Haßfurt

Hochwasser: Schafft es der Kreis Haßberge doch noch ins Hilfsprogramm?

Der Landkreis Haßberge steht nicht auf der Liste für das Soforthilfepaket des Freistaats für Flutopfer. Doch in der Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
In Zeil standen Teile der Altstadt am vorvergangenen Freitag unter Wasser. Weil im Haßbergkreis offiziell aber kein 100-jähriges Hochwasser herrschte, steht der Landkreis nicht auf der Liste für das Soforthilfepaket des Freistaats.
Foto: Christian Licha | In Zeil standen Teile der Altstadt am vorvergangenen Freitag unter Wasser. Weil im Haßbergkreis offiziell aber kein 100-jähriges Hochwasser herrschte, steht der Landkreis nicht auf der Liste für das Soforthilfepaket ...

Überflutete Straßen, mit brauner Brühe vollgelaufene Keller, Feuerwehren im Dauereinsatz. Noch bevor die schlimmen Flutkatastrophen den Westen Deutschlands heimgesucht hatten, kämpften vor knapp zwei Wochen die Menschen in einigen Ortschaften im Landkreis Haßberge gegen Wassermassen. Starkregenfälle hatten sie ausgelöst, die Schäden waren mancherorts beträchtlich. Am Dienstag hat das bayerische Kabinett nun ein Soforthilfepaket in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro für Flutopfer in acht bayerischen Landkreisen beschlossen. Allerdings: Der Haßbergkreis fehlt in der Liste.

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„Das hat mich schon irritiert“, sagt Landtagsabgeordneter Steffen Vogel am Mittwochvormittag im Gespräch mit der Redaktion. Denn: Der CSU-Kreisvorsitzende hatte schon am 12. Juli ein Schreiben mit der Bitte um Hochwasserhilfen für die Betroffenen in Ober- und Unterfranken an seinen Parteifreund Markus Söder gerichtet. Der Brief an den Ministerpräsidenten liegt der Redaktion vor. „Umso ärgerlicher, dass jetzt ein Programm aufgelegt wird, aber wir nicht dabei sind“, sagt Vogel.

Landkreis Haßberge muss mit ins Programm

Allerdings ist in der Angelegenheit das letzte Wort längst noch nicht gesprochen. Schließlich sitzt Vogel im Haushaltsausschuss des Landtags. Und der besitzt die Geldhoheit. Auch Michael Hofmann, Abgeordneter aus dem ebenfalls von Hochwasser betroffenen und in der Liste nicht bedachten Landkreis Forchheim, ist Mitglied in diesem Ausschuss. Der habe noch am Dienstagabend getagt und laut Vogel den einstimmigen Beschluss gefasst, die 50 Millionen Euro Soforthilfe zu bewilligen - allerdings unter der Auflage, dass die Landkreise Haßberge und Forchheim mit in das Programm aufgenommen werden. Am nächsten Dienstag werde das Kabinett das Thema erneut behandeln. Bis dahin heißt es nun: abwarten.

Bäche ohne Pegelmessstellen 

Dass der Haßbergkreis trotz der Überflutungen nicht in die Liste aufgenommen wurde, liegt nach Meinung des Abgeordneten an der dafür nötigen Voraussetzung: Das Umweltministerium hat nur Landkreise gewählt, in denen sich mindestens ein 100-jähriges Hochwasser ereignet hat. Vogel vermutet, dass die Pegelstände an den kleineren Bächen bei den Starkregenfällen in Haßbergkreis gar nicht erfasst wurden. An Main oder Baunach wiederum werden zwar Pegelstände gemessen, doch erreichten diese Flüsse keine hohen Meldestufen. Somit lag für den Landkreis offiziell kein 100-jähriges Hochwasser vor. 

Das Hochwasser in Zeil hat am vorvergangenen Freitag mehrere Wohnungen zerstört. Ob die Betroffenen finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, ist derzeit noch unklar.
Foto: Lukas Reinhardt | Das Hochwasser in Zeil hat am vorvergangenen Freitag mehrere Wohnungen zerstört. Ob die Betroffenen finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, ist derzeit noch unklar.

