Hofheim

Hofheim: Viele Fragezeichen hinter dem Haushalt der Stadt

Die Stadtratssitzung in Hofheim am Dienstag fand erstmals im Haus des Gastes statt.
Die Stadtratssitzung in Hofheim am Dienstag fand erstmals im Haus des Gastes statt. Foto: Martin Schweiger

Mit einem Blick in eine Glaskugel verglich Hofheims Bürgermeister Wolfgang den Haushaltsplan für das Jahr 2020 am Dienstag im Haus des Gastes, wo erstmals in der Geschichte der Stadt aufgrund der Corona-Krise eine Stadtratssitzung stattfand mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Teilnehmern. Borst unterstrich, dass es sich bei dem Haushaltsplan lediglich um einen Entwurf handle. Denn bei dem zweitgrößten Einnahmeposten, der Gewerbesteuer, herrsche im Moment "totale Unsicherheit". Zudem würden Einnahmen beispielsweise durch den Schüttbau, das Haus des Gastes oder das Freibad wegbrechen. Daher müsse vierteljährlich geprüft werden, welche Projekte umgesetzt werden können.

Der Verwaltungshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 10, 7 Millionen Euro ab. Der Vermögenshaushalt hat Einnahmen und Ausgaben in Höhe von  5,6 Millionen Euro. Das ergibt ein Gesamthaushaltsvolumen von rund 16,3 Millionen Euro. Die Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungshaushaltes verringern sich gegenüber dem Vorjahr um fast 200 000 Euro. Die Einnahmen und Ausgaben des Vermögenshaushaltes verringern sich gegenüber dem Vorjahr um rund 85 000 Euro.

Angesetzt sind 1,5 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer

Die drei größten Einnahmen im Verwaltungshaushalt sind der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer ( 3,1 Millionen Euro), die Gewerbesteuer (1,5 Millionen Euro) sowie die Wasserverbrauchsgebühren (916 000 Euro). Die größten Ausgabeposten sind die Kreisumlage mit 2,5 Millionen Euro, Personalausgaben mit 1,2 Millionen Euro und die Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft Hofheim in Höhe von 820 000 Euro. Die Schlüsselzuweisungen des Jahres 2020 betragen voraussichtlich 827 600 Euro. Sie liegen um 16 600 Euro höher als im Haushaltsjahr 2019.

Der Schüttbau in Rügheim wurde im Jahr 1548 erbaut. Vor kurzem hat die Stadt die Veranstaltungsstätte übernommen, die zuvor der Bezirk betrieben hatte.
Der Schüttbau in Rügheim wurde im Jahr 1548 erbaut. Vor kurzem hat die Stadt die Veranstaltungsstätte übernommen, die zuvor der Bezirk betrieben hatte. Foto: Martin Schweiger

Aufgrund der aktuellen Situation um die Pandemie wurde der Haushaltsansatz für die Gewerbesteuer von 1,8 Millionen Euro um weitere 300 000 Euro auf 1,5 Millionen Euro verringert. Dies führt zu einer niedrigeren Zuführung zum Vermögenshaushalt und damit zu einer höheren Kreditaufnahme. Diese beträgt nun 1,8 Millionen Euro. Aus dem Verwaltungshaushalt 2020 kann ein Überschuss in Höhe von 170 890 Euro erwirtschaftet werden, der dem Vermögenshaushalt zugeführt werden kann. Das sind 673 300 Euro weniger als 2019. Die gestiegenen Personalkosten und der Rückgang bei der Gewerbesteuer wirken sich massiv auf den Haushalt der Stadt Hofheim aus. Die Ausgaben für die Folgejahre müssten im Blick behalten werden, so Borst. Die ordentliche Tilgung des Jahres 2020 wird nach den derzeitig abgeschlossenen Darlehensverträgen rund 425 000 Euro betragen.

Die größte Investition: Dorfgemeinschaftshaus Goßmannsdorf

Zu den fünf größten Investitionen zählen die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Goßmannsdorf mit 850 000 Euro, die Sanierung der Landgerichtsstraße in Hofheim mit 610 000 Euro, der Bau der Parkplätze in der Lendershäuser Straße mit 500 000 Euro, die Anschaffung einer Feuerwehr-Drehleiter mit 500 000 Euro sowie der Ausbau des Klosterkellers in Eichelsdorf mit 350 000 Euro.

