Zeil

Im Winter noch unattraktiver: Bahnhöfe Zeil und Ebelsbach

Dass die Bahnsteige nur notdürftig von Schnee befreit sind, ist durchaus gefährlich. Und zeigt zudem, dass die Bahn wenig Augenmerk auf die kleinen Haltestellen richtet.
Ein Regionalexpress rauscht durch den Zeiler Bahnhof und sorgt für starke Schneeverwehungen.  Zu ihrer Sicherheit sollen sich Wartende auf dem Bahnsteig dort aufhalten, wo niemand Lust hatte, Schnee zu schippen: In der Mitte des Bahnsteigs.
Foto: René Ruprecht | Ein Regionalexpress rauscht durch den Zeiler Bahnhof und sorgt für starke Schneeverwehungen. Zu ihrer Sicherheit sollen sich Wartende auf dem Bahnsteig dort aufhalten, wo niemand Lust hatte, Schnee zu schippen: In ...

Zugreisende, die in Zeil oder Ebelsbach-Eltmann ein- und aussteigen, müssen hartgesotten sein, besonders in diesen eisigen Wintertagen. Lange vorbei sind die Zeiten, als sich Fahrgäste hier in Wartesälen vor Kälte und Nässe schützen oder sonst wie amüsieren konnten. Für den Zugverkehr sind die altehrwürdigen  Bahnhofsgebäude nur noch Kulisse. Wind und Wetter ausgesetzt zu sein ist hier also Bahnfahrer-Alltag. Wer aber jetzt nach dem Wintereinbruch sieht, wie ambitionslos auf den Bahnsteigen der Schnee geräumt wurde, dem drängt sich einmal mehr der Verdacht auf: Der Bahn sind die kleinen Haltestellen eher lästig. Und das kann für Ein- oder Aussteigende in Zeil und Ebelsbach-Eltmann gefährlich werden.

Aus Sicherheitsgründen bis zum Knöchel im Schnee

"Achtung Zugbetrieb. Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante und betreten Sie den gekennzeichneten Bereich erst nach Halt des Zuges", warnt ein Lautsprecherstimme am Donnerstagmorgen die Handvoll Wartenden auf dem Bahnsteig in Zeil, bevor die Regionalbahn naht. Die Sache hat nur einen Haken: Ordentlich von Schnee befreit sind allenfalls die beiden erwähnten, jeweils ein Meter breiten Schutzstreifen zu den Gleisen hin, die verhindern sollen, dass jemand auf die Schienen fällt oder vom Sog eines durchfahrenden Zuges mitgerissen wird. Wer sich an die Anweisung hält, steht also bis weit über die Knöchel im Schnee. Gut aufgehoben fühlt sich anders an.

Züge donnern ohne Vorwarnung durch die Bahnhöfe

Was es bedeutet, wenn der Winterdienst nur die nötigste Arbeit verrichtet, ist 5,6 Bahnkilometer weiter auch in Ebelsbach-Eltmann zu spüren. Als hier am Donnerstag erst ein Regionalexpress und dann ein Güterzug durch den Bahnhof donnern, beide wohlgemerkt ohne Vorwarnung über den Lautsprecher - sorgen sie für ein dichtes Schneetreiben auf dem Bahnsteig. Wenn auch nur für Augenblicke können Herumstehende da schnell die Orientierung verlieren.  Und umgeworfen werden, wenn sie in der geräumten Zone stehen.

Hindernis Treppen, jetzt im Winter besonders gefährlich

Und es kommt zu einem zweiten Effekt: Der Fahrtwind von Loks und Wagons treibt den auf den Bahnsteigen aufgenommen Schnee in die Unterführungen hinein, macht die Treppenstufen rutschig. Da stürzen schnell auch Menschen, die gut zu Fuß sind. Alle anderen haben es ohnehin schwer. Denn der Zugang zum Bahnsteig an Gleis 3 und 4, zu den Zügen Richtung Bamberg, ist nicht barrierefrei. Immerhin: Wer nach Haßfurt oder Schweinfurt fahren will, kann direkt von der Bahnhofsplattform an Gleis 1 zusteigen.

Ob von Ebelsbach oder Eltmann kommend, die Bahnhofsgleise lassen sich barrierefrei unterqueren.  Der Zugang zu Gleis 3 und 4 geht aber nur über eine Treppe. Das will die Bahn 2023 ändern und auch hier eine Rampe errichten.
Foto: René Ruprecht | Ob von Ebelsbach oder Eltmann kommend, die Bahnhofsgleise lassen sich barrierefrei unterqueren.  Der Zugang zu Gleis 3 und 4 geht aber nur über eine Treppe.

Das ist in Zeil ganz anders. Egal in welche Richtung, jeder Fahrgast muss durch die Unterführung, und das bedeutet Treppensteigen. Wollte man die beiden Haltestellen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten lassen, müsste man allerdings auch berücksichtigen, dass Fahrkartenkäufer am Ticketautomaten in Ebelsbach-Eltmann bei schlechtem Wetter im Regen stehen, während man ihnen in Zeil ein Plätzchen unter dem Vordach der Unterführung gönnt.

"In Zeil verrottet doch alles"

In der Gunst der Bahnpendler, die beide Haltestellen kennen, schneidet Ebelsbach-Eltmann dennoch besser ab. "In Zeil verrottet doch alles, da gibt es kein Plätzchen, wo man sich mal bequem hinsetzen oder hinstellen könnte", erklärte ein junger Mann am Donnerstag der Redaktion. Dass es rund um den Zeiler Bahnhof "viel schlimmer" ist, bestätigte auch eine ältere Dame. Der Schutz vor Wind und Wetter am Bahnsteig sei völlig heruntergekommen. Und überhaupt, das ganze Umfeld: "Sehen Sie sich doch mal den schönen alten Bahnhof an. Wie viele Fensterscheiben da in inzwischen zerbrochen sind."

Die Bahn: Schwer greifbar für die Bürgermeister

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen würden sich an einem Vergleichskampf ihrer Bahnhöfe untereinander nicht beteiligen. Im Gegenteil, sie vereint viel Verdruss mit der Deutschen Bahn, und die Frage, warum sich so wenig tut an ihren Haltestellen. Die liegen ja immerhin auch nach Selbstverständnis der DB an einer der wichtigsten Strecken Nordbayerns. "Wenn Du Kontakt brauchst, dann ist das ein Wahnsinn", klagt Thomas Stadelmann, der Bürgermeister von Zeil. Es sei oftmals fast unmöglich, bei gemeindlichen Anliegen den richtigen Ansprechpartner bei der Bahn zu finden.

In Ebelsbach hat sich Gemeindeoberhaupt Martin Horn gerade erst darüber geärgert, wie schwer auch gemeinsame Projekte mit der Bahn zu durchschauen sind: An seiner Haltestelle sollen moderne Bike & Ride-Plätze entstehen, ein Projekt von Bahn und Bundesumweltministerium, an dem sich die Standortkommunen beteiligen müssen. Kein Problem für Horn, nur dass die DB dann plötzlich mit teuren Gestattungsverträgen ankam, das wurmt den Rathauschef noch immer.

Zeiler Gemütlichkeit? 'Wollen Sie hier Platz nehmen, auch wenn kein Schnee liegt? Ich nicht!', sagte eine ältere Dame am Donnerstag zu unserem Reporter. 
Foto: René Ruprecht | Zeiler Gemütlichkeit? "Wollen Sie hier Platz nehmen, auch wenn kein Schnee liegt? Ich nicht!", sagte eine ältere Dame am Donnerstag zu unserem Reporter. 

Für seinen Amtsbruder Michael Ziegler in Eltmann wäre es ja schon mal ein Ansatz, wenn die Bahnhöfe und ihr Umfeld ein wenig sauberer wären und besser in Stand gehalten würden. "Da muss die Bahn einfach auch mehr an die kleinen Bahnhöfe denken", sagte er dieser Tage.

Und dann ist da natürlich die große Frage der Barrierefreiheit. Ziegler findet, dass es in Zeiten des Klimawandels und entlang der so bedeutenden Verkehrsachse im Maintal nicht mehr zeitgemäß ist, dass Menschen - egal an welcher Haltestelle - keinen stufenlosen Zugang zum Zug haben. "Das schränkt die Mobilität vieler Menschen ein und widerspricht auch jedem Gedanken an Umweltschutz".

Bahnsprecher stellt in Aussicht: Ebelsbach wird 2023 barrierefrei

Doch die Bahn reagiert, verspricht ein Pressesprecher. Auf Anfrage der Redaktion sichert das Unternehmen zu, den Zugang zu Gleis 2 mit Rampen zu gestalten. Das soll - unter Vorbehalt - 2023 geschehen. Dann wird zudem der Bahnsteig höher gelegt, um das Einsteigen in die modernen Triebzüge zu erleichtern. Außerdem will die Bahn Ebelsbach-Eltmann dann neue "Wetterschutzanlagen" und bequemere Sitzbänke spendieren.

Open-Air-Feeling am Ticketautomaten in Ebelsbach-Eltmann.  Wenn es hier regnet, wird der Käufer schnell samt Fahrkarte nass.
Foto: René Ruprecht | Open-Air-Feeling am Ticketautomaten in Ebelsbach-Eltmann.  Wenn es hier regnet, wird der Käufer schnell samt Fahrkarte nass.

Zeil geht leer aus und tröstet sich mit Haßfurt

Für Zeil ist allerdings gar nichts vorgesehen. Und so ist es angesichts der alten, aber nicht immer wirklich ernst gemeinten Städterivalität schon vielsagend, wenn sich der Zeiler Bürgermeister darüber freut, "dass unsere Bürger bald wenigstens nur noch nach Haßfurt müssen, wenn sie ohne Hindernisse Bahn fahren wollen."  Nach jahrzehntelanger Diskussion wird der Bahnhof der Kreisstadt modernisiert, die Baumaßnahmen sollen bis Ende 2021 abgeschlossen sein. 

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Ein zusätzlicher Hoffnungsschimmer für Ebelsbach, dass tatsächlich etwas geht? Nicht unbedingt, denn die Umgestaltungen in Haßfurt waren oftmals angekündigt und dann doch wieder auf später verschoben worden. Und bei 5700 Bahnhöfen und Haltestellen im ganzen Lande verliert die DB AG auch schnell einmal den Überblick vor allem über die kleinen Einheiten: Im Sommer 2020 hängte die Bahn in Ebelsbach-Eltmann neue Schilder auf und begrüßte ihre Kunden in Oberfranken. Könnte also auch sein, dass es 2023 eine Haltestelle im falschen Regierungsbezirk "erwischt".

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