Haßfurt

„Keine Rücksicht auf Standorte“

Bei der Jahrespressekonferenz des Landratsamtes in der Brauereigaststätte Bayer in Theinheim: (von links) Michael Rahn (Leiter des Landratsbüros), Pressesprecherin Monika Göhr, Landrat Wilhelm Schneider, Geschäftsleiter Horst Hofmann und Kreiskämmerer Marcus Fröhlich.
Foto: Klaus Vogt | Bei der Jahrespressekonferenz des Landratsamtes in der Brauereigaststätte Bayer in Theinheim: (von links) Michael Rahn (Leiter des Landratsbüros), Pressesprecherin Monika Göhr, Landrat Wilhelm Schneider, ...

Die Anzeichen verdichten sich, dass das Krankenhaus Hofheim geschlossen wird und dort dann nur noch ambulante Arztpraxen untergebracht sind. Bei der Jahrespressekonferenz am Mittwochabend vermied es Landrat Wilhelm Schneider zwar, konkrete Entscheidungen bekanntzumachen. Es bleibe beim ursprünglichen Zeitplan, wonach erst am 15. Mai in Hofheim die Beschlüsse der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Zwischen den Zeilen war aber auch am Mittwoch zu erkennen, dass der Landrat bereits das Feld für unangenehme Entscheidungen bestellt. Man stehe vor der schwierigen Aufgabe, so Schneider, die stationäre Krankenhausversorgung auch noch mittel- und langfristig zu sichern. Bestehende Strukturen müssten jetzt zwingend geändert werden. Und: Dabei könne man nicht auf einzelne Standorte Rücksicht nehmen, sondern müsse einzig und allein nur an die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis denken und für sie eine zeitgemäße ärztliche Versorgung sicherstellen.

Der Landrat machte noch einmal klar, dass man jetzt das Ruder herumreißen muss, denn „sonst droht ein finanzielles Fiasko.“ Der Landkreis habe derzeit rund 20 Millionen Euro Schulden, die Abfallwirtschaft mit eingerechnet. Und die Haßbergkliniken hätten weitere 18 bis 19 Millionen Euro Schulden. Wenn man bei den Krankenhäusern nichts ändere, würden sich in den kommenden fünf Jahren weitere 20 Millionen an Verbindlichkeiten anhäufen. Dann wären die Kliniken doppelt so hoch verschuldet wie der Kreis selbst. „Wir wären nur noch mit der Defizitbekämpfung beschäftigt und hätten keinerlei Möglichkeiten mehr für Investitionen“, betonte Schneider. Auch die Gestaltungsmöglichkeiten der Landkreis-Kommunen wären dadurch massiv eingeschränkt.

Zahlreiche andere Krankenhäuser, die wie die Haßbergkliniken die Grundversorgung auf dem flachen Land gewährleisten, seien inzwischen in eine ähnlich prekäre Situation geraten, machte der Landrat deutlich. „Wir bekommen aber nicht die Hilfe vom Bund und vom Freistaat, die wir eigentlich dringend bräuchten.

“ Und in diesem schwierigen Umfeld sei man nun gezwungen, die Gesundheitsversorgung für die nächsten Jahre zu sichern. „Wir müssen jetzt die Basis legen für eine ordentliche Versorgung der Bevölkerung.“

Bei den anderen drei Säulen der Gesundheitsversorgung sei man hingegen schon einen Schritt weiter:

• Die neue zentrale Bereitschaftspraxis in Haßfurt habe sich gut eingelaufen. Es zeige sich, dass diese Entscheidung richtig war.

• Erfreulich sei, dass auch die Notarzt-Versorgung sichergestellt ist.

• Bei den niedergelassenen Haus- und Fachärzten sei die Situation weiterhin schwierig, aber man arbeite daran. Bei den Hausärzten drohe eine Überalterung. Der Landkreis habe ein Famulatur-Programm laufen, um Nachwuchsmediziner in die Region zu holen. Famulatur nennt sich das Praktikum, das ein Mediziner im Rahmen seiner klinischen Ausbildung als Arzt machen muss.

MVZ haben sich bewährt

Bei den ambulanten, selbstständigen Fachärzten werde es immer schwieriger, freigewordene Positionen neu zu besetzen. Jetzt zeige sich deutlich, dass es richtig sei, seitens des Landkreises Medizinische Versorgungszentren (MVZ) wie in Haßfurt, Ebern, Eltmann und Hofheim vorzuhalten, wo dann entsprechende Fachärzte angestellt sind. Man müsse auch darauf achten, dass die Facharzt-Sitze im Landkreis verbleiben. In Hofheim beispielsweise habe die Gefahr gedroht, so Schneider, dass ein Kardiologen-Sitz nach Schweinfurt abgewandert wäre. Dies habe man mit der neuen MVZ-Zweigstelle am Hofheimer Krankenhaus verhindern können.

Die Tage für das Hofheimer Krankenhaus scheinen gezählt. Bald dürfte es dort keine Krankenbetten mehr geben.
Foto: Michael Mösslein | Die Tage für das Hofheimer Krankenhaus scheinen gezählt. Bald dürfte es dort keine Krankenbetten mehr geben.
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