbau holen.

Die Klassenzimmer sind um Marktplätze herum angelegt

Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, insbesondere auch mit dem Ingenieurbüro Baur-Consult und Stefan Orth vom Kreishochbau, sei hervorragend gewesen, sagte Schneider. Auch Haßfurts Bürgermeister Günther Werner staunte über die perfekte Umsetzung der Ideen. Für jede Jahrgangsstufe, die farblich unterschiedlich gekennzeichnet sind, gibt es einen eigenen Bereich im ersten und zweiten Stock des Schulgebäudes.

Viel Arbeitserleicherung für die Lehrkräfte ist der neue Briefkasten, durch den die Schüler direkt an ihre Kontaktperson Unterlagen weiterleiten können.
Foto: Christian Licha | Viel Arbeitserleicherung für die Lehrkräfte ist der neue Briefkasten, durch den die Schüler direkt an ihre Kontaktperson Unterlagen weiterleiten können.

Die Klassenzimmer sind um eine sogenannte Cluster-Fläche angeordnet. Auch "Marktplatz" genannt, dient diese Cluster-Fläche, die mit Beamer, Bühnenelementen und anderen pädagogischen Hilfsmitteln ausgestattet ist, der klassenübergreifenden Zusammenarbeit, sobald diese nach Corona möglich ist. Transparente Klassenzimmer mit Durchsichtstür und Lichtleisten sowie Lehrerstützpunkte fördern das Miteinander.

Es wandern die Lehrer, nicht die Schüler

Hartmut Hopperdietzel betonte, dass durch dieses Konzept den Kindern auch ganz bewusst eine schulische Heimat gegeben wird. Jeder Schüler hat seinen festen Platz im Klassenzimmer, den er das ganze Schuljahr über behält. Die Lehrer wechseln je nach Fach die Räume. Nur für den Fachunterricht in Werken, Hauswirtschaft und Kunsterziehung müssen die Schüler die Räume im Untergeschoss aufsuchen. Gleiches gilt für den Sportunterricht in der Turnhalle oder im Freien.

Was bitteschön ist ein Angeberraum?

Auch im Erdgeschoss, in dem sich die Verwaltung und die Räume für die Lehrer befinden, herrscht viel Transparenz. In verschiedenen gläsernen Zimmern können die Lehrkräfte entweder zusammenarbeiten oder sich in besonderen Räumen in Ruhe auf den Lernstoff vorbereiten. Besonders stolz ist Hopperdietzel auf seinen "Angeberraum", wie er scherzhaft verlauten ließ. Dort wo die Technik untergebracht ist, verlaufen nämlich Glasfaserkabel zu jeder einzelnen Schulklasse, damit auch der digitale Unterricht ohne Leistungseinbußen durch das Netzwerk gewährleistet ist.

Auch von außen erscheint die Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule in neuem Glanz
Foto: Christian Licha | Auch von außen erscheint die Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule in neuem Glanz

Mit den multimedialen Schultafeln neuester Generation kann die Lehrkraft die Inhalte ihres Laptops sofort übertragen. Aber auch für die Schüler besteht die Möglichkeit, ihre Arbeitsergebnisse vom Smartphone aus an die Tafel zu übertragen. Zusätzlich gibt es für jede Jahrgangsstufe einen sogenannten Clusterwagen, in dem sich 16 "Surface Go" befinden, die in ihrer Leistung einem stationären PC nahe kommen.

Ein Briefkasten für jede Lehrkraft

Das Lehrerkollegium freut sich am meisten über den neuen Briefkasten nahe dem Lehrerzimmer, sagt Anke Männer, die der erweiterten Schulleitung angehört. Dort hat jeder Lehrer seinen eigenen Einwurfschlitz, so dass die Schüler ihre Schulaufgaben, Krankmeldungen oder ähnliches ohne viel Aufwand der zuständigen Person zukommen lassen können.

8,9 Millionen Euro hat der Umbau gekostet

8,9 Millionen Euro hat der komplexe Umbau insgesamt gekostet, weiß der Geschäftsführer des Zweckverbandes Schulzentrum, Horst Hofmann. Der Ministerialbeauftragte Karlheinz Lamprecht war vor Ort und bezeichnete die Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule Haßfurt als ein Highlight und die modernste aller 45 Realschulen, die er im Regierungsbezirk Unterfranken betreut. Mit fast zwei Drittel Förderung, nämlich 64,3 Prozent, beteiligte sich der Freistaat Bayern an dem Bau.

Nicht nur Theorie, auch Praxis wird in der Realschule vermittelt. Deshalb sind die Werkräume modern ausgestattet.
Foto: Christian Licha | Nicht nur Theorie, auch Praxis wird in der Realschule vermittelt. Deshalb sind die Werkräume modern ausgestattet.

Damit sich die momentan 594 Schüler und 49 Lehrer nun richtig wohlfühlen in ihrer neuen Schule, war gewaltige Vorarbeit notwendig. Bereits seit 2012 plante ein Team rund um die Ideengeberin und zweite Konrektorin Christine Rottmann. Bei einer Fortbildungsveranstaltung sei sie auf den Geschmack gekommen und überzeugte im Nu ihre Kollegen von dem neuen Konzept.

Schülerinnen und Schüler finden die Cluster "perfekt"

Auch die Schüler sind sehr zufrieden mit dem neuen Ambiente. Schülersprecherin Tessa Chatzilampros gab die allgemeine Stimmung unter den Kindern und Jugendlichen wieder: "Alle finden die Anordnung der Klassenzimmer im Cluster perfekt". Auch freuen sich die Schüler, dass mit den neuen Modellen der Schultafeln die digitale Wiedergabe nun wesentlich schneller funktioniert. Nicht zuletzt erfreut sich der feste Sitzplatz großer Beliebtheit unter den Jugendlichen. Nach dem momentanen Stand der Dinge ist für Mai 2021 eine offizielle Eröffnungsfeier angedacht. Das wäre für die Realschule dann ziemlich genau drei Jahre nach ihrem 50. Geburtstag.

Das Band zu den neu sanierten Räumen der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule durchschnitten (von links) Ulrike Wild (erweiterte Schulleitung), Schulleiter Dr. Hartmut Hopperdietzel, Bürgermeister Günther Werner, Landrat Wilhelm Schneider, Architekt Peter Kuhn (Baur-Consult), Ministerialbeauftragter Karlheinz Lamprecht und zweite Konrektorin Christine Rottmann.
Foto: Christian Licha | Das Band zu den neu sanierten Räumen der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule durchschnitten (von links) Ulrike Wild (erweiterte Schulleitung), Schulleiter Dr.
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