HASSFURT

In Haßfurt wartet ein Job auf Gustl Mollath

Bald Kollegen von Gustl Mollath? Anton Heil (links) und Simon Schönstein in der Werkstatt der Ultra-Leicht-Bau-International.
Foto: M. Mösslein | Bald Kollegen von Gustl Mollath? Anton Heil (links) und Simon Schönstein in der Werkstatt der Ultra-Leicht-Bau-International.

Wenn Gustl Mollath möchte, hätte er einen Job in Haßfurt sicher – sofort, ohne Vorbedingungen. Robert Lindner, der ihm dieses Angebot gemacht hat, kennt Mollath seit 47 Jahren und nicht erst, nachdem dessen umstrittene Unterbringung in der Psychiatrie und die unerwartete Freilassung am Dienstag bundesweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Er zählt zu den treuesten Unterstützern Mollaths.

Lindner ist mit Angelika Kaiser Geschäftsführer der Ultra-Leicht-Bau-International GmbH. Der Vier-Mann-Betrieb am Haßfurter Flugplatz fertigt dort seit 18 Jahren Ultraleichtflugzeuge aus Leichtmetall. „Da sind Tüftler wie Gustl Mollath, die handwerklich gut drauf sind, immer gefragt“, begründet Lindner am Donnerstag am Telefon gegenüber dieser Zeitung sein Angebot. Eine Antwort Mollaths habe er noch nicht. Den Job in seiner Firma habe er Mollath bereits vor zwei Jahren angeboten, „und das gilt noch immer“, sagt er. Laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur hat Mollath am Donnerstag gegenüber der Bild-Zeitung angekündigt, in einigen Monaten tatsächlich wieder in seinen alten Beruf als Maschinenbauer zurückkehren zu wollen.

Der 56-jährige Lindner hat Mollath seit dessen Freilassung aus der Psychiatrie nicht getroffen. Er bezeichnet ihn als Schulfreund aus Nürnberger Zeit. Mollath habe die Rudolf-Steiner-Schule eine Jahrgangsstufe über ihm besucht. Nach der Schule absolvierten sie gemeinsam eine Lehre als Maschinenbauer. Auch nach dem Ende der Lehre im Jahr 1977 habe er Mollath immer wieder getroffen. Bis vor etwa zehn Jahren, wie sich Lindner erinnert. Damals riss der Kontakt ab. Erst vor gut vier Jahren habe er von einem gemeinsamen Bekannten erfahren, dass Mollath in der Psychiatrie sitzt. „Es war ein Hilferuf“, meint Lindner.

Spontan sagte er dem Bekannten seine Unterstützung zu, als dieser ihm von Plänen erzählte, Mollaths Schicksal öffentlich bekannt zu machen und sich für die juristische Überprüfung von dessen Fall einzusetzen. „Ich kenne Mollath als absolut integren Mann“, meint Lindner, „ich konnte die Vorwürfe, die man ihm im Prozess gemacht hat, zu keiner Zeit glauben.“ Der Inhaber der Haßfurter Firma gehörte zu den drei Gründern einer Unterstützergruppe, die vor allem übers Internet (www.gustl-for-help.de) bundesweit den Blick der Öffentlichkeit auf den inhaftierten Mollath lenkte. Lindner zählte eigenen Angaben nach zum engsten Kreis von sieben bis acht Freunden, die Mollath über Jahre hinweg die Treue hielten. Er besuchte ihn, rief ihn jede Woche an. „Es war eine harte Arbeit“, schildert Lindner. Die Freilassung Mollaths am Dienstag bezeichnet er als „Etappensieg“. Doch erst, wenn die angekündigte gerichtliche Prüfung des gegen Mollath verhängten Urteils das von dessen Unterstützern angeprangerte Fehlurteil ans Licht bringe, glaube er wieder an den Rechtsstaat, sagt Lindner. „Ohne unsere Hilfe wäre Gustl bis zu seinem Lebensende dort drinnen verschimmelt.“

Mollath selbst habe zwar Tausende Briefe an zig verschiedene Stellen und Politiker verschickt – „aber ihm wurde nicht gelaubt“, so Lindner. Niemand habe reagiert. Die vorgeschriebene regelmäßige Überprüfung, ob die Gründe für Mollaths Inhaftierung noch gegeben sind, waren in Lindners Augen eine „reine Farce“. Ernsthaftes Interesse an einer Rehabilitierung Mollaths habe es nie gegeben.

Mollath-Unterstützer Robert Lindner
Foto: Angelika Kaiser | Mollath-Unterstützer Robert Lindner
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