Haßfurt

Hebammen können künftig als Pflegerinnen arbeiten

Die Ankündigung des Verwaltungsrats der Haßbergkliniken, die Geburtenstation am Haus Haßfurt zum Jahresende 2018 zu schließen, hat die am Krankenhaus arbeitenden Hebammen „geschockt“. Dies sagte Annette Storkan am Dienstag im Gespräch mit dieser Redaktion.

Wie berichtet, hatte Landrat Wilhelm Schneider die bevorstehende Schließung des Kreißsaals bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag in Hofheim verkündet.Um 13 Uhr fand bereits eine Versammlung in Haßfurt statt, wo der Vorstandsvorsitzende Stephan Kolck die Hebammen informierte.

Die Schließung der Geburtenstation werde nur noch dann zurückgenommen, wenn sich in der Zwischenzeit die Rahmenbedingungen verbessern würden, sagte der Landrat. Gemeint ist damit die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Sicherstellungszuschlags, eine finanzielle Sondervereinbarungen zwischen Krankenkassen und den Krankenhäusern auf dem flachen Land, um auch dort die medizinische Basisversorgung zu erhalten.

Man hatte seitens der Hebammen gehofft, so Storkan, noch mindestens bis Ende 2019 weitermachen zu können, um Zeit zu gewinnen. Dann hätte es vielleicht noch die Chance gegeben, dass bis dorthin die Sondervereinbarung zwischen Krankenkassen und den kleinen Krankenhäusern ausgehandelt wäre. Bis Ende 2018 aber reiche die Zeit nicht mehr. „Jeder weiß doch, wie langsam alles in der großen Politik geht.“ Deswegen sei das gesamte Hebammen-Team momentan sehr niedergeschlagen. Annette Storkan: „Es macht keinen Sinn mehr.“

Im Haßfurter Kreißsaal arbeiten derzeit noch zehn Hebammen. Vier von ihnen haben befristete Verträge. Nur eine Kollegin der zehn Geburtshelferinnen hat bei den Haßbergkliniken eine 100-Prozent-Stelle, die übrigen neun Kolleginnen arbeiten nur in Teilzeit und haben alle freiberufliche, genehmigte Nebentätigkeiten.

Das Hauptproblem für die Neugeborenenstation in Haßfurt: Es kommen hier zu wenig Babys zur Welt. Zu viele Mütter entscheiden sich für Geburtsstationen an Kliniken außerhalb des Landkreises. Eine der Ursachen für die Problem der Haßfurter Geburtshilfe sei, so Landrat Schneider, dass die Mütter immer älter werden und die Schwangerschaft und Geburt daher mit einem höheren Risiko behaftet seien. Gynäkologen würden den werdenden Müttern daher raten, gleich eine Geburtsklinik aufzusuchen, bei der eine Kinderklinik angeschlossen ist, um im Fall der Fälle dem Neugeborenen schnell und kompetent helfen zu können. In Haßfurt fehle diese Kinderklinik. Die Folge: Die Zahl von 366 Geburten im Vorjahr liegt weit unter den 500 Geburten, die nötig wären, um die Geburtshilfe finanziell halten zu können.

Wie aber geht es mit den Hebammen weiter, wenn die Station geschlossen ist? Stephan Kolck habe angekündigt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. „Er hat uns Arbeitsplätze in der Pflege angeboten“, berichtet Annette Storkan, die selbst eine 25-Prozent-Stelle an der Klinik hat.

Sie persönlich, so Storkan weiter, sei „wahnsinnig enttäuscht“, dass man ihr nach 24 Jahren, wo sie mit viel Herzblut für die Kliniken gearbeitet habe, jetzt „ganz scheinheilig“ einen Arbeitsplatz in der Pflege anbiete. Damit versuche die Klinik, um eine Abfindung herumzukommen. Die Stelle als Pflegerin sei zwar geldmäßig vergleichbar wie ihre Arbeit als Hebamme. „Aber ich bin doch überhaupt nicht als Pflegerin ausgebildet“, sagt sie, „ich wäre nur eine Hilfskraft.“ Offenbar geht auch Stephan Kolck davon aus, dass nicht alle Hebammen sein Angebot zum Wechsel auf eine Pflegerinnenstelle annehmen. Hebammen hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, da es sich um einen Mangelberuf handle, sagte der Krankenhaus-Chef bei der Info-Veranstaltung am Montagabend im Pfarrheim in Hofheim.

Annette Storkan hingegen fürchtet, dass die Haßfurter Geburtenstation nun langsam ausblutet, wenn Kolleginnen auf neue Hebammen-Stellen außerhalb der Klinik wechseln. „Dann muss vielleicht noch früher geschlossen werden, weil dann zu wenige Hebammen da sind, sagt sie. „Und wer wird dann schuld sein? Wir Hebammen natürlich.“

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