Oberschwappach

„Kunstpreis 2020“ des Haßberkreises geht an ein komplexes Werk

Faszinierende Werke hatten 24 Künstler für den Kunstpreis des Landkreises eingereicht. Bei der Preisverleihung gingen auch heimische Künstler nicht ganz leer aus.
Das monumentale Siegerbild mit einer Höhe von 1,5 Metern und einer Breite von 3 Metern hat Tommy Petzold mit dem Titel „Das Formelmeer der Grundlagenforschung“ betitelt.
Das monumentale Siegerbild mit einer Höhe von 1,5 Metern und einer Breite von 3 Metern hat Tommy Petzold mit dem Titel „Das Formelmeer der Grundlagenforschung“ betitelt. Foto: Günther Geiling

Für die fünfköpfige Jury war es kein Leichtes, zu ermitteln, welche Wettbewerbsbeiträge die ausgelobten Auszeichnungen erhalten sollten. Der Kunstpreis des Landkreises Haßberge genießt weit über dessen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit. 24 Künstler hatten sich mit 36 Werken daran beteiligt. „Im Falle des 1. Preises war sich die Jury ziemlich rasch einig: Die komplexe und außergewöhnliche Arbeit von Tommy Petzold mit dem wellenförmigen Bug eines imaginären Schiffes auf seiner Fahrt durch ein Meer aus Notizzetteln mit chemischen Summenformeln hat uns alle in ihren Bann gezogen“, sagte Dr. Matthias Liebel bei seiner Laudatio.

Mit dem „Kunstpreis 2020 des Landkreises Haßberge“ wurde Künstler Tommy Petzold aus Erlangen ausgezeichnet; hier mit Landrat Wilhelm Schneider, Laudator Dr. Matthias Liebel und Projektleiterin Renate Ortloff (von links).
Mit dem „Kunstpreis 2020 des Landkreises Haßberge“ wurde Künstler Tommy Petzold aus Erlangen ausgezeichnet; hier mit Landrat Wilhelm Schneider, Laudator Dr. Matthias Liebel und Projektleiterin Renate Ortloff (von links). Foto: Günther Geiling

Projektleiterin Renate Ortloff von der Kulturstelle des Landkreises Haßberge erinnerte zu Beginn daran, dass der Kunstpreis zum dritten Mal vergeben wird, aber Hindernisse zu bewältigen hatte. Bei der Vernissage hatte blitzartig einsetzender Schneefall vielen Gästen das Anreisen erschwert oder gar unmöglich gemacht. Und dann habe die Corona-Krise die Ausstellungswochen unterbrochen. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz sei die Ausstellung "H2O – Lebenselixier im Landkreis Haßberge" sehr erfolgreich gewesen.

Wasser war das Thema

Der Landkreis Haßberge hat seit geraumer Zeit dieses „Lebensmittel“ in seinem Genussangebot und es verwundere nach wie vor Nichtkenner der Region, dass der Landkreis so reich an Kulturschätzen sei. „Großartig ist aber auch die Fülle an Künstlerinnen und Künstlern, die hier bei uns im Landkreis wirken. Genauso wie Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus als "Hausherr" dankte sie dem Landkreis, dass den Künstlern mit diesem Kulturpreis Wertschätzung entgegenbringe. 

Landrat Wilhelm Schneider gab seiner Freude Ausdruck, die Ausstellung in so einem besonderen Ort wie dem ehemaligen Amtssitz der Ebracher Zisterzienser präsentieren zu dürfen. Dies trage auch zur Strahlkraft und zum Gelingen dieser Ausstellung bei. Die Preisverleihung fand allerdings nicht - wie gewohnt - im stilvollen Ambiente des Spiegelsaales statt, sondern coronabedingt unter freiem Himmel im Schlosshof. „Wasser (H2O ) ist nicht nur für den Landkreis Haßberge, sondern weltweit von existentieller Bedeutung. Regionale Ansatzpunkte zur Themenvorgabe bieten die unterschiedlichen Wasserläufe, Auen- und Waldlandschaften. Die Arbeiten sollen das Verhalten der Gesellschaft und den Umgang mit Ressourcen in Frage stellen und visionäre Planspiele aufzeigen“, zitierte der Landrat die Aufgabenstellung für die Künstler. Durch Verunreinigungen, bewusst oder achtlos entsorgtem Alltagsmüll in der Natur, durch Flächenversiegelung oder durch Verschwendung werde der Kreislauf unseres Ökosystems ständig geschwächt und dies galt es in drastisch schöner Form darzustellen.

