Haßfurt

Kommentar: Ohne Mobilfunk gibt es keine Zukunft auf dem Land

19 von 26 Kommunen im Landkreis Haßberge haben Probleme beim Mobilfunk. Warum haben sich dennoch erst zwei davon für das Förderprogramm der Staatsregierung angemeldet?
Der Landkreis Haßberge bildet in Sachen Mobilfunkabdeckung in Unterfranken das Schlusslicht. In 19 von 26 Kommunen haben die Bürger mit Funklöchern zu kämpfen.
Der Landkreis Haßberge bildet in Sachen Mobilfunkabdeckung in Unterfranken das Schlusslicht. In 19 von 26 Kommunen haben die Bürger mit Funklöchern zu kämpfen. Foto: Wolfgang Sandler

Wenn man dem Landkreis Haßberge eine Note geben wollte, ähnlich wie in der Schule. Welche Zensur würde dann in dem Fach "Mobilfunk" herausspringen? Nun, selbst mit größtem Wohlwollen: Für ein Medizinstudium würde es kaum genügen. Sicher hat MdL Steffen Vogel Recht, wenn er erklärt, dass manche Gemeinde nicht so schlecht ist wie die offiziellen Zahlen glauben machen. Und es ist ein Unterschied, ob eine Kommune drei oder stolze 17 Ortsteile hat wie zum Beispiel Maroldsweisach. Da rutscht schnell mal einer aus der Reihe und versaut die Statistik. Dennoch bleiben ein paar nackte Fakten, die sich zwar interpretieren, aber nicht wegwischen lassen.

Nur sieben Kommunen ohne Probleme

Was haben Ermershausen, Gädheim, Pfarrweisach, Sand, Stettfeld, Untermerzbach und Wonfurt gemeinsam? Sie haben keine Probleme mit der Mobilfunkversorgung. Die Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Würzburger Abgeordneten Halbleib ist eindeutig: Von den 26 Gemeinden im Landkreis Haßberge haben alle übrigen 19 größere Funklöcher. Die Bewohner des Landkreises Haßberge sind demzufolge meilenweit von einer flächendeckenden Erreichbarkeit über Mobilfunk entfernt.

Keine Mobilfunk, keine jungen Leute

Das haben auch die Kreisräte der Jungen Liste erkannt und deshalb einen Antrag an den Landrat formuliert, mit dem sie die Missstände ausmerzen wollen. Es geht dabei nicht nur um irgendwelche neumodischen Spielereien von Pubertieren und ähnlichem, sondern um ein echtes Standortargument. Thomas Wagenhäuser, Sprecher der JL im Kreistag, macht es deutlich. Der Landkreis zieht mit verschiedenen Programmen und Projekten alle Register, um den Standort Haßberge-Maintal-Steigerwald vor allem für junge Leute, junge Familien attraktiv zu machen. Gerade diese Klientel versorgt sich aber immer stärker über das Smartphone mit allem Wissenswerten. Seien es Informationen über das Weltgeschehen, Fußball, das Wetter oder Online-Buchungen von Mitfahrgelegenheiten, Bahn oder irgendwelchen Freizeitbeschäftigungen. Gibt es also irgendwo ein Funkloch, dann kein Mobilfunk, dann auch kein Internet übers Smartphone, dann auch keine jungen Leute in diesen Regionen des Landkreises.

Nicht mal alte Technik vorhanden

Und dabei reden wir hier noch nicht einmal von der Technik der Zukunft. Dass 5G nicht so schnell flächendeckend auf dem flachen Land verbreitet werden dürfte, sollte jedem klar sein. Der extrem hohe Datendurchsatz würde Sendemasten in geringem Abstand voneinander notwendig machen. Es wird also mit dem autonomen Autofahren (dafür braucht man 5G) bis in die Garage noch etwas dauern. Dieses 5G baut auf dem vorhandenen 4G (LTE) auf. Und genau da liegt der Hund begraben. Denn in weiten Bereichen des Landkreises ist 4G nicht vorhanden, ja nicht einmal 3G (UMTS), auf das aufgebaut werden könnte. 

Aufwachen!

Für die Allgemeinheit ist es deshalb - auch wenn es vereinzelt noch Proteste gegen Masten gibt - unabdingbar, die Mobilfunknetze auszubauen. Der Freistaat hat dafür eigens ein Mobilfunkprogramm ins Leben gerufen, das eine Förderung von bis zu 90 Prozent vorsieht. Im Landkreis Haßberge haben sich von den 19 Kommunen, die mit Funklöchern geplagt sind, allerdings nur Haßfurt und Oberaurach für dieses Programm beworben. Die anderen 17 sollten nun schnellstens aufwachen und ihre Hausaufgaben machen, sonst rauscht der Zug bald ohne sie in Richtung Zukunft davon.

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