Friesenhausen

Kolonialladen vor fünf Jahren wachgeküsst

Die Kreisräte bei der Besichtigung des „historischen Kolonialladens“.
Foto: Günther Geiling | Die Kreisräte bei der Besichtigung des „historischen Kolonialladens“.

Mit der Besichtigung eines alten Kolonialladens in Friesenhausen begann die Sitzung des Ausschusses für Kultur, Tourismus und Sport und die Kreisräte wurden dabei in einen historischen Kaufladen versetzt, der wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Blütezeit erlebt hatte. Bis 1976 wurde er als Gemischtwarenladen weitergeführt, war seitdem in einen „Dornröschenschlaf“ versunken, bis er vor fünf Jahren von Andrea Meub gekauft und wieder wachgeküsst wurde. Der Kolonialladen ist aber unverändert geblieben und erregte so bei den Kreisräten besonderes Aufsehen.

An der Ecke der Dahlbergstraße 8 trifft man auf ein altes Haus, das in seinem äußeren Erscheinungsbild mit den Sprossenfenstern seit einiger Zeit wieder glänzt und mit einem kleinen Schild über der Türe und der Aufschrift „Gemischtwaren Jakob Schmidt“ auf seine letzte Nutzung hinweist. Die ist allerdings im Jahre 1976 zu Ende gegangen.

Aus dem Nebenhaus kommt Andrea Meub, die noch als Kind genau in diesem Nachbarhaus eingekauft und sich hier auch öfter aufgehalten hat. Als die damalige Besitzerin, die „Jakobs Lina“ im Jahre 1976 verstarb, wollte das Haus eigentlich der Vater von Andrea Meub, Julius Häpp, kaufen, abreißen und für die andere Tochter ein Haus bauen. Aber es sei damals nicht verkäuflich gewesen. Auch das Fränkische Freilandmuseum in Fladungen habe Interesse gezeigt, aber der Staat sei nicht bereit dazu gewesen. Im Jahre 2013 habe dann aber Ingvelde Käb, adoptierte Hegewald, das Haus geerbt und zum Verkauf angeboten. „Da hat mein Vater zugeschlagen“, erzählt Andrea Meub mit Stolz, aber auch von der enormen Arbeit seit dieser Zeit.

Bis dahin war auch die Denkmalbehörde nicht auf diese Kostbarkeit aufmerksam geworden. Das Haus mit der ursprünglichen Hausnummer 44 ist schon um 1700 gebaut worden. Einen solchen Hinweis habe man im Sandstein freilegen können. 1820 sei es dann eine katholische Schule mit Lehrer- und Mesnerwohnung gewesen und gehörte Freiherr Karl Alexander von Dalberg. Der erste Lehrer war Karl Häpp von 1843-1848. Ihm sei dann August Brust bis 1866 gefolgt. Später wurde das Haus von Georg Nicolas Hußlein gekauft und seine Tochter heiratete den Krämer Heinrich Fellmann. Diese Familie ist vermutlich um 1890 weggezogen. Das Anwesen haben dann Jakob und Babette Schmidt übernommen, deren Tochter Lina bis 1976 deren Gemischtwarenladen weitergeführt hat. Seit 2013 ist Andrea Meub die Besitzerin.

Die 1200 Jahrfeier von Friesenhausen war für Andrea Meub eine zusätzliche Motivation, das Anwesen herzurichten. Bernhard Joos von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Haßberge ging auf den großen Aufwand ein, mit dem Andrea Meub zu Werke ging. „Sie hat mit einem besonderen Gespür dieses Denkmal wieder hergerichtet, wie man es sehr selten vorfindet.“ Deswegen habe es auch entsprechende Zuschüsse gegeben vom Bezirk, der Denkmalbehörde und auch die Dorferneuerung habe noch einiges bewirkt. Darüber war auch Andrea Meub froh, „denn jeder hat mir zu Beginn Angst vor der Denkmalschutzbehörde gemacht.“ Natürlich sei es dadurch jetzt auch in die Denkmalschutzliste aufgenommen.

Landrat Wilhelm Schneider bezeichnete den historischen Kaufladen schon als einen „Glücksfall“, vor allem in diesem Zustand mit allen Einrichtungen. Natürlich habe es in den meisten Ortschaften solche Läden gegeben, aber nur ganz wenige könne man noch so antreffen. Hier müsse man nun bei der Erhaltung auch das Engagement der Privatleute erwähnen und sich bei der jetzigen Eigentümerin bedanken. Solche Bürger wie Andrea Meub passten sich in die Dorfgemeinschaft ein und sie sei ja auch bei der Theatergruppe des Ortes sehr aktiv.

Andrea Meub ist aber mit ihren Träumen noch lange nicht am Ende. Im Untergeschoss habe sie nun ihre Arbeit in die Erhaltung des „Kolonialladens“ gesteckt, den sie im Abstand von vier bis sechs Wochen an einem Sonntag auch für die Öffentlichkeit zeige. Die Besitzerin spielt aber auch mit dem Gedanken, hier einmal ein Café zu eröffnen, sprach aber auch gleich die Auflagen an.

Aber auch im Obergeschoss ist noch alles so erhalten, wie man eben vor 70 oder gar 100 Jahren lebte; mit den Schlafzimmern, Küche und Ess- oder Wohnzimmer mit gerollten Wänden. Und auch die Scheune sei noch voll von Raritäten. Im „Kolonialladen“ selbst ist das Angebot sehr vielseitig von der Werbung für die Zigaretten „Zuban“ oder „Eckstein“. Das gesamte Interieur zeigt, in welchen Behältern und Schubbern die Waren präsentiert oder aufbewahrt wurden.

Um die „Museumskultur“ ging es dann auch bei den Berichten der Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger und Christian Blenk. Wolfgang Jäger forderte dabei wiederholt ein zentrales Depot für archäologische Funde und heimatlose Museumsobjekte aus dem Landkreis. Er richtete einen Appell an die Politik: „Machen sie sich zum Handelnden. Wenn man die Errichtung eines Kreisdepots gezielt plant, öffnet man sich damit einen Handlungsspielraum und ist nicht Getriebener, sondern Handelnder. Ein solches Depot dient als kulturelles Gedächtnis der Heimat.“

In seinem Tätigkeitsbericht ging er auf projektbezogene Arbeiten ein wie die Klärung der urkundlichen Erstnennung von Hellingen, der urkundlichen Erstnennung von Dörflis oder der möglichen Teilnahme am Weltkulturerbe als „zisterziensische Kulturlandschaft“.

Für Kreisheimatpfleger Christian Blenk sind die Untersuchungen auf dem Burgstall bei Eltmann durch das Landesamt für Denkmalpflege und die Universität Bamberg ein Highlight. Nicht die Geschwindigkeit und der schnelle Erfolg mit sensationellen Funden würden hier die Grabung bestimmen, sondern die präzise Untersuchung mit einer exakten Archivierung der laufenden Grabungsarbeit auf Millimeterpapier und mit dem Fotoapparat.

Von außen ist das Gebäude mit dem „historischen Kolonialladen“ schon saniert.
Foto: Günther Geiling | Von außen ist das Gebäude mit dem „historischen Kolonialladen“ schon saniert.
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