Kreis Haßberge

Kommentar: Mehr Frauen in der Politik – aber wie?

Die Diskussion um eine weitere Landrats-Stellvertreterin wirft die Frage auf: Sind Aktionen mit Symbolwirkung der richtige Weg, um eine Veränderung herbeizuführen?
Auch wenn sich die Situation schon verbessert hat: Noch immer sitzen weit mehr Männer als Frauen im Kreistag, wie dieses Bild von der konstituierenden Sitzung im Mai zeigt. Die Grünen wollen mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen bringen.
Auch wenn sich die Situation schon verbessert hat: Noch immer sitzen weit mehr Männer als Frauen im Kreistag, wie dieses Bild von der konstituierenden Sitzung im Mai zeigt. Die Grünen wollen mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen bringen. Foto: Wolfgang Sandler

In einem Punkt waren sich beide Seiten von Anfang an einig: Es geht hier eher um ein Symbol als um eine tatsächliche Machtfrage. Bürgermeister und Landräte haben politische Macht und können gestalten. Ihre Stellvertreter dagegen sind nicht mehr als normale Ratsmitglieder, die etwas mehr Arbeit haben und etwas mehr in der Öffentlichkeit stehen als der Rest der Gremiums. Birgit Bayer bringt es auf den Punkt: "Es ist kein Amt, das vom Inhaber gestaltet werden kann."

Dennoch könnte es eine gewisse Symbolwirkung haben, wenn eine Frau den Landrat vertreten würde. Ja, es gibt dabei wenig Raum für Kreativität. Dennoch hätte es ein Zeichen für Frauen sein können, dass sie es durchaus zu etwas bringen können. Eben das brachte Monika Schraut auf den Punkt: "Wir brauchen mehr politisch aktive Frauen in sichtbaren Rollen." Eine stellvertretende Landrätin wäre auch ohne Gestaltungsspielraum sichtbar. Und sei es nur, dass sie, wenn Wilhelm Schneider im Urlaub ist, zu 90. Geburtstagen oder Diamantenen Hochzeiten gratuliert: Sie würde den Landkreis repräsentieren. Sie wäre beim Bürger vor Ort und sie wäre auf Fotos in der Zeitung zu sehen.

Flammendes Plädoyer

Monika Schraut erhielt für ihr flammendes Plädoyer für die Schaffung eines weiteren Stellvertreterpostens lauten Applaus von einigen Kreisräten. Der Landrat rief daraufhin dazu auf, das Klatschen einzustellen, da diese Würdigung von Redebeiträgen nicht gestattet sei - eine Regel, die sowohl manchen langjährigen Kreisräten als auch Pressevertretern, die regelmäßig über Sitzungen berichten, neu war. Gelten dann für Haushaltssitzungen andere Regeln? In denen ist Applaus für Redner ja durchaus üblich und wird auch vom Landrat nicht beanstandet.

Klar ist, dass Frauen immer noch viel seltener als Männer bereit sind, sich für politische Ämter aufstellen zu lassen. Klar ist auch, dass sich daran etwas ändern sollte. Die Frage, wie sich diese Veränderung herbeiführen lässt, ist aber durchaus umstritten.

Gute Argumente auf beiden Seiten

Einerseits ist es eine bekannte Tatsache, dass Frauen sowohl bei Wählern als auch bei Arbeitgebern meist schlechtere Chancen haben. Da liegt die Versuchung nahe, dem durch Gesetze und Beschlüsse entgegenzuwirken, die Frauen bestimmte Posten garantieren.

Andererseits klingt der Satz "Das ist ja nur die Quotenfrau" ziemlich abwertend. Und die Frage ist, ob eine Person, die über eine Quotenregelung an einen Job gekommen ist, diesen Ruf jemals los werden kann - egal, wie gut sie ihn macht. Zumal im Fall der Landrats-Stellverteterin ja nicht einmal ein Posten mit einer Frau besetzt worden wäre, der ohnehin besetzt werden muss. Vielmehr wäre ein neuer Posten geschaffen worden, um ihn mit einer Frau besetzen zu können.

Beide Seiten haben gute Argumente und es ist schwer zu sagen, ob es überhaupt eine "richtige" Lösung gibt. Es wäre falsch, Gegnern der Quote Frauenfeindlichkeit und Befürwortern der Quote Männerhass vorzuwerfen. Im Kreistag ist das glücklicherweise nicht passiert, in der Bevölkerung dagegen sind solche Positionen durchaus zu finden. Wichtig ist vor allem, dass wir auf lange Sicht versuchen, Frauen zu ermutigen, sich zu engagieren. Und dass wir die Bevölkerung dazu bringen, Frauen zu vertrauen - in der Hoffnung, dass sich die Frage, ob wir Quoten brauchen, dann irgendwann gar nicht mehr stellt.

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