Groß war das Interesse am „Kunstpreis 2020 des Landkreises Haßberge“. 24 Künstler beteiligten sich mit 36 Werken an dem Wettbewerb. Im Park von Schloss Obeschwappach trafen sie sich zu einem Erinnerungsbild.
Groß war das Interesse am „Kunstpreis 2020 des Landkreises Haßberge“. 24 Künstler beteiligten sich mit 36 Werken an dem Wettbewerb. Im Park von Schloss Obeschwappach trafen sie sich zu einem Erinnerungsbild. Foto: Günther Geiling

Gespannt warteten die Künstler und Ehrengäste auf die Laudatio für die Preisträger und die ausgelobten Kunstpreise. Die Juroren hätten sich darum bemüht, nicht nach subjektivem Geschmack darüber zu befinden, sondern andere Parameter zu setzen wie ikonographische Umsetzung des Themas, Anspruchsniveau der darin gebundenen Inhalte, kompositionsästhetische Gesichtspunkte sowie ihre Originalität in Stil und Ausführung, betonte Laudator Dr. Matthias Liebel für die Jury.

Kunstpreis „das Formelmeer der Grundlagenforschung“

„Hier steht der Betrachter vor einem monumentalen Bild auf speziellem Karton von 1,5 Metern Höhe und drei Metern Breite mit einem komplexen, collageartig zusammengestellten Sammelsurium motivischer Versatzstücke, die wie Gedankensplitter szenisch ineinander übergehen. Neben dem Segelmast sprengen, wie aufgepeitschte Wassertropfen, Schmierzettel mit weiteren chemischen Formeln und Berechnungsmodellen in die Höhe“, beschrieb Dr. Liebel das Siegerwerk.

Das Zettelmeer sei in Wirklichkeit ein Formelmeer: der „windgepeitschte Ozean des Wissens“. „Alles ist in Bewegung, alles ist im Fluss, alles ist gejagt und getrieben von einer geheimnisvollen, stürmischen Macht: der Macht der Forschung und der Wissenschaft.“ Der Künstler Tommy Petzold aus Erlangen benutze hier das Wasser als Sinnbild, als Metapher für eine Flut von verworrenen Ideen. „Es ist ein Werk, das Rätsel aufgibt, ein Werk, das uns staunen macht und ein Werk, das uns in seiner gestalterischen wie inhaltlichen Vielseitigkeit dazu einlädt, davor zu verweilen und seine rätselhaften Bedeutungszusammenhänge zu ergründen.“

Fast genauso rätselhaft präsentiert sich auch der Lebenslauf des 48-jährigen Tommy Petzold, der in Sachsen-Anhalt geboren wurde, zunächst eine Bergbauerlehre und anschließend eine Lehre zum Fliesenleger absolvierte. 1996 zog er nach Erlangen, ging wenig später auf eine fünfjährige Weltreise und fing vor gut zehn Jahren an, zu fotografieren und autodidaktisch zu zeichnen. „Und das tut er bis heute: explosionsartig, exzessiv und manchmal bis an die Grenzen seiner körperlichen Erschöpfung.“ Für seine außergewöhnliche und faszinierende Arbeit erhielt er unter großem Beifall aus der Hand von Landrat Wilhelm Schneider den „Kunstpreis 2020 des Landkreises Haßberge“, honoriert mit 2000 Euro.

Sonderpreis für „Arbors Tränen“

Einen Sonderpreis erhielt die Arbeit von Peter Schoppel aus Gundelsheim. Die Jury sah neben ihrem zeitkritischen Inhalt die Technik als einen besonderen Punkt: eine Kombination aus Radierung und Acrylfarbenmalerei. „Ich kenne ehrlich gesagt keinen anderen Künstler, der diese beiden Techniken bildgestalterisch miteinander kombiniert“, betonte Laudator Dr. Liebel, „zigfach übereinander, den Bruchteil eines Millimeters hoch, doch erhaben genug, um reliefartig wahrgenommen zu werden mit ihrem Wechsel von drüber und drunter.“

Der Künstler Peter Schoppel aus Gundelsheim bekam für seine Serie „Arbors Tränen“ den „Sonderpreis“ der Ausstellung.
Der Künstler Peter Schoppel aus Gundelsheim bekam für seine Serie „Arbors Tränen“ den „Sonderpreis“ der Ausstellung. Foto: Günther Geiling

Der Künstler Peter Schoppel, 1958 in Bamberg geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner, ehe er sich durch Teilnahme an Kursen und Lehrgängen professionell auf den Gebieten der Zeichnung und der Malerei hat ausbilden lassen. Seit 1987 unterhält er in Gundelsheim ein eigenes Atelier und ist seit 2005 hauptberuflich als bildender Künstler und Dozent unterwegs. Den Sonderpreis von 500 Euro übergab Peter Kuhn von der Firma Baurconsult.

Olaf Schönherr bekommt Publikumspreis

Im Rahmen der Ausstellung konnte sich auch das Publikum beteiligen und jeder konnte durch seine Stimmabgabe seinen Favoriten für den Publikumspreis auswählen. Dieser fiel auf einen Schubkarren mit 500 mundgeblasenen, weißen Glaskugeln, welche über einer Bodenschicht aus Rindenmulch die Wassermoleküle des Mains und seine mäandrierende Fließbewegung symbolisierten.

„Main(e) Vision 2025“ betitelte Künstler Olaf Schönherr aus Theres seine Installationskunst mit freien Glasobjekten. Dafür erhielt er den „Publikumspreis“.
„Main(e) Vision 2025“ betitelte Künstler Olaf Schönherr aus Theres seine Installationskunst mit freien Glasobjekten. Dafür erhielt er den „Publikumspreis“. Foto: Günther Geiling

Um zu erkunden, wie sehr die Umweltverschmutzung unsere Region belaste, hatte Künstler Olaf Schönherr aus Theres sogar einige Kinder des Kindergartens von Untertheres Plastikmüll an den Ufern des Mains sammeln lassen, wo sich zum Entsetzen der Kleinen sogar Autoreifen fanden und manches andere in freier Natur „wild“ entsorgt wurde. Seine Arbeit wollte er als Appell an die Ausstellungsbesucher verstanden wissen, der Verschmutzung unserer heimischen Gewässer und der fortgesetzten Vermüllung ihrer Ufer entgegenzuwirken. Dies sei nach den Worten Dr. Liebels gelungen. „Installationen wirken durch ihre raumgreifende und haptische Präsenz auf den Betrachter oft sehr viel unmittelbarer und eindringlicher als ein zweidimensionales Tafelbild. Dieser emotionale Charakter der Installationskunst spiegelt sich im Votum der Ausstellungsbesucher eindrucksvoll wider.“

Den Publikumspreis erhielt Olaf Schönherr aus Theres.
Den Publikumspreis erhielt Olaf Schönherr aus Theres. Foto: Günther Geiling

Künstler Olaf Schönherr erhielt aus der Hand von Jochen Benkert den von der Firma Benkert-Bänke in Altershausen den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis, während Christine Rieger aus Haßfurt durch Landrat Wilhelm Schneider mit einem Präsentkorb regionaler Produkte für die Publikumsteilnehmer überrascht wurde. „Sie haben ihre Stimme für ihr Lieblingswerk abgegeben und auf beeindruckende Weise dargestellt, warum dieses Werk ihr Favorit ist.“  Der 54-jährige Olaf Schönherr stammt aus Steinach und absolvierte eine Ausbildung zum Glasgestalter, die er mit der Meisterprüfung abschloss. Zunächst richtete er sich ein Atelier in Neuhaus am Rennweg ein, lebt und arbeitet aber nun seit 2012 in Theres, von wo aus er auch diverse Lehraufträge als anerkannter Glaskünstler hat.

Landrat Schneider übergab an Egon Stumpf, den Vorsitzenden des Kulturvereins, ein Sparschwein und ein Präsent für die Mithilfe bei der Organisation der Ausstellung. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten vom „Musik-Bahnhof Gädheim“ Marius Schuler mit seinem „Song for gay“ und Elina Schuler mit „Nuvole Bianche“.

Die Jury

Der Jury gehörten an: Dr. Matthias Liebel (Kunsthistoriker), Gerhard Schlötzer (Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Oberfranken.e.V.), Dierk Berthel (Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Unterfranken e.V.), Horst Hofmann (Geschäftsführer des Landratsamtes Haßfurt und Vorsitzender des Haßfurter Kulturforums) und Gabi Weinkauf (Künstlerin und Gewinnerin des Kunstpreises 2018).
Quelle: Günther Geiling

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