Die ehemalige Schule, das heutige Dorfgemeinschaftshaus in Goßmannsdorf, stellt mit seiner Sanierung den größten Posten im Hofheimer Stadtrat dar.
Die ehemalige Schule, das heutige Dorfgemeinschaftshaus in Goßmannsdorf, stellt mit seiner Sanierung den größten Posten im Hofheimer Stadtrat dar. Foto: Martin Schweiger

Die Stadt Hofheim hat am 1. Januar 2020 einen Schuldenstand in Höhe von 4,4 Millionen Euro. Das sind 847 Euro pro Einwohner. Zur Finanzierung der Investitionen ist eine Rücklagenentnahme in Höhe von 500 000 Euro und eine Darlehensaufnahme von 1,8 Millionen Euro vorgesehen.

Die Vertreter der Stadtratsfraktionen stimmten unisono dem Haushaltsentwurf zu. Reinhold Giebfried von der CSU-Fraktion sagte, dass sich der Haushalt aufgrund der schwierigen Voraussetzungen von selbst aufstelle und wünschte den Gewerbetreibenden, dass sie bald wieder Fahrt aufnehmen können. Karl-Heinz Graser (WG Rügheim) hoffte, dass die Stadt "mit einem blauen Auge" die Corona-Krise überstehen werde. Alexander Bergmann (Junge Liste) sagte, dass die Zeit der hohen Fördersätze vorerst vorbei sei, weshalb eine höhere Kreditaufnahme wohl unausweichlich sei. Jürgen Bergmann (Eichelsdorf) lobte den ausgewogenen Haushalt. Burkard Mantel (WG Goßmannsdorf) gab sich zuversichtlich, dass der Bürgermeister als Inhaber eines Segelscheins das Schiff der Stadt sicher durch die Krise führen wird. Gleichzeitig sollten auch die Bürger die örtliche Wirtschaft und Gastronomie unterstützen.

Feier für ausscheidende Stadträte erst am Jahresende

Die scheidenden Stadträte Guido Pechtold (WG Reckertshausen/Ostheim), Judith Geiling (SPD/Fortschrittliche Bürger) und Gerd Scheller (WG Lendershausen) sprachen von einer schönen Zeit im Stadtrat. Viel sei erreicht worden. Seinen Abschied habe er sich jedoch anders vorgestellt, fügte Scheller im Hinblick auf die derzeitigen Einschränkungen hinzu. Insgesamt scheiden elf Stadträte aus dem Gremium aus. Sie werden am Jahresende in einer Feier offiziell verabschiedet. Das Gremium beschloss auch für das Jahr 2019 den Vereinen 20 000 Euro für die Jugendförderung zu gewähren.

Überquerungshilfe für den Friedhof

Bis zu 6000 Fahrzeuge passieren täglich den Friedhof in Hofheim auf der Ringstraße. Eine Überquerungshilfe auf Höhe der Firma Geuppert soll das Passieren der Straße erleichtern. Gleichzeitig soll ein barrierefreier Zugang zum Friedhof geschaffen werden. Der Stadtrat gab einstimmig grünes Licht für die Maßnahme, die geschätzt 276 000 Euro kostet. Die Förderung beträgt voraussichtlich 80 Prozent, sodass der Eigenanteil der Stadt 56 000 Euro beträgt. Die Baumaßnahmen sollen voraussichtlich während der Sommerferien stattfinden und rund vier Wochen lang dauern.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hofheim
  • Martin Schweiger
  • Alexander Bergmann
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Einkommensteuer
  • Einnahmen und Ausgaben
  • Fahrzeuge und Verkehrsmittel
  • Gewerbesteuern
  • Investitionen
  • Karl Heinz
  • Kreditaufnahmen
  • Kreditverträge
  • Lendershausen
  • Reinhold Giebfried
  • Stadt Hofheim
  • Städte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!