Zu den kleineren Gewässern zählt die Altach, die in Zeil für Schäden sorgte, wie sie zuletzt im Jahr 1909 dokumentiert wurden. „Das kann ja wohl nicht sein!“, war die spontane Reaktion von Bürgermeister Thomas Stadelmann auf die Nachricht, dass der Haßbergkreis bei der staatlichen Unterstützung leer ausgehen soll. Die Schäden in Zeil seien derzeit noch schwer zu beziffern. "Tatsache ist, dass viele Keller überflutet worden sind und auch in einigen Wohnungen stand das Wasser einen Meter hoch", bilanziert der SPD-Politiker und lobt Steffen Vogel dafür, dass er sich in dieser Angelegenheit stark für die Region einsetzt. Für die Bürger wäre es schon sehr enttäuschend, wenn der Landkreis tatsächlich leer ausginge. 

Jahrhundert-Hochwasser auch in Ebern

Ähnlich verhält es sich in Ebern. Denn auch am Angerbach, der dort vor knapp zwei Wochen nach extremen Niederschlägen über die Ufer trat, gibt es keine Pegelmessstelle. Für gewöhnlich plätschert das Bächlein mit einer Wassertiefe wenigen Zentimetern vor sich hin, wie Bürgermeister Jürgen Hennemann im Gespräch mit der Redaktion ausführt. Für ein 100-jähriges Hochwasser sei die Angerbach-Verrohrung ausgelegt, die 1973 gebaut wurde, erklärt der Bürgermeister. Sie habe das Wasser nicht fassen können.

Im Keller der Eberner Realschule hat die Wucht des Wassers eine Tür aus den Angeln gerissen. Für Bürgermeister Jürgen Hennemann handelte es sich eindeutig um ein Jahrhundert-Hochwasser.
Foto: Lukas Reinhardt | Im Keller der Eberner Realschule hat die Wucht des Wassers eine Tür aus den Angeln gerissen. Für Bürgermeister Jürgen Hennemann handelte es sich eindeutig um ein Jahrhundert-Hochwasser.

Der größte Schaden sei hier in der kürzlich sanierten Realschule zu verzeichnen. Die Stadt selbst beziffert ihre Schäden an Wegen und Grünanlagen auf 300 000 Euro. Wie hoch die Schäden sind, die die Betroffenen Bürger erlitten haben, kann Hennemann noch nicht sagen. In drei Häusern stand das Wasser im Erdgeschoss, in einigen anderen liefen die Keller voll. Auch Gärten wurden überflutet. "Wenn der Haßbergkreis nicht in das Programm aufgenommen würde, wäre das für die Stadt Ebern eine Belastung, aber noch mehr für die Privateigentümer", sagt der Bürgermeister. Bei solchen lokalen Starkregenereignissen dürfe es keine Zweiklassengesellschaft geben mit Kreisen, die Hilfen bekommen, und solchen, die nicht dabei sind.

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Gar für ein 1000-jähriges Hochwasser ist der Damm ausgelegt, der am vorvergangenen Freitag Knetzgau knapp vor einer Katastrophe bewahrt hat. "Ich kann das deshalb nicht verstehen", äußert Bürgermeister Stefan Paulus sein Unverständnis darüber, dass der Haßbergkreis nicht im Hochwasserhilfsprogramm bedacht wird. Insgesamt aber sei die Gemeinde verhältnismäßig glimpflich davon gekommen. Laut Paulus wurden keine Wohnungen überflutet oder gar zerstört. Vollgelaufene Keller hätten zu fünf- bis sechsstelligen Eurosummen an Schäden geführt. Doch die Geschädigten seien allesamt versichert.

Stellvertretender Landrat Oskar Ebert ist optimistisch

Dass die Schäden im Landkreis Haßberge nicht vergleichbar seien, mit dem, was sich andernorts im Freistaat - beispielsweise im Berchtesgadener Land - abgespielt hat, sieht auch stellvertretender Landrat Oskar Ebert so. Eine Ungleichbehandlung der verschiedenen betroffen Landkreise hält aber auch er nicht für zielführend. Gegenüber dieser Redaktion gibt sich der Stellvertreter von Wilhelm Schneider optimistisch: "Ich gehe davon aus, dass der Haßbergkreis noch mitbedacht wird